18 000 Euro für Trauerland in Bremen Lego für den guten Zweck: Versteigerung auf YouTube

In einem YouTube-Livestream haben Lego-Fans um Initiator Michael Reimann Sets für den guten Zweck versteigert. Mindestens 18.000 Euro haben sie bei „Bricks for Kids“ für den Bremer Verein Trauerland gesammelt.
13.12.2020, 12:06
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Christian Walter

Hedda von Zanthier schüttelt ungläubig den Kopf, als die Gebote im Sekundentakt eintreffen: 350 Euro, 430, 500. Auktionator Jörn Mense schlägt gespannt die Hände vor dem Gesicht zusammen. Am Ende wird der seltene Lego-Bausatz sogar für 1000 Euro versteigert. Im Livestream branden Jubel und Applaus auf. Das Rekordgebot hat alle Beteiligten elektrisiert.

Die Rede ist von einer Online-Versteigerung auf der Videoplattform YouTube. Von Zanthier und Mense haben gemeinsam mit Michael Reimann, Initiator der Aktion „Bricks for Kids“, Geld für den Bremer Verein Trauerland gesammelt, indem sie Klemmbaustein-Sets versteigert haben. „Klemmbausteine“ ist der Sammelbegriff für die bunten Plastik-Bausteine, wie sie neben Marktführer Lego auch andere Hersteller anbieten. Am Ende stehen mindestens 18 000 Euro für Trauerland, 6600 Euro durch die eigentliche Versteigerung, der Rest kam vorab oder während des Streams durch Spenden zusammen.

„Ich war beeindruckt. Ich hatte nicht mit so einer Resonanz gerechnet“, sagt Reimann, der der sogenannten „Afol“-Szene angehört. Die Abkürzung steht für „Adult Fans of Lego“, also erwachsene Lego-Fans. Er habe einige seltene Bausätze vor einiger Zeit mal ergattert, aber nie aufgebaut. Und irgendwann habe er sich gedacht: „Weißt du was? Die sind wertvoll, du machst einen Charity-Stream, die gehen in die Auktion mit rein.“

Die Entscheidung, damit Trauerland zu unterstützen, einen Verein, der sich um trauernde Kinder und Jugendliche kümmert, fiel schnell, sagt Reimann. „Mir kam das spontan in den Kopf. Mein Kollege Jens-Uwe Krause ist Botschafter für Trauerland, und eins war klar: Es sollte ein Bremer Verein sein.“ Krause, Radio-Moderator bei „Bremen Eins“, war als Botschafter kurz im Livestream zugeschaltet, genauso wie einige reichweitenstarke Klemmbaustein-YouTuber, die die Aktion unterstützten und teils auch selbst Bausätze ersteigerten.

Auch Yvonne Ritzmann und Silke Boos von Trauerland waren live dabei. Immer wieder wurden sie zugeschaltet und erzählten von ihrer Arbeit. „Mit so einem Erfolg haben wir nie und nimmer gerechnet“, betont Ritzmann. Die „Afol“-Szene war ihr vorher nicht bekannt, ihre eigene Lego-Zeit lange vorbei. In einem persönlichen Gespräch habe Reimann ihnen vorab sein Vorhaben erklärt. „Wie sich das da gesteigert hat, ist einfach ganz unglaublich.“

Versteigert wurden extra für die Aktion gespendete Modelle. Die Zugpferde waren zwei Raritäten. 1000 Euro gab es für ein Set, das eigentlich nur Lego-Mitarbeiter bekommen, das aber immer wieder auch weiterverkauft wird: Ein Star-Wars-Raumschiff in einer weihnachtlichen Version. Das andere begehrte Modell: Die Bell Boeing V-22 Osprey, ein Senkrechtstart-Flugzeug. Das Set war nach Auslieferungsstart wegen einer mangelhaften Funktion von Lego zurückgerufen worden. Doch zu spät, einige Händler in Großbritannien und Neuseeland verkauften es trotzdem, und so ist es in kleinen Stückzahlen inoffiziell dennoch am Markt und bei den „Afols“ extrem begehrt. Davon gab es bei „Bricks for Kids“ sogar zwei. Eingebracht haben sie zusammen 1600 Euro.

Am Ende freuten sich die unterlegenen Bieter immer auch mit denen, die den Zuschlag letztlich erhielten. Von Neid oder Ärger keine Spur, der positive Geist unter den „Afols“ ist nach Reimanns Erfahrung ein Alleinstellungsmerkmal: „Durch die Bank eine sehr offene, zugewandte Community, die sich auch gegenseitig unterstützt. Das habe ich woanders so noch nicht erlebt.“ Das ist auch Yvonne Ritzmann aufgefallen: „Ich war wirklich überrascht, mit welchem Eifer die Menschen da dabei sind, sich über diese Modelle austauschen, und wie herzlich sie alle miteinander sind. Das war wirklich eine ganz neue Welt für mich. Sehr, sehr spannend.“

Gefragt ist auch die Bremische Bürgerschaft aus exakt 76 Lego-Steinen. Dieses Set hat Reimann selbst entworfen, es ist nicht frei verkäuflich, sondern dient als originelles Geschenk an politische Gäste der Bürgerschaft. Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff hatte eines davon gestiftet. Unter den Hammer kam es für 100 Euro. „Trauerland leistet enorm wichtige Arbeit. Es spricht für die Arbeit des Vereins, für Herrn Reimann und natürlich für das große Herz aller Lego-Fans, dass bei der Benefiz-Auktion eine so große Summe zusammengekommen ist„, so Imhoff gegenüber dem WESER-KURIER. Er freue sich, “dass die Bürgerschaft mit ihrem Modell einen kleinen Beitrag zu diesem fantastischen Ergebnis leisten konnte.“

Das Geld geht laut Ritzmann in die Erhaltung der Kindergruppen bei Trauerland. Es gebe vor allem beim pädagogischen Betreuungspersonal laufend zu deckende Kosten. Der überwiegend spendenfinanzierte Verein braucht das ganze Jahr über Unterstützung. Daher soll es laut Reimann eine Wiederholung der Aktion geben. Irgendwann im neuen Jahr, wenn sich die Aufregung um die Erstauflage gelegt hat.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+