Praktisch, aber nicht ungefährlich

Stadtbürgerschaft beschließt Einschränkung für Laubbläser

Den einen nerven sie, dem anderen nützen sie: Laubbläser. Mit dem Herbstanfang hat die Stadtbürgerschaft die Einschränkungen ihrer Nutzung beschlossen. Konkrete Zahlen zur Umsetzung bleiben aber offen.
16.09.2020, 06:30
Lesedauer: 4 Min
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Stadtbürgerschaft beschließt Einschränkung für Laubbläser
Von Lisa Urlbauer
Stadtbürgerschaft beschließt Einschränkung für Laubbläser

Den einen nerven sie, dem anderen nützen sie: Laubbläser. Mit dem Herbstanfang hat die Stadtbürgerschaft beschlossen, dass der Einsatz von Laubbläsern mit Verbrennungsmotor in Bremen zukünftig eingeschränkt werden soll.

Daniel Bockwoldt

Die ersten Blätter sind bereits gefallen. 5000 Tonnen Laub werden es in den kommenden Monaten noch werden. So viel fällt im Schnitt jedes Jahr auf die Flächen, um die sich der Umweltbetrieb Bremen (UBB) kümmert. Eine Menge, die nicht mit Harken beseitigt werden kann, sagt Sprecherin Kerstin Doty. „Eine maschinelle Unterstützung ist auf jeden Fall erforderlich.“ Dafür nutzt der UBB 100 Laubbläser, die hauptsächlich mit einem Verbrennungsmotor betrieben werden. Ihr Einsatz soll nun beschränkt werden – das hat die Stadtbürgerschaft in ihrer Sitzung am Dienstag beschlossen.

"Laub sollte nur dort entfernt werden, wo es die Verkehrssicherheit beeinträchtigt. Alles andere ist unnötig", sagt Ralph Saxe, umweltpolitischer Sprecher der Grünen. „Laubbläser und Laubsauger schaden der Natur. Sie beseitigen nicht nur das Laub. Sie saugen mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde auch die darin lebenden Tiere an und häckseln sie."

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Darüber hinaus können die Geräte auch gesundheitliche Folgen haben, sagt Saxe. „Ein Laubsauger ist mit bis zu 115 Dezibel so laut wie ein Presslufthammer. Bereits 60 Dezibel können die Gesundheit beeinträchtigen." Auch die Belastung mit Feinstaub und anderen Schadstoffen würde durch die Nutzung erhöht. "Das verlangt verstärkte Maßnahmen beim Arbeitsschutz." Neben dem Gehörschutz seien auch Atemmasken erforderlich. Die Alternative aus seiner Sicht: akkubetriebene Laubsauger. "Den Umstieg auf solche Geräte muss Bremen für Mensch und Umwelt forcieren", sagt Saxe. Konkrete Zahlen zum Umstieg von Diesel und Benzin auf Akku gibt es aber nicht – daran arbeiten die Betriebe bisher in Eigenregie.

„Bei uns sind Laubbläser ein großes Thema“, sagt Bürgerpark-Direktor Tim Großmann. Großmann erklärt, dass das Laub von den Wegen entfernt werden müsse, damit diese nicht vermatschten. Auch auf den Spiel- und Liegeflächen müsse Laub geräumt werden. „Wir verblasen es in die Gehölzflächen oder kompostieren es auf unserem Betriebshof.“ Dazu gibt es im Bürgerpark Laubbläser in verschiedenen Größenordnungen – vom Handgerät bis zum Traktor. Zwei Laubbläser, die auf dem Rücken getragen werden, seien Akku betrieben, sagt Großmann. Einer habe einen Benzinmotor. „Wir schauen jedes Jahr, wo wir umstellen können.“

