Nach Bundesvorstoß für digitale Bildung Lehrer fordern mehr Techniker an Schulen

Bremen steht im bundesweiten Vergleich mit seiner Medienbildung gut da. Zu tun gibt es dennoch genug: So kritisiert der Philologenverband die fehlende technische Unterstützung an Bremer Schulen.
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Lehrer fordern mehr Techniker an Schulen
Von Kristin Hermann

Bremen steht im bundesweiten Vergleich mit seiner Medienbildung gut da. Zu tun gibt es dennoch genug: So kritisiert der Philologenverband die fehlende technische Unterstützung an Bremer Schulen.

Der Bremer Philologenverband begrüßt zwar den Vorstoß von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), fünf Milliarden Euro in die digitale Bildung an Schulen zu investieren, warnt aber davor, dass neue Technik auch ausreichend gewartet werden müsse. Whiteboards, Computer und Laptops seien meist nicht einsatzfähig, weil es kein Wartungspersonal gebe, sagt Peer Sieveking, Vorsitzender vom Bremer Philologenverband. Das frustriere viele Lehrer und führe bei einigen dazu, dass sie weniger digitale Medien in ihren Unterricht einbauen, als sie eigentlich wollen. „Netzwerke werden immer komplexer“, sagt Sieveking. „Die Zeiten, in denen Lehrer so etwas selber lösen konnten, sind vorbei.“

Falls das Milliardenprogramm des Bundes tatsächlich so verabschiedet wird, ­könnte Bremen nach Angaben der ­Bildungsbehörde ab 2018 jährlich etwa 2,8 Millionen Euro für digitale Bildung bekommen. „Bremen muss sicherstellen, dass nach der Neuanschaffung von Geräten auch geregelt ist, wie es weitergeht, wenn die Technik wieder veraltet“, sagt Sieveking, der neben seiner Funktion im Philologenverband auch als Mitglied der CDU im Beirat Östliche Vorstadt sitzt.

Digitale Medien werden in allen Schulformen eingesetzt

Was den Bundesdurchschnitt betrifft, steht Bremen mit seiner Medienbildung gut da. Das bestätigte im vergangenen Jahr eine Studie der Deutschen Telekom Stiftung, die vor allem einen Masterplan von 2010 lobte. Darin einigten sich Schulen, IT-Dienstleister, der Senat und andere Träger auf ein Konzept, das allen Schülern die Chance ermöglichen sollte, digitale Medien kompetent zu nutzen. „Wir haben eine Verantwortung, Schülerinnen und Schülern auf die digitale Arbeits- und Lebenswelt vorzubereiten, und wollen sie befähigen, selbstbestimmt, ­kreativ und sozial verantwortlich mit den neuen Medien umzugehen“, sagt Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) dazu.

Für alle Bremer Schulen wurde vor geraumer Zeit die Lernplattform „Its learning“ eingeführt, in der Lehrer den Schülern beispielsweise Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen können. Digitale Medien werden nach Angaben der Bildungsbehörde in allen Schulformen in Bremen eingesetzt. So würden bereits in einigen Grundschulen Kinder mit verschiedener Hard- und Software arbeiten. In einigen Schulen kämen Tablets zum Einsatz oder Erklär-Videos, um den behandelten Stoff anschaulich zu wiederholen.

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Nahezu alle Schulen würden zudem über Computerräume verfügen. „Wenn es aber eine halbe Stunde dauert, bis die Computer hochfahren, dann demotiviert das viele Lehrer“, sagt Peer Sieveking. Zwar gebe es eine telefonische Unterstützung bei solchen Problemen für die Lehrer, doch es sei eben kein Mitarbeiter schnell vor Ort. „In dem Schulzentrum Grenzstraße gibt es beispielsweise einen Systemadministrator direkt in der Schule“, sagt Sieveking. „Dort funktioniert das viel reibungsloser.“

Nutzung von digitalen Medien ist nicht Pflicht

Die Nutzung von digitalen Medien ist im Unterricht nach Angaben der Bremer Bildungsbehörde bisher nicht verpflichtend. Der Zentrale Elternbeirat (ZEB) sieht für einige Lehrkräfte durchaus noch Fortbildungsbedarf in diesem Bereich. „Es gibt einige, die eine große Technik-Affinität und ­Freude daran haben, digitale Medien in ihren Unterricht einzubauen“, sagt Andrea Spude vom ZEB Bremen. Viele besäßen aber noch nicht ausreichendes Wissen oder die Bereitschaft, ihren Lehrplan damit zu gestalten. Spude würde sich auch wünschen, dass die Eltern stärker einbezogen werden. Oft würden Smartphones zu Hause verteufelt, auch wenn sie sinnvoll für die Schule genutzt werden könnten.

Generell kommt der Vorstoß von ­Johanna Wanka bei den meisten Stellen zwar gut an, aber besonders die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert, dass es damit allein nicht getan ist. Mit dem Geld vom Bund wollen die Länder nämlich vor allem den Ausbau der digitalen Infrastruktur vorantreiben, insbesondere um mehr Breitband und WLAN nutzen zu können. „Aber was nützt uns die Breitbandverbindung, wenn der Putz von den Decken und Wänden der Klassenzimmer bröckelt?“, ­sagt die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Das ­fragten sich auch einige Schulvertreter in Bremen, so Sieveking. „Auch hier sind ­einige Schulen stark sanierungsbedürftig.“

Laut GEW betrage der Sanierungsstau bundesweit aktuell rund 34 Milliarden Euro und könne nur gemeinsam von Bund und Ländern mit einem Zehn-Jahres-Programm aufgelöst werden. Zu den Forderungen der Gewerkschaft gehören unter anderem auch der behindertengerechte Ausbau von Schulen und weitere Investitionen in die Leseförderung.

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