Interview über die Pläne für das Kellogg-Gelände "Leben an der Weser, auf der Überseeinsel"

Bolzplätze, Kultur, öffentliche Einrichtungen oder Wohnen an der Weser – an Ideen für die Überseeinsel mangelt es WPD-Chef Klaus Meier nicht. Welche Vision er dort verfolgt, erklärt er im Interview.
17.04.2018, 13:35
Lesedauer: 5 Min
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Von Maren Beneke

Ihnen gehören mit der Überseeinsel nun 15 Hektar Fläche in bester Bremer Lage. Bisher sind Sie in Bremen nicht als großer Bauprojektentwickler in Erscheinung getreten. Warum jetzt?

Klaus Meier: Zu dem Gesamtgrundstück sind wir etwas überraschend gekommen. Wir hatten ein Vorkaufsrecht für einen Teil der Fläche. Als Kellogg dann öffentlich gemacht hat, dass die Produktion geschlossen wird und die Diskussion um die Nachnutzung begann, haben wir den Finger gehoben. Das war vor etwas mehr als einem halben Jahr.

Wollen Sie tatsächlich das ganze Gelände selbst entwickeln oder kommt für Sie auch ein Verkauf von Teilflächen in Frage?

Es liegen Anfragen nach Teilflächen vor. Aber wir wollen möglichst nicht filetieren. Wir entwickeln selber, denn wir wollen, dass am Ende ein homogenes Quartier in unserer Nachbarschaft entsteht.

Es heißt, Sie seien schon lange in die Gespräche, wie es auf dem Grundstück weitergeht, involviert und haben auch schon sehr konkrete Vorstellungen. Wie sehen Sie das Quartier vor Ihrem inneren Auge?

Fest steht: Die Überseeinsel wird ein Mischgebiet, in dem Wohnen eine große Rolle spielt. Gerade der erste Abschnitt, also der in direkter Nachbarschaft zu uns, würde sich beispielsweise für Eigentumswohnungen anbieten. Die zentralen Fragen sind: Wie können wir das Gelände für Familien spannend gestalten und wie entsteht ein funktionierendes Quartier?

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In der Überseestadt gibt es keine Schulen, dafür aber jede Menge Staus. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um junge Familien anzulocken...

Schulen und Kitas sind im Quartier geplant. Und diese werden eher am Anfang der Entwicklung stehen. Nachfrage nach Kita-Plätzen besteht über das Quartier hinaus und auch aus den Unternehmen – nicht zuletzt aus unserem. Insgesamt wird es lebendig und bunt sein: Bolzplätze, Kultur, öffentliche Einrichtungen. Leben an der Weser, auf der Überseeinsel.

In direkter Nachbarschaft an das Gelände haben Sie mit Reimer Logistics, Rickmers Reismühle oder SSB funktionierende Industriebetriebe, für die das Bremer Modell eingeführt wurde. Das heißt: Es gibt bestimmte Regeln, was in deren Umfeld gebaut werden darf – und was nicht. Haben Sie Sorge, dass sich Ihre Visionen nicht so umsetzen lassen, wie gedacht?

Es gibt Grundstücksbereiche, die sich für Wohnen eignen. Andere eher für Landmarken oder Unternehmenszentralen. Und es ist ganz klar, dass auf den Grundstücksbereichen in der Nähe zu den Industriebetrieben nur etwas entstehen kann, das auch mit der Industrie kompatibel ist – Wohnen kommt da eher nicht in Frage.

Sie kommen mit WPD als Windparkprojektierer aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Es gibt Gerüchte, dass Sie auch mit Wasserstofftechnologie auf dem Gelände arbeiten wollen. Was haben Sie vor?

Uns bewegt als Unternehmen unter anderen die Frage, wie die Sektoren Strom-Wärme-Verkehr miteinander gekoppelt werden können, also wie mit Strom aus Windenergie zum Beispiel Heizungen oder auch Autos betrieben werden. Technisch gibt es dafür vielfältige Ansätze. Der Einsatz von regenerativ erzeugtem Wasserstoff ist eine Möglichkeit. Eine entsprechende Umwandlungsanlage, ein Elektrolyseur, wäre aber nicht auf der Überseeinsel, sondern in Nähe zu bestehenden Windenergieanlagen zu errichten. Wir betreiben einige bestehende Windenergieanlagen in den Industriehäfen, zusammen mit der SWB und auch auf dem ehemaligen Stahlwerkegelände, das wir vor zehn Jahren gekauft haben. Für die Überseeinsel gibt es aber noch kein fertiges Konzept, sondern nur eine Ideensammlung. Eine Idee ist beispielsweise, dass in dem Quartier über Quartiersgaragen Mobilität zentralisiert wird. Dort könnten dann Batterien aufgetankt und Car-Sharing-Systeme installiert werden.

Der Strom müsste dann von den Industriehäfen oder dem Stahlwerkegelände aber ja auch erst einmal zur Überseeinsel kommen.

