Initiative der Gewoba

„Lass es Vahr werden“

Im Bürgerzentrum Neue Vahr befasste sich ein Bürger-Workshop mit dem Entwicklungskonzept für Bremen-Vahr bis zum Jahr 2030.
30.05.2018, 20:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
„Lass es Vahr werden“

Jörn Ehmke (links) und Peter Stubbe von der Gewoba, die das Projekt in der Vahr organisiert und finanziert.

fotos: PETRA STUBBE

Wie wollen Bewohner der Vahr im Jahre 2030 in ihrem Stadtteil leben? Wie sollte der Verkehr organisiert sein, welche Qualität und Größe sollen Grün- und Wasserflächen haben, und wie soll sich das Zusammenleben von Senioren und Kindern, von Alteingesessenen und Neubürgern gestalten?

Der Gewoba gehören nicht nur die meisten Wohnungen in der Vahr, sie bemüht sich auch, die Lebensqualität der Bewohner im Stadtteil zu verbessern. Insofern ist es konsequent, dass das Wohnungsunternehmen ein Projekt initiiert, organisiert und finanziert, das Bewohnerinnen und Bewohner an einem Entwicklungskonzept für die Vahr bis zum Jahre 2030 beteiligt. Zahlreiche Anwohner, Experten, beispielsweise Stadtplaner, aber auch Beiratsmitglieder kamen im Bürgerzentrum Neue Vahr zusammen, um bei einem Workshop den Stand der Dinge zu präsentieren und zu diskutieren.

An dem Projekt sind mehrere Planungsbüros und externe Berater beteiligt, es hat unter anderem Netzwerk-und Milieuanalysen, Workshops unter den Gewoba-Mitarbeitern und Befragungen der Anwohner gegeben – aus der Vielzahl der Meinungen, Wünsche, Bedürfnisse und Anliegen soll eine Art Gesamtbild entstehen, das gemeinsam mit dem Bremer Bausenator in einem realisierbaren Zukunftskonzept münden soll. Außerdem soll „Vahr 2030“ in den gesamtstädtischen Prozess „Bremen 2035“ eingebracht werden.

Bereits Anfang September 2017 hatte es einen ersten Workshop gegeben, aus dem drei Werkstätten hervorgingen: Die Themen „mobile Stadt“, „blaugrüne Stadt“ und „Stadt für alle“ stehen darin im Fokus.

Beim Bürger-Workshop teilen sich die Anwesenden in drei Gruppen, in denen diese Themenblöcke jeweils vorgestellt und diskutiert werden. An drei großen Stellwänden sind erste Planungsentwürfe in dreidimensionaler Darstellung ausgedruckt: Vom Status Quo ausgehend zeigen sie Szenarien auf, die sich teilweise auf einzelne Straßenzüge, teilweise auf den gesamten Stadtteil beziehen.

Das Thema „mobile Stadt“ nimmt zum Beispiel die derzeitigen Verkehrs-Infrastrukturen unter die Lupe und bringt neue Konzepte ein, wie das der „Mobilitätsstationen“: An ihnen werden verschiedene Verkehrsangebote räumlich miteinander verknüpft, wobei für die Anwohner möglichst kurze Wege zu einer solchen Station geschaffen werden sollen. Leihfahrräder oder Car-Sharing-Fahrzeuge stehen dort zur Verfügung. Solche gut sichtbaren Mobilitätsstationen, die auch an eine ÖPNV-Haltestelle angebunden sind, könnten zahlreiche PKW-Parkplätze überflüssig machen.

„Wie geht man mit den großen Straßen wie der Kurt-Schumacher-Allee um?“, fragt eine Teilnehmerin vor der Stellwand „Bewegungsräume“. Breite, viel befahrene Straßen wirken derzeit als starke Barrieren – lässt sich ihre abgrenzende Wirkung vermindern, indem man zum Beispiel Seitenbereiche aufwertet und dort ein bis zwei Fahrspuren umwidmet? „Doch man will ja auch nicht für ständige Staus sorgen“, hält einer der Stadtplaner ihr entgegen. „Für weniger Autoverkehr sorgen, ist das wichtigste“, schaltet sich ein weiterer Bürger ein. Der starke Verkehr in der Vahr und die Frage, wie man damit umgeht, bieten immer wieder Stoff für intensive Diskussionen. Die Straßenbahn belaste zwar nicht wie der PKW- und LKW-Verkehr die Luft mit Schadstoffen, doch auch sie habe durch die Gleisführung an vielen Stellen eine trennende Wirkung – sollen also zusätzliche Querungen der Straßenbahn geschaffen werden und an welchen Stellen? Lassen sich zum Beispiel die neuen Mobilitätsstationen mit Kitas zusammen bringen, lässt sich durch ein dichteres Radwegenetz der Stadtteil besser nach außen anbinden?

In der Gruppe „blaugrüne Stadt“ hat sich bereits ein wichtiges Ergebnis herauskristallisiert: Die bestehenden Wasserflächen sollten ökologisch aufgewertet werden, denn die Wasserqualität sei überwiegend schlecht, könne aber durch biologische Reinigungsverfahren verbessert werden. Und die Ränder der Gewässer in der Vahr, von denen viele bisher kaum zugänglich seien, könnten besonders für Kinder als attraktive Erlebnisräume gestaltet werden.

Der Themenblock „Stadt für alle“ schließlich zeigt unter anderem Ideen auf, wie ­bestehende Strukturen vor allem für Kinder und Ältere ergänzt werden können, ohne dass viel neu gebaut werden muss. Neue Nachbarschafts-Räume sollen entstehen, ­indem zum Beispiel im Umkreis von ­Spielplätzen Jung und Alt zusammenkommen.

An den Stellwänden werden viele Stimmen und Anregungen der Bürger laut, doch bisher bilden die vielen Vorschläge ein Sammelsurium, das noch intensiver gebündelt werden muss und weiterer Konzeptarbeit bedarf. Petra Kurzhöfer von der Gewoba weist abschließend darauf hin, dass es im Herbst eine Fachveranstaltung zu „Vahr 2030“ geben wird, und das Projekt auch den Beirat weiterhin beschäftigen wird.

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