Armin Schöne rückt in seinem Buch schiefe Darstellungen gerade / Das nächste Manuskript ist schon fast fertig

Langwedels wirkliche Geschichte

Professor Armin Schöne ist auch als Emeritus weiterhin an der Universität Bremen präsent. Doch „sein“ Fachbereich 4 (Produktionstechnik – Maschinenbau und Verfahrenstechnik) und seine jüngste, große Publikation liegen thematisch weit auseinander. Es geht darin um „Die Erzbischöfe von Bremen und ihr Haus in Langwedel“.
05.06.2014, 00:00
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Von Erika Thies
Langwedels wirkliche Geschichte

Der Historiker Armin Schöne an seinem Schreibtisch in seinem Haus in Langwedel.

FOCKE STRANGMANN

Professor Armin Schöne ist auch als Emeritus weiterhin an der Universität Bremen präsent. Doch „sein“ Fachbereich 4 (Produktionstechnik – Maschinenbau und Verfahrenstechnik) und seine jüngste, große Publikation liegen thematisch weit auseinander. Es geht darin um „Die Erzbischöfe von Bremen und ihr Haus in Langwedel“.

Wer sich das Buch vornimmt, registriert beeindruckt, wie detailliert, zuverlässig und fleißig sich hier jemand, der doch genau genommen ein historischer Laie ist, des Themas angenommen hat. Wobei es dem Verfasser, seinen eigenen Worten nach, um „die wirkliche Geschichte“ ging und nicht etwa „nur um Geschichten“. Auch habe er „schiefe Darstellungen“ geraderücken können.

Armin Schöne, Jahrgang 1932, zog 1997 mit seiner Frau Helga nach Langwedel. Wo ihm bald auffiel, dass es auch hier, wie vorher schon in Lemförde und andernorts, geschichtlich noch viel Interessantes herauszufinden gab. Helga Schöne ist eine gebürtige Bremerin. Ihr Mann kommt ursprünglich aus Schlesien. Geboren in Reichenbach (heute: Dzierzoniów), verlebte Schöne seine Kindheit in Stahlhammer (jetzt: Kalety) – bis die Mutter 1945 in einer Januarnacht die Söhne weckte: „Armin, Jürgen, steht schnell auf. Wir müssen weg.“

Herablassender Blick

In Augsburg machte Armin Schöne 1950 das Abitur und fing – nach einem Studium der Ingenieurwissenschaften in München – 1955 bei Bayer in Leverkusen an. Später lieferte er mit einem neben der Berufsarbeit verfassten Werk über Prozessrechner auch seine Habilitationsschrift ab. Das war an der Technischen Hochschule Aachen, wo er als Professor nach wie vor dem Lehrkörper angehört.

Ein Start aus dem Stand waren „Die Erzbischöfe von Bremen und ihr Haus und Amt in Langwedel“ für Armin Schöne nicht. Vor diesem großen Werk gab es von ihm – neben all den beruflich bedingten Publikationen – schon viele kleinere historische Veröffentlichungen. Sie erschienen etwa in den Osnabrücker Mitteilungen, dem Heimatkalender für den Landkreis Verden, den Diepholzer Heimatblättern und anderswo.

Vom Schutzumschlag des Langwedel-Buches blickt ein mehr kriegerisch als geistlich wirkender Herr den Betrachter herablassend an: Erzbischof Friedrich II., der letzte Bremer Erzbischof. Er war von allen Bischöfen und Erzbischöfen, die es hier seit anno 787 gegeben hatte, wohl der mit der erstaunlichsten Karriere. Als seine beiden Diözesen Bremen und Verden nach dem Dreißigjährigen Krieg als Herzogtum Bremen-Verden an Schweden fielen, regierte er bereits als König Friedrich III. in Kopenhagen. Der Dänenprinz war 1623 mit 14 Jahren Bischof von Verden und 1634 mit 25 Jahren außerdem Erzbischof von Bremen geworden. Über die Besetzung solcher Ämter entschied ja längst das Herkommen viel mehr als eine eventuelle Religiosität.

Wie Erzbischof Friedrich II. waren schon seine drei Vorgänger nicht mehr katholisch, sondern evangelisch. Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg hatte 1575 sogar geheiratet, mit der Entschuldigung, er besitze leider „die Gabe der Keuschheit“ nicht. Seine junge Frau war eine Kölner Bürgerstochter. Geheiratet wurde in der erzbischöflichen Burg zu Hagen im Bremischen. In die Stadt Bremen mit ihrem selbstbewusster gewordenen Bürgertum trauten sich die Erzbischöfe inzwischen nur noch selten hinein. Sie residierten lieber in Bremervörde – und erschienen in ihren Ämtern Langwedel, Ottersberg oder Thedinghausen wohl vor allem, um abzukassieren.

Erzbischof Johann Grand soll sich in Langwedel aber auch länger aufgehalten haben. War er da vielleicht gerade auf der Flucht vor seinen Schäfchen? Von Papst Clemens V. 1310 zum Erzbischof von Bremen ernannt, kam er hier gegen die chaotischen Verhältnisse nicht an. Das Domkapitel erklärte ihn für geistesgestört und setzte ihn 1316 ab. Zu Unrecht, wie Papst Johannes XXII. urteilte. Es bewirkte wenig. Johann Grand starb 1327 in Avignon. Er war ursprünglich Däne. Später kamen für den Posten eines Bremer Erzbischofs fast nur noch norddeutsche Prinzen infrage. Besonders häufig vertreten war das Haus Braunschweig-Lüneburg.

Eine Burg für den Ort

Davon, dass „in loco qui dicitur Lancwedele“, dem Langwedel genannten Ort, bereits 1226 eine Burg existiert hat, zeugen mehrere überlieferte lateinische Texte. Erzbischof Gerhard II. von Bremen und Bischof Iso von Verden stritten damals um territoriale Rechte. Später ist das „castrum“ dann immer wieder vergrößert, verbessert und stärker befestigt worden. Endgültig zerstört wurde es wohl 1644, als die Truppen des Erzbischofs die Schweden noch einmal daraus vertreiben konnten.

Wo die Burg einst stand, kann man jetzt im „Burg-Bad Langwedel“ schwimmen gehen. Als dort vor ein paar Jahren bei gründlichen Sanierungsarbeiten nach Resten der alten Festung gegraben wurde, griff der Kreisarchäologe dankbar auf eine Schöne-sche Skizze von der alten Anlage zurück.

Im Wappen des Fleckens Langwedel erinnern ein Mauerstück und ein Torbogen an die erzbischöfliche Periode. Professor Schöne aber forschte inzwischen längst schon weiter. Nachdem er im ersten Band die Zeit bis 1648 behandelt hat, wird es im zweiten um Amt und Flecken Langwedel bis 1815 gehen. Das Manuskript ist fast druckfertig.

„Die Erzbischöfe von Bremen und ihr Haus und Amt Langwedel“ von Armin Schöne, 624 Seiten, erschien als Band 1 der Reihe „Geistliche und weltliche Herrschaft im Alten Reich“ im Europäischen Hochschulverlag, Bremen, und kostet 49,90 Euro. ISBN-Nummer 978-3-86741-880-5.

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