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„Die Leistung eines akkubetriebenen Laubbläsers ist im Vergleich deutlich geringer“, sagt Kerstin Doty vom Umweltbetrieb Bremen. Derzeit nutze der UBB elf akkubetriebene Handblasgeräte. Aufgrund der Leistungsfähigkeit könnten diese aber nur auf kleineren Flächen genutzt werden. „Alle Geräte sind mit zwei Ersatz-Akkus ausgestattet, was einen Dauereinsatz von maximal anderthalb Stunden ermöglicht. Das Nachladen im Außeneinsatz ist derzeit nicht möglich.“

Die Geräte mit Verbrennungsmotor ließen sich nur teilweise durch akkubetriebene Geräte austauschen, gibt Doty zu bedenken. „Die Beschaffung eines motorbetriebenen Gerätes kostet aktuell rund 700 Euro, die Beschaffung eines ähnlich leistungsfähigen akkubetriebenen Gerätes ungefähr 1850 Euro. Bei der Ersatzbeschaffung würden Mehrkosten von rund 115 000 Euro entstehen.“ Die Ausgaben für die Ersatzakkus seien dort noch nicht eingerechnet, sagt die Sprecherin. Der Bedarf an ihnen wäre immens: 16 Akkus für einen achtstündigen Einsatz. Stückpreis: 300 Euro.

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Fünf Geräte seien bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) im Einsatz, drei davon würden mit einem Akku betrieben, sagt Unternehmenssprecher Jens-Christian Meyer. Weitere folgten, sobald die alten Laubbläser ersetzt werden müssten. „Wir brauchen die Laubbläser mit Verbrennungsmotor erstmal auf.“ Die BSAG nutzt die Laubbläser nicht für Blattwerk, sondern um die versiegelten Böden an Haltestellen zu säubern. Die Bürsten der Reinigungsmaschinen seien nicht ausreichend, um zum Beispiel Zigarettenstummel zu erreichen, sagt Meyer.

Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Bremer Naturschutzbundes (Nabu), kann verstehen, dass im öffentlichen Raum Laubbläser eingesetzt werden. Im heimischen Garten sei die Situation aber eine andere: Dort gebe es aus Sicht des Naturschutzes kaum gute Gründe für den Einsatz der Geräte. „Aus ökologischer Sicht sind Laubbläser eine Katastrophe." Ob Laubbläser oder Laubsauger genutzt würden, sei egal. Beide Geräte entfernten das Laub – und damit Futter und Schutzräume für die Bewohner des Gartens. Darum rät Hofmann zum Einsatz von Harken. Außerdem empfiehlt er, Bodendecker zu pflanzen, unter denen das Laub bleiben kann, oder einen Komposthaufen anzulegen. "Böden trocknen weniger aus, wenn eine Mullschicht auf ihnen liegt."

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Zur Sache

Bürgerschaft diskutiert über Laubbläser

Der Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern mit Verbrennungsmotor soll eingeschränkt werden. Das hat die Stadtbürgerschaft am Dienstag in ihrer Sitzung beschlossen. Die Entscheidung ist ein Balanceakt zwischen Umwelt- und Gesundheitsschutz auf der einen Seite und der Arbeitsentlastung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf der anderen Seite. Darin waren sich die Fraktionen von SPD, Grünen, Linken, CDU und FDP in der Debatte um die Einschränkung der Geräte einig. Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) forderte die Betriebe dazu auf, zu überlegen, auf welchen Flächen Laub entfernt werden müsste. „Es ist der natürliche Biodünger. Wir sollten Laub dort belassen, wo es keinen stört.“ In ihren eigenen Gärten sollten Bremerinnen und Bremer lieber zur Harke statt zum Laubbläser greifen.

Dem Bürgerschaftsbeschluss zufolge sollen der Umweltbetrieb Bremen und die BSAG Laubbläser nicht nur seltener einsetzen, sondern auch auf akkubetriebene Geräte umsteigen. Darüber hinaus soll sich der Senat mit dem Beschluss auf Bundesebene für Lärmgrenzwerte einsetzen, die dann in einer EU-Verordnung geregelt werden müssten. „Wir haben für alles mögliche Grenzwerte, aber nicht für diese Geräte“, sagte Ralph Saxe (Grüne).

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