Laurie Hofmann erforscht Korallenriffe

Korallenriffe sind Naturschönheiten. Sie kommen in den Tropen vor und benötigen warmes Wasser.
20.07.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Crhistine Gräfing

Korallenriffe sind Naturschönheiten. Sie kommen in den Tropen vor und benötigen warmes Wasser. Bei Korallen handelt es sich um Tiere, die mit Algen in einer biologischen Zweckgemeinschaft leben. Eher unbekannt ist das Forschungsthema der aus den USA stammende Biologin Laurie C. Hofmann. Sie arbeitet in ihrem Forschungsprojekt in der Arbeitsgruppe „Mikrosensoren“ am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie mit speziellen Lebewesen: mit korallinen Algen.

Koralline Algen und Rhodolithen (steinartige Rotalgen), eine Art von korallinen Algen, ähneln den Korallen, sind aber keine Tiere und haben zudem die Eigenschaft, Kalk einzubauen. Sie seien global verbreitet, sagt Laurie C. Hofmann und zeigt Fotos von Rhodolithen aus der Arktis und krustigen korallinen Algen aus Antarktis.

Sie sind noch kaum erforscht, und doch ist schon klar, dass koralline Algen wichtig für unsere Ozeane und Küsten sind, denn sie haben verschiedene schon bekannte und bedeutende Funktionen. Die Kalk produzierenden Algen bauen Strände und Riffe und werden deshalb auch „Ingenieure“ genannt. Außerdem dienen sie als Zement und Klebstoff für Korallenriffe. Für Fische, Muscheln und Krebse stellen koralline Algen einen wichtigen Lebens- und Rückzugsraum dar, und sie haben eine wichtige Bedeutung für die Küstenstabilität.

Es gebe sie in den unterschiedlichsten Formen, sagt Hofmann und deutet auf verzweigte Formen koralliner Algen, die vor Helgoland vorkommen, oder ballartige Varianten, die sich bei Strömung auf dem Ozeanboden hin und her bewegen. Rhodolithen liefern viel Material für Strände.

Ein Foto von Fuerteventura zeigt einen weißen Strand aus Skeletten toter, erodierter Rhodolithen, die wegen ihrer Struktur „Popcorn“ genannt werden. In Brasilien hat man ein Areal entdeckt, das so groß ist wie das Land Hessen. Das Größte der sogenannten Rhodolithen-Betten ist erst vor drei bis vier Jahren gefunden worden. Auch das Rocas-Atoll, 250 Kilometer vor der Küste Brasiliens, ist vollständig aus korallinen Algen aufgebaut, aber bislang noch wenig untersucht.

Jetzt werden immer mehr Riffe entdeckt. Laurie C. Hofmann präsentiert eine Karte von 2001, nach der unter anderem vor Grönland, Island, an der Algarve, vor Brasilien und Europa viele, bei Australien aber eher wenige diese Riffe gefunden wurden. Eine aktuellere Karte aus dem Jahr 2016 zeigt indes ein anderes Bild, denn diese Art von Riff ist weiter verteilt, als gedacht, unter anderem auch vor der gesamten Küste Australiens.

Vergangenes Jahr ist ein neues, riesiges Riff vor der Mündung des Amazonas' entdeckt worden, wo es aus Lichtmangel eigentlich gar nicht existieren dürfte. Von einem Greenpeace-Schiff aus wurden Tauchgänge unternommen. Taucher haben bei dieser Gelegenheit das riesige Riff aus Rhodolithen gefunden, über das aber nichts weiter bekannt ist.

Ein Grund, warum diese Riffe nicht schon vorher gefunden wurden, liegt mitunter in der schweren Erreichbarkeit. Koralline Algen sind Algen, die sogar bis in zu 200 Meter Tiefe leben und mitunter nur sehr wenig Licht (weniger Licht als beispielsweise Korallen) benötigen. Diese Orte sind schwer und nur mit Robotern erreichbar.

Rhodolithen sind von den Tropen bis zu den Polargebieten verbreitet und es werden immer mehr entdeckt. Ihre Bedeutung für die globalen Stoffkreisläufe ist noch unklar. Eine Gefahr für die, große Mengen Kohlenstoff speichernden, Rhodolithen besteht durch die Ozeanversauerung. Durch einen höheren Kohlendioxid-Eintrag in die Atmosphäre gelangt auch mehr Kohlendioxid in die Ozeane und lässt sie durch chemische Reaktionen ein bisschen saurer werden.

Wird der Ozean saurer, können die Kalkalgen nicht mehr bestehen, denn deren Kalk-Skelett droht sich aufzulösen. In der Arbeitsgruppe untersucht Laurie Hofmann nun mit Mikrosensoren kleinste Prozesse in kleinsten Regionen, also die Physiologie, die Lebensvorgänge von Rhodolithen. Dabei will die Forscherin herausfinden, wie die Rhodolithen auf den Klimawandel und die Versauerung der Ozeane reagieren und auch, welche Rolle Bakterien spielen.

Ziel ist es, Wissen und Erkenntnisse über die korallinen Algen zu verbreiten und Prognosen zur Zukunft der Kalkalgen stellen zu können. Dies besonders unter dem Einfluss des Klimawandels und der sich verändernden Lebensbedingungen. Denn koralline Algen sind bedeutsam für die ökologische Vielfalt und wichtig für die Beständigkeit von Riffen und unserer Küsten.

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