Chef des La Viva im Interview „Tanzen auf Abstand geht einfach nicht“

Seit Monaten ist der Club zu. Bülent Ünal (55) spricht als Geschäftsführer der Diskothek La Viva im Interview über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadt und junge Menschen und über Perspektiven.
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„Tanzen auf Abstand geht einfach nicht“
Von Pascal Faltermann

Herr Ünal, wie ist die Situation für Sie als Geschäftsführer der Diskotheken La Viva gerade? Wie geht es Ihnen?

Bülent Ünal: Den Umständen entsprechend, also eher bescheiden. Wir haben seit dem 14. März geschlossen und somit keinen Betrieb mehr. Der Alltag sieht dementsprechend trist aus. Ich versuche, Rechnungen zu begleichen, und schaue jeden Tag, was es für neue Informationen für unsere Branche oder die Kollegen in der Gastronomie gibt.

Was bedeutet es, wenn ein Club so lange geschlossen hat? Wie wirkt sich das auf eine Stadt und junge Menschen aus?

Um es kurz zu sagen: Es ist eine Katastrophe. Für das Klientel, das wir Wochenende für Wochenende in Bremer Diskotheken hatten, das sind allein im La Viva mehr als 100 000 Besucher im Jahr, gibt es derzeit keine andere Möglichkeit. Wenn man die Besucher der anderen Läden dazu zählt, kommen wir auf eine beachtliche Anzahl an jungen Menschen. Die haben sich am Wochenende schick gemacht, haben Freunde getroffen und sind in einen Club gegangen, um Spaß zu haben, um zu tanzen, um sich kennenzulernen. All diese Möglichkeiten sind ihnen von heute auf morgen genommen worden. Die Jugend ist gewissermaßen vergessen worden, sie ist auf der Strecke geblieben.

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Was glauben Sie, wann wird es wieder möglich sein, im La Viva tanzen zu gehen?

Das ist so wünschenswert, allerdings wird es perspektivisch gesehen noch ein sehr langer Weg werden. Also entweder bis zu dem Zeitpunkt, mit dem durch Impfungen eine Herdenimmunität erreicht wird oder bis es durch Schnelltests eine Möglichkeit gibt, die es den Gästen erlaubt, unbeschwert miteinander Spaß zu haben und sich näher zu kommen. Tanzen auf Abstand geht einfach nicht, die Atmosphäre in einem Club kann man auch anderweitig nicht erzeugen.

Mit welchem zeitlichen Horizont rechnen Sie?

Vermutlich nicht vor Ende 2021, vielleicht erst 2022.

Was empfinden Sie, wenn Sie gerade ins leere La Viva gehen?

So wie es hier gerade aussieht, ist es ein Trauerspiel. Du kommst in einen riesigen Laden, wo normalerweise Remmidemmi ist, und alles sieht tot aus, kalt und leer. Das ist schon ein sehr tragisches und tristes Bild, was einem hier begegnet. Es ist aber schon wichtig, dass wir unseren Beitrag dazu leisten, indem wir unsere Läden geschlossen halten, damit die Pandemie bekämpft und eingedämmt werden kann. Wenn wir ein Teil der Lösung sind, wollen wir auch unseren Beitrag dazu leisten.

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Wird Ihnen ausreichend geholfen?

Wir sind in Bremen in einem guten Dialog mit der Politik, die haben uns auf dem Schirm. Bei den Vereinen, die unsere Interessen unterstützen, wie die Bremer Gastro-Gemeinschaft oder die Dehoga gibt es offene Ohren und Türen.

Das Gespräch führte Pascal Faltermann.

Info

Zur Person

Bülent Ünal (55) ist Geschäftsführer der Diskothek La Viva. Zudem fungiert er als Sprecher der Interessengemeinschaft Meile Kollektiv sowie im Vorstand der Bremer Gastro-Gemeinschaft.

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