Am Maschinenfleet soll Bremens erste offizielle Hundebadestelle entstehen Legales Schwimmvergnügen für Vierbeiner

Walle. Für viele Hundehalter sieht so der Sommer aus: Die Sonne brennt, am allerschönsten wäre jetzt ein Ausflug zum Badesee. Liebend gern würden Herrchen oder Frauchen gemeinsam mit ihrem Vierbeiner im Wasser toben, ohne dass sich andere Badegäste oder Spaziergänger gestört fühlen oder womöglich sogar Angst haben.
07.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Für viele Hundehalter sieht so der Sommer aus: Die Sonne brennt, am allerschönsten wäre jetzt ein Ausflug zum Badesee. Liebend gern würden Herrchen oder Frauchen gemeinsam mit ihrem Vierbeiner im Wasser toben, ohne dass sich andere Badegäste oder Spaziergänger gestört fühlen oder womöglich sogar Angst haben. An Bremens Badeseen aber sind Hunde nicht erwünscht, dort dürfen nur Menschen ins Wasser. Bisher gibt es keinen Strand, an dem Hunde ausdrücklich erlaubt sind.

Im Herbst hatte deshalb eine Waller Hundehalterin im Ortsamt West angefragt, ob am Waller Feldmarksee eine offizielle Hundebadestelle eingerichtet werden könnte.

Der Fachausschuss „Bau, Verkehr und Umwelt“ des Waller Beirats hatte sich daraufhin an Grünplaner Thomas Knode im Umweltressort gewandt. Sobald man etwas Offizielles machen möchte, wird es aber kompliziert, war dabei nun zu lernen. Um nämlich ein bestimmtes Areal von Amts wegen zu einer Hundebadestelle erklären zu können, gilt es zunächst das Bremische Ortsgesetz über die öffentliche Ordnung und die Gewässer Gemeingebrauchsverordnung unter einen Hut zu bringen.

Ersteres besagt, dass Hunde in öffentlichen Park- und Grünanlagen generell angeleint werden müssen; letztere wiederum verbietet ausdrücklich, Hunde in Badeseen wie den Waller Feldmarksee, den Stadtwaldsee oder auch den Grambker See zu lassen.

Schlechte Karten also für Hundehalter, die ihren Vierbeinern dort zu einem kühlen Bad verhelfen möchten, ohne dabei gegen geltendes Recht zu verstoßen.

So schnell wollten die Waller Ortspolitiker dann aber doch nicht locker lassen und haben nach anderen Möglichkeiten Ausschau gehalten. Dabei rückte schließlich das Maschinenfleet in ihr Blickfeld. Der mehrere Meter breite Graben zwischen Parzellengebiet und Blockland gilt nicht als Badegewässer und in Höhe Klarapfelweg befinden sich zwischen zwei Holzbrücken zwei handtuchgroße Flurstücke mit einem kleinen Birkenhain darauf, die bis ans Gewässer reichen und keine öffentliche Grünfläche sind, sondern ein städtisches Grundstück in Verwaltung der Haneg (Hanseatische Naturentwicklung GmbH). Diesen Bereich könnte man ohne besonderen Aufwand offiziell zu einer Hundebadestelle erklären, schlug Knode einigen Beiratsvertretern und der Stadtteil-Sachgebietsleiterin Walle im Ortsamt, Petra Müller, kürzlich bei einer Ortsbegehung vor und betonte bei dem Treffen: „Im Grunde ist es sogar jetzt schon eine Hundebadestelle.“

Nur eines müssten Hundebesitzer dabei beachten: Ihre Vierbeiner dürfen nicht auf der anderen Seite des Maschinenfleets an Land gehen, denn das Blockland ist ein Landschaftsschutzgebiet; Hunde müssen dort an die Leine.

Noch ist es außerdem nicht ganz leicht, auf der Waller Seite überhaupt bis ans Wasser heranzukommen: Dort müssten zunächst noch Überreste eines alten Zauns entfernt und der Uferbereich gerodet werden. „Das hatten wir im Zusammenhang mit dem ‚Naherholungspark Bremer Westen’ ohnehin vor“, hatte Thomas Knode bei dem Ortstermin zugesagt.

Die Ortspolitiker zeigten sich bei dem Treffen erfreut darüber, Waller Hundehaltern somit in Zukunft eine legale Bademöglichkeit für ihre Tiere anbieten zu können. „Es ist kein besonderer Platz – aber geeignet“, meint Ausschusssprecher Wolfgang Golinski (SPD). „Wir brauchen aber mindestens auch zwei Hinweisschilder; schon auf dem großen Parkplatz am Waller Damm sollte es einen Hinweis auf die Hundebadestelle geben“, empfiehlt der SPD-Politiker.

Manfred Schäfer (BIW) möchte außerdem sicher gehen, dass es bei den benachbarten Wassersportvereinen keine Bedenken gegenüber dem Vorhaben gibt. Auch sei noch zu klären, ob das Gewässer an einen Angelsportverein verpachtet ist.

Sämtliche Punkte wurden gleich nach dem Ortstermin in einer Stellungnahme an die Umweltbehörde zusammengefasst. Nur wenige Tage später fielen die Waller Ortspolitiker dann allerdings fast aus allen Wolken. „Eine Rodung von Gehölzen ist meines Erachtens für die Nutzung als Hundebadestelle nicht notwendig. Sollten im Rahmen des Konzepts ‚Naherholungspark Bremer Westen’ einmal grundsätzlich Auslichtungsarbeiten am Weg am Maschinenfleet vorgenommen werden, können wir diesen Bereich gerne mit integrieren“, heißt es nämlich in der Antwortmail von Thomas Knode. Sein Ressort könne außerdem die Hundebadestelle aus Kostengründen weder beschildern noch dort bauliche Veränderungen vornehmen. Bei Bedarf sollten Hundebesitzer und Beirat diese Arbeiten selbst ausführen.

Eine Haltung, die Wolfgang Golinski (SPD) so nicht akzeptieren will. „Auch wenn vielleicht wegen der Haushaltssperre derzeit keine Ausgaben getätigt werden können, so sollte Herr Knode zu seiner Zusage ohne Wenn und Aber stehen“, sagt er und fügt hinzu: „Im Übrigen kosten diese Maßnahmen keine Unsummen, sondern höchstens bis zu 300 Euro. Das ist doch wohl darstellbar.“

Sollte sich keine Verständigung abzeichnen, so werde der Fachausschuss wohl oder übel den Staatsrat beziehungsweise den Senator einschalten müssen, hat Golinski angekündigt.

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