Maßnahmen für extreme Wetterereignisse

Lehren aus dem Klimawandel

Erinnerungen an besondere Wetterlagen verblassen mit der Zeit. Doch die heftigen Regenschauer, die sich im August 2011 ereigneten, haben sich vielen Bremern dauerhaft ins Gedächtnis gebrannt.
13.01.2016, 00:00
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Lehren aus dem Klimawandel
Von Jürgen Theiner
Lehren aus dem Klimawandel

August 2011: Sintflutartiger Regen überschwemmte die Unterführung in Utbremen.

nils völcker

Erinnerungen an besondere Wetterlagen verblassen mit der Zeit. Doch was sich im August 2011 ereignete, hat sich vielen Bremern dauerhaft ins Gedächtnis gebrannt.

Gleich zweimal gingen über der Stadt derart heftige Regenschauer nieder, dass zahllose Keller vollliefen und viele Straßen und Unterführungen unpassierbar waren. Der Sachschaden ging in die Hunderttausende.

Man kann solche Ereignisse als höhere Gewalt abtun – oder versuchen, daraus zu lernen. Das Bauressort des Senats reagierte seinerzeit mit einer „Klimaanpassungsstrategie extreme Regenereignisse“. Die Frage lautete: Wie kann sich die Stadt mit ihrer Infrastruktur und verdichteten Bebauung an die Folgen des Klimawandels anpassen? Wie können die Folgen extremen Wetters abgemildert werden? Seit 2012 ist in der Behörde zusammen mit externen Fachberatern ein Handlungskatalog entwickelt worden. Erste Pilotprojekte wie der klimagerechte Umbau der Münchener Straße in Findorff sind bereits umgesetzt. „Die Umsteuerung kann natürlich nur langfristig funktionieren“, sagt Michael Koch, bei dem in der Baubehörde die Fäden zusammenlaufen. Der Referatsleiter ist deshalb froh, dass die Finanzierung der „Klimaanpassungsstrategie“ bis 2019 gesichert ist.

Die Architekten des Konzepts, das behördenintern kurz „Klas“ genannt wird, belassen es nicht bei wolkigen Absichtserklärungen. Was an der Münchener Straße 2014/15 vorexerziert wurde, soll im Straßenbau bei Neu- und Umbauvorhaben Standard werden. Die Faustformel lautet: Weniger Versiegelung, mehr Grün. Auf diese Weise soll bei sogenannten Starkregenereignissen mehr Wasser im Erdreich versickern, statt die Kanalisation zu überlasten. Zudem verfügt der Parkstreifen der Münchener Straße über einen speziellen Untergrund, der ebenfalls eine möglichst ungehinderte Versickerung von Niederschlägen ermöglicht.

Grundsanierung der Bürgermeister-Spitta-Allee

Nach dem Vorbild der als „Klima-Boulevard“ gepriesenen Münchener Straße wird voraussichtlich 2017/18 die schon länger geplante Grundsanierung der Bürgermeister-Spitta-Allee angegangen. Und was für den Straßenraum gilt, soll auch in Neubaugebieten und auf Konversionsflächen wie dem Hulsberg-Quartier Leitlinie sein. Neben der Entsiegelung von Flächen ist dabei die Zwischenspeicherung von Niederschlagswasser ein wichtiges Stichwort. Denn 50 Liter pro Quadratmeter binnen anderthalb Stunden, wie sie im August 2011 vom Himmel fielen, schluckt auch die beste Versickerungsanlage nicht.

Einiges von dem, was in der „Klas“ niedergelegt ist, könnte schon kurzfristig greifen, sozusagen von jetzt auf gleich. Unter dem Schlagwort „Risikomanagement“ hat Michael Kochs Mannschaft gemeinsam mit der Polizei ein Kataster sämtlicher Unterführungen erstellt, die im Fall sogenannter Starkregenereignisse regelmäßig „absaufen“. Neuralgische Punkte in dieser Übersicht sind zum Beispiel die Unterführungen im Bereich Utbremen und an der Hermann-Fortmann-Straße in Vegesack. „Für solche Bereiche wollen wir ein Notfallmanagement etablieren, das zum Beispiel dafür sorgt, dass dort Pumpenkapazitäten gebündelt werden“, kündigt Michael Koch an. Abstimmungsgespräche mit der Feuerwehr und weiteren Akteuren wie der BSAG laufen zurzeit.

Nachrüstung häuslicher Kanalsysteme

Im Bauressort des Senats hofft man, bei der Klimaanpassung auch die Hausbesitzer als Mitstreiter zu gewinnen. Für besonders wichtig hält die Behörde einen flächendeckenden Rückstauschutz in den häuslichen Kanalsystemen. Einiges von dem Ärger, der im August 2011 bis in die Politik schwappte, hat mit den technischen Defiziten auf diesem Gebiet zu tun. Das kommunale Entwässerungsuntenehmen Hansewasser biete entsprechende Beratung an, so Koch. Wichtiger noch: Die Bremer Aufbaubank offeriere zinsgünstige Darlehen für die Nachrüstung häuslicher Kanalsysteme.

Was sich Bremen die Anpassung an den Klimawandel kosten lässt, ist letztlich politisch zu entscheiden. Ein Gradmesser für die Bereitschaft zur ökologischen Umgestaltung könnte schon der Doppelhaushalt 2016/17 sein, der zurzeit aufgestellt wird. Denn die „Klimaanpassungsstrategie“ als Planungsinstrument ist zwar finanziert – aber eben nur die Theorie und keine einzige konkrete Maßnahme. Der Umbau der Münchener Straße war eine teure Angelegenheit. Die 700 Meter ökologische Runderneuerung des Straßenraums schlugen mit 2,4 Millionen Euro zu Buche. Das „Bündnis für ein grünes Bremen“ fordert weitere Anstrengungen auf diesem Gebiet. Der Zusammenschluss von Umweltorganisationen, Architekten und Landschaftsarchitekten tritt seit Jahren dafür ein, dass Bremen entschlossener auf den Klimawandel reagiert. Das Bündnis verlangt unter anderem, die Dachbegrünung in Gewerbe- und Wohngebieten zu forcieren.

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