Leih-Tablets für Bremer Schulen

Zuschlag für Apple ruft Kritiker auf den Plan

Bremen wird sich bei der Ausstattung aller Bremer Schüler mit digitalen Endgeräten auf Produkte des IT-Giganten Apple stützen. Diese Entscheidung hat ein kritisches Echo ausgelöst.
10.07.2020, 05:05
Lesedauer: 2 Min
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Zuschlag für Apple ruft Kritiker auf den Plan
Von Jürgen Theiner
Zuschlag für Apple ruft Kritiker auf den Plan

Niedersächsische Schüler beim Umgang mit IPads im Englischunterricht. Ähnlich könnte es bald in Bremer Klassen aussehen.

Julian Stratenschulte / DPA

Leih-Tablets für alle Schüler und Lehrkräfte im Land Bremen: Mit seiner Digitalisierungsoffensive will der Senat die Möglichkeiten für den Distanzunterricht unter Corona-Bedingungen verbessern und zugleich einen Beitrag dazu leisten, dass digitales Lernen in Bremen insgesamt einen entscheidenden Schritt vorankommt (wir berichteten). Grundsätzlich trifft der Schritt auf viel Zustimmung im politischen Raum. Auch die CDU unterstützte am Donnerstag im Haushalts- und Finanzausschuss die Beschaffung eines ersten Pakets von 30 000 Tablet-PCs der Marke Apple und weiterer 7680 IPads für Lehrkräfte.

Gesamtkosten: rund 16,7 Millionen Euro. Die FDP stellte sich grundsätzlich hinter das Vorhaben und votierte lediglich gegen die Finanzierung aus dem Bremen-Fonds. Aus der Leserschaft des WESER-KURIER gab es nach der Senatsentscheidung allerdings einen ganzen Schwung kritischer Mails an die Redaktion. Hinterfragt wurde unter anderem die Entscheidung für den Hersteller Apple. Auch meldeten Leser Zweifel an, ob das Bildungsressort rechtzeitig einen ausreichenden technischen Support auf die Beine stellen kann, sobald die Auslieferung der Geräte nach den Sommerferien beginnt.

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Zu den Kritikern zählt unter anderem der IT-Sicherheitsberater Christoph Schmees. Aus seiner Sicht ist schon die Entscheidung der Bildungsbehörde für Tablet-PCs schwer nachvollziehbar. „Tablets eignen sich für eine eher passive PC-Nutzung. Schüler sollen aber doch unter anderem Texte schreiben. Das spräche eher für die Beschaffung von Notebooks beziehungsweise Laptops“, findet der Computerfachmann. Diese seien außerdem günstiger zu haben. Das Preisargument bringt Schmees auch bei der Wahl des Lieferanten in Stellung. Der von der Bildungsbehörde genannte Stückpreis von 506 Euro pro IPad ist laut Schmees zwar günstig, aber eben nur bezogen auf Apple-Geräte.

Produkte anderer Hersteller mit Android-Betriebssystem und vergleichbarem Leistungsumfang seien etwa 30 Prozent günstiger zu haben. Grundsätzlich gelte: „Apple ist in Hardware und Software ein in sich geschlossenes Universum, in dem das Unternehmen die Funktionen und die Preise diktiert.“ Beim Thema Datenschutz sieht Schmees mindestens ein großes Fragezeichen. Niemand könne kontrollieren, ob Apple die Daten und Netzaktivitäten von Lehrkräften und Schülern auswertet, selbst wenn der amerikanische IT-Riese eine Selbstverpflichtung zur Respektierung der Privatsphäre unterschrieben haben sollte.

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Die Bildungsbehörde verteidigt die Entscheidung für IPads. Zahlreiche Schulen hätten sich für diesen Gerätetyp ausgesprochen, die Apple-Produkte passten auch gut in die bereits vorhandenen IT-Strukturen im Bildungsbereich. Mit der Apple-Classroom-App sei zudem „ein hohes Maß an pädagogischer Steuerung der Endgeräte im Unterricht möglich“, ist Sprecherin Annette Kemp überzeugt.

Eine missbräuchliche Auswertung von Nutzerdaten kann aus Kemps Sicht ausgeschlossen werden. Die Datenschutz- und IT-Sicherheitskonzepte der Bildungsbehörde und auch von Apple ermöglichten „einen sicheren Betrieb“. Ebenso wenig muss nach Einschätzung der Behördensprecherin befürchtet werden, dass eine größere Zahl von Leih-Tablets „verloren“ geht und als Hehlerware wieder auftaucht. Bei allen Geräten könne nach einer Verlustmeldung eine komplette Sperrung aktiviert werden, die sich nicht umgehen lasse.

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