Patient der Psychiatrie erkrankt Legionellen im Klinikum Ost

Ein Infektionsfall sorgt am Klinikum Bremen-Ost für Unruhe: Ein Patient der Psychiatrie hat sich mit Legionellen infiziert und ist an Lungenentzündung erkrankt. Wo er sich infiziert hat, ist unklar.
11.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Legionellen im Klinikum Ost
Von Milan Jaeger

Ein Infektionsfall sorgt am Klinikum Bremen-Ost für Unruhe: Ein Patient der Psychiatrie hat sich mit Legionellen infiziert. Wie der Klinikverbund „Gesundheit Nord“ (Geno) gegenüber dem WESER-KURIER bestätigte, wurde die Erkrankung bereits Ende vergangener Woche festgestellt. Bekannt wurde der Fall allerdings erst jetzt.

Die Klinikumssprecherin Karen Matiszick erklärte, dass der Mann, der sich seit Ende Juli in psychiatrischer Behandlung befinde, an einer durch Legionellen ausgelösten Lungenentzündung erkrankt sei. Matiszick betonte aber, dass es bisher nur diesen einen Fall gebe und nur in „einem Haus der psychiatrischen Abteilung des Klinikums“ Legionellen gefunden worden seien.

>> Kommentar: Echte Gefahr <<

Auch die Gesundheitsbehörde hat sich des Falls angenommen. „Die Verantwortlichen haben sofort reagiert“, sagte die Ressortsprecherin Christina Selzer. „Die Klinikleitung hat das Gesundheitsamt informiert und alle entsprechenden Schritte eingeleitet, damit sichergestellt wird, dass keine Patientinnen und Patienten gefährdet werden.“

35 Infektionen endeten 2014 tödlich

Legionellen sind winzige Bakterien, die sich in stehendem Wasser ausbreiten und unterschiedliche Erkrankungen verursachen können, wenn sie aus dem Wasserdampf eingeatmet werden, etwa beim Duschen. Auch beim Trinken ist eine Ansteckung möglich, wenn das Wasser beim Verschlucken über die Luftröhre in die Lunge gelangt. Von Mensch zu Mensch können Legionellen hingegen nicht übertragen werden.

Die Bakterien sind weltweit verbreitet und in geringer Anzahl natürlicher Bestandteil von Oberflächengewässern und Grundwasser. Wenn sie in hoher Konzentration auftreten, können sie dem Menschen allerdings gefährlich werden. So können Erkrankungen schlimmstenfalls tödlich verlaufen. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin zufolge gab es im Jahr 2014 bundesweit 859 Infektionen mit Legionellen, 35 davon endeten tödlich. Absolut verlässliche Zahlen liegen allerdings nicht vor. Gewiss ist indes, dass 2013 dem Bremer Gesundheitsamt 77 Fälle von Legionellen in großen Warmwasseranlagen gemeldet wurden.

Die Zahl der tödlichen Erkrankungen erscheint noch gravierender, führt man sich vor Augen, wie einfach die Keime zu bekämpfen sind: Bei Temperaturen von mehr als 60 Grad sterben sie. Unterhalb von 20 Grad vermehren sie sich hingegen kaum und bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad breiten sie sich am stärksten aus. Eine Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale Bremen erklärt: „Aus unserer Sicht sollte man die Infektionsgefahr durch Legionellen sehr ernst nehmen.“

Wo hat sich der Mann infiziert?

Klinikumssprecherin Matiszick beeilt sich denn auch zu erklären, dass die Verantwortlichen „alle nötigen Hygienemaßnahmen“ ergriffen hätten, um eine weitere Ausbreitung der Keime zu verhindern. So seien die Wasserleitungen des entsprechenden Bereichs des Klinikums sofort untersucht worden, nachdem der Krankheitsfall bekannt wurde. Bei den Untersuchungen hat man laut Matiszick an zwei Stellen Legionellen gefunden. Aber: „Der Keimstamm ist nicht derselbe, wie derjenige bei dem Erkrankten.“

Das könnte darauf hindeuten, dass sich der Mann außerhalb des Klinikums infiziert hat, wenn diese zufällige Überschneidung auch unwahrscheinlich erscheinen mag. Theoretisch möglich ist dieses Szenario dennoch. Denn: „Der Patient ist mobil, kann sich auf dem Gelände frei und auch außerhäusig bewegen“, sagt Matiszick. So ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, woher die Keime stammen, mit denen sich der Mann infiziert hat.

Klar ist laut Matiszick aber, dass bisher nur ein Patient erkrankt ist. „Wir haben nach dem Befund in Absprache mit dem Gesundheitsamt die Wasserleitungen thermisch desinfiziert, um die Keime zu töten. Außerdem haben wir in der entsprechenden Abteilung des Krankenhauses die Duschköpfe und Strahlregler an den Wasserhähnen ausgetauscht“, erläutert sie. Anfang nächster Woche soll dann feststehen, ob die Krankheitserreger erfolgreich bekämpft werden konnten.

Behördensprecherin Selzer erklärt, dass ein Legionellen-Befall in einem Krankenhaus zwar nicht passieren sollte. „Aber solche Fälle kommen vor, so etwas kann leider nicht ausgeschlossen werden.“
Auch Matiszick sagt, dass ein Legionellenbefund, wie der jetzige, nicht „so ungewöhnlich“ sei. Die Wasserleitungen des Klinikums würden einmal im Jahr auf Legionellen untersucht. Seit einigen Jahren sind Hauseigentümer gemäß der deutschen Trinkwasserverordnung dazu verpflichtet, ihre Warmwassergroßanlagen mindestens alle drei Jahre untersuchen zu lassen.

Eine gute Nachricht gibt es indes: Dem betroffenen Patienten im Klinikum Bremen-Ost geht es laut Karin Matiszick inzwischen wieder besser.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+