Fachkräftemangel bei Lehrerstellen Leiharbeit an Bremer Schulen

Hunderte Bremer Lehrer sind bei einem externen Arbeitgeber beschäftigt. Ein Teil dieser Leiharbeiter wechselt nun zur Bildungsbehörde.
26.06.2017, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Leiharbeit an Bremer Schulen
Von Sara Sundermann

Das kleinste Bundesland bekam den Fachkräftemangel kräftig zu spüren: Eines der dringendