Wilhelm Tacke stellt sein neues Buch vor – „Die Mär von den toleranten Bremern“ Langer Weg zur Toleranz

Bremen. Tolerant sind sie, die Bremer. Sind sie schon seit Jahrhunderten und werden es bestimmt auch immer bleiben.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Langer Weg zur Toleranz
Von Jan-Felix Jasch

Bremen. Tolerant sind sie, die Bremer. Sind sie schon seit Jahrhunderten und werden es bestimmt auch immer bleiben. Und auch Redewendungen machen die Toleranz zur Haupteigenschaft des bremischen Charakters. Sogar eine Inschrift wies Bremen einst als „Hospitium ecclesiae“ aus – die Gastfreundschaft der Kirche also. Allerdings waren die Bremer – und vor allem auch die Kirche – über lange Zeit gar nicht tolerant. Zumindest brauchten sie mehrere Jahrhunderte, um offen gegenüber Fremden und Andersgläubigen zu werden. Das schreibt der Autor und Katholik Wilhelm Tacke (78) in seinem neuen Buch „Die Mär von den toleranten Bremern“.

Katholiken, Juden und Lutheraner hatten es bis ins 19. Jahrhundert nicht leicht in Bremen. Sie wurden diskriminiert. Begleiter des Missionars Willehad sind 782 sogar erschlagen worden. Katholiken durften nicht einmal Häuser kaufen, Bürgerrechte der Stadt erwerben oder einer Zunft beitreten, um ihren Beruf auszuüben. „Vorurteile gegen Katholiken haben eine lange Tradition“, sagt Wilhelm Tacke. Erst 1806 sei die Diskriminierung weniger geworden: Die französischen Besatzer sorgten dafür, dass der Bremer Rat offener wurde. Nachdem die Katholiken zuvor 150 Jahre ohne Kirche gewesen sind, bot man ihnen nun gleich vier an.

Wilhelm Tacke hat als Pressesprecher der katholischen Gemeinde in Bremen die Interessen der rund 12 000 Katholiken in Bremen vertreten. Außerdem war er der erste Katholik überhaupt, der in die bremische Kirchvereinigung aufgenommen worden ist. Er schreibt Aufsätze zu bremischen und kirchengeschichtlichen Themen und hat schon mehrere Bücher veröffentlicht.

In „Die Mär von den toleranten Bremern“ schildert er anekdotenreich und nicht immer ernst den langen Weg zur Bremer Toleranz. „Ich lese aber nicht nur Leviten“, sagt er, „ich komme selbst aus Westfalen und fühle mich in Bremen wohl“. So schlimm könne es also mit der fehlenden Toleranz gar nicht sein. Er habe durchaus auch weitere Punkte gefunden, die für die Toleranz Bremens sprechen: Es seien beispielsweise wenig Todesurteile vollstreckt worden. Allerdings sei dies wohl nur deshalb der Fall gewesen, weil jedes mal ein Anwalt aus Hannover hätte kommen müssen. Um sich diese Kontrolle zu ersparen, habe Bremen wenn möglich Gnade walten lassen.

Wilhelm Tacke kommt zu dem Schluss, dass Toleranz in Bremen mittlerweile weit verbreitet ist. Er betont jedoch, dass der Weg dorthin lang und steinig gewesen sei. Allerdings weist der Autor auch daraufhin hin, dass es eben noch keine flächendeckende Toleranz gebe. So kritisiert er den Umgang mit dem Neurobiologen Andreas Kreiter wegen seiner umstrittenen Versuche an Affen.

Das Buch kostet 19,90 Euro und ist im Handel erhältlich. „Das Buch kommt bisher, trotz der Zeit des Internethandels, gut bei den Lesern an“, sagt Verleger Horst Temmen. Tacke sieht das Buch als seinen Beitrag zum Start des 500-jährigen Reformationsjubiläums im kommenden Jahr. Während des Jahres wird auch ein Vergebungsgottesdienst stattfinden, der die Versöhnung zwischen katholischer und evangelischer Kirche weiter vorantreiben soll. Der Autor hofft, dass sein Buch auch ein wenig zur Versöhnung in Bremen beitragen kann, die allerdings längst begonnen habe. Denn Bremer sind anscheinend doch tolerant, auch wenn es vielleicht nicht immer ganz so war.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+