Soziale Spaltung macht krank Lebenserwartung in den Bremer Stadtteilen unterscheidet sich erheblich

Der Landesgesundheitsbericht 2019 für das Land Bremen zeigt, wie eng Gesundheit, Krankheit und Lebenserwartung an die soziale Lage gekoppelt sind.
24.04.2019, 21:03
Lesedauer: 3 Min
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Lebenserwartung in den Bremer Stadtteilen unterscheidet sich erheblich
Von Sabine Doll

Gesundheit, Krankheit und die Lebenserwartung hängen in Bremen besonders stark von den Lebensumständen ab. Das geht aus dem Landesgesundheitsbericht 2019 hervor, der den Gesundheitszustand von Kindern und Erwachsenen vor allem auch im Hinblick auf negative soziale Indikatoren wie ein niedriges Bildungsniveau, Gefährdungen am Arbeitsplatz, schlechte Wohnbedingungen, Arbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigung bewertet hat.

Der markanteste Befund: In sogenannten sozial benachteiligten Stadtteilen in Bremen sterben die Menschen im Schnitt deutlich früher. Die niedrigste Lebenserwartung bei Geburt für den Zeitraum 2008 bis 2017 haben danach Frauen und Männer in Gröpelingen mit jeweils 79,7 und 74,2 Jahren, die höchste in Schwachhausen – der Unterschied zwischen beiden Stadtteilen beträgt bei Männern 7,2 Jahre, bei Frauen 5,9 Jahre. Im Vergleich zur Dekade davor ist der Unterschied zwar geschrumpft. Aber: Im Bundesländervergleich liegt Bremen bei der Lebenserwartung auf dem vorletzten Platz. Am ältesten werden Frauen (84 Jahre) und Männer (79,5 Jahre) in Baden-Württemberg – sie leben jeweils 1,6 und 2,3 Jahre länger als Bremerinnen und Bremer.

Zusammenhang wird vor allem auch bei Kindern deutlich

Mit dem Bericht werde die enge Verknüpfung der sozialen mit der gesundheitlichen Lage sehr deutlich, sagt Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) dem WESER-­KURIER. „Dass Menschen mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln oder in schwierigen Lebenslagen häufiger chronisch krank sind, häufiger gesundheitsriskantes Verhalten aufweisen und auch eher sterben, ist inzwischen bekannt. Die Auswertungen der Daten in diesem Gesundheitsbericht legen nahe, dass die Ergebnisse mit diesen Lebensumständen zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund gilt es hier weiterhin gegenzusteuern“, betont die Gesundheitssenatorin.

Deutlich wird der Zusammenhang mit der sozialen Lage vor allem auch bei Kindern: Die Schuleingangsuntersuchungen des Gesundheitsamts liefern jährlich aktuelle Daten. Danach lag der Anteil übergewichtiger oder adipöser (fettleibiger) Schulanfänger in der Stadt Bremen bei 11,7 Prozent. Besonders auffällig sind auch dabei die Unterschiede zwischen den Stadtteilen: So traten bei Kindern, die in einem der sozial benachteiligten Ortsteile Bremens wohnten, Übergewicht oder Adipositas dreieinhalb Mal häufiger auf als bei Mädchen und Jungen aus gut situierten Bereichen der Stadt: 15,9 Prozent zu 4,4 Prozent.

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Wie im Bund hat sich auch in Bremen die Zahngesundheit von Kindern verbessert, allerdings ist sie laut Bericht im Bundesvergleich durchgängig schlechter. Nach den aktuellen Daten hat knapp die Hälfte (48,4 Prozent) der Erstklässler in der Stadt Bremen ein kariesfreies Gebiss, bei mehr als einem Drittel (37,6 Prozent) waren die Zähne behandlungsbedürftig, fast jedes siebte Kind (14 Prozent) hatte ein saniertes Gebiss – ebenfalls fast jedes siebte Kind (15 Prozent) wurde als Kariesrisiko-Kind eingestuft.

Bei ihnen waren unter anderem mehr als fünf Milchzähne kariös. „Die enge Korrelation zwischen Gebisszustand und Sozialstatus ist vielfach belegt, schon im Kindesalter zeigt sich dieser Zusammenhang“, schreiben die Autoren des Berichts. Seit 2017 ist die Teilnahme an den schulzahnärztlichen Untersuchungen an Grundschulen und der Sekundarstufe im Land Pflicht.

Angebote sollen weiter ausgebaut werden

Neben der gesundheitlichen Lage hat der Bericht auch gesundheitsschädliche Risikofaktoren bei Erwachsenen wie etwa Tabakkonsum untersucht: Danach rauchen Bremer Frauen im Ländervergleich am meisten, bei den Männern sind die Raucheranteile nur in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern höher. Beim Risikofaktor Übergewicht ist die Situation in Bremen dagegen besser als in anderen Ländern.

„Mit dem Gesundheitsbericht haben wir eine Datenbasis, auf deren Grundlage wir Maßnahmen für die Bremerinnen und Bremer entwickeln können“, betont die Senatorin. „Das zeigt, dass unser Ansatz, die Prävention zu stärken, der richtige Weg ist.“ Mit dem ­Präventionsgesetz habe Bremen mehrere Projekte wie beispielsweise Gesundheitsfachkräfte an Schulen, Angebote zur Gesundheitsförderung von Langzeitarbeitslosen sowie ­Alleinerziehenden und in Betrieben umgesetzt. Solche Angebote sollen künftig weiter ausgebaut werden.

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