Die technisch einfache, aber wohl verwaltungstechnisch schwierige Lösung wäre, das Kabel einfach durch die Weser zu verlegen. Der andere Weg wäre – wie üblich – quer durch die Stadt.

Im vergangenen Oktober haben Daimler, Shell und Linde in Bremen die erste Wasserstoff-Station eingeweiht. Außerdem werden im Bremer Daimler-Werk die neue Generation von Brennstoffzellenfahrzeugen hergestellt werden – die ersten Vorserienfahrzeuge wurden auf der IAA vorgestellt. Gibt es bereits Kooperationsgespräche mit diesen Unternehmen?

Natürlich unterhält man sich mit diesen und weiteren Unternehmen – auch vollkommen unabhängig von der Überseeinsel. Und es gibt auch den ein oder anderen, der sich unsere Ideen zum Carsharing mit Elektro- und Wasserstoffmobilität ansehen möchte. Da jetzt konkreter zu werden, wäre aber viel zu früh.

Zuletzt hieß es, dass identitätsstiftende Gebäude wie das Kellogg-Silo erhalten bleiben könnten. Welche Ideen gibt es für die Weiternutzung?

Das Silo ist stadtprägend. Vorstellen könnte ich mir da vieles: ein Hotel, eine Unternehmenszentrale, ein Museum. Es gibt weltweit einige wunderbare Beispiele, wie alte Silos umgewandelt wurden. Ich habe vor kurzem in Südafrika in einem Restaurant auf einem umgenutzten Silo großartig gegessen.

Das Thema Altlasten, also die Kontamination eines Teils des Bodens des Kellogg-Geländes, ist aber noch nicht ganz vom Tisch.

Davon wussten wir vorher, insofern lässt sich damit einigermaßen rechnen. Da sind Risiken, die uns ebenso beschäftigen. In den vergangenen Monaten gab es einige Bombenfunde in der Überseestadt. Das kann uns natürlich auch treffen und muss genauso in die Kosten einkalkuliert werden, wie der Rückbau von Gebäuden.

Wie haben Sie den Verlauf der Verhandlungen mit Kellogg und der Stadt empfunden?

Der Prozess ist immer noch wahnsinnig schnell und intensiv. Alle Beteiligten haben viel Zeit investiert, alle wollten dabei sein – das gilt im Übrigen auch für Robert C. Spies, die das ganze Projekt vermittelt haben und auch zukünftig beratend begleiten werden, sowie für die sechs Büros, über deren Entwürfe wir am vergangenen Freitag entschieden haben.

In den Gesprächen zwischen Kellogg und Stadt waren die Fronten teilweise verhärtet. Vom Instrument der städtebaulichen Maßnahme, also Veränderungssperren, war zwischenzeitlich die Rede, zwischen Bau- und Wirtschaftssenator gab es mächtig Knatsch. Macht einem das als Investor nicht das ganze Projekt madig?

Wir haben in Bremen die tolle Situation, dass sich Politik für Projekte wie die Überseeinsel stark interessiert. Die Fläche mit ihrer Wasserlage und ihrer Zentralität ist sicher auch etwas ganz besonderes. Dass man sich da mal uneinig über den Weg der Entwicklung sein kann, ist doch klar. Mich hätte es viel mehr skeptisch gemacht, wenn sich niemand um die Fläche gekümmert hätte. Und die Zusammenarbeit mit dem Bau- und Wirtschaftsressort spricht dafür, dass mindestens jetzt bestes Einvernehmen herrscht.

2021 könnten – nach bisherigem Stand – die ersten Bagger rollen. Wie ist der weitere Zeitplan?

Ich würde gern schon vor 2021 Leben auf das Gelände bringen. Die Bestandsgebäude können wir uns beispielsweise auch vorher schon anschauen. Und es wäre toll, wenn von solchen Gebäuden schon richtige Impulse auf das Gesamtgrundstück rausgehen. Aber für Stufe Eins der Neubauten ist 2021 ein realistisches Datum. Derzeit gehe ich davon aus, dass das Gesamtvorhaben frühestens in zehn Jahren fertig sein wird.

Das Gespräch führte Maren Beneke.

Info

Zur Person

Klaus Meier (53) hat den Windparkprojektierer WPD GmbH 1996 zusammen mit Geschäftspartner Gernot Blanke in Bremen gegründet. Bereits zuvor hatte der promovierte Jurist unter anderem Landwirte beim Bau von Windkraftanlagen beraten und vertreten. 2001 wurde WPD in eine AG umgewandelt. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe mit dem vierfachen Familienvater Meier als Aufsichtsratsvorsitzenden weltweit gut 2000 Mitarbeiter. WPD-Hauptsitz ist heute das Stephanitorsbollwerk in der Überseestadt in direkter Nachbarschaft zum früheren Kellogg-Gelände.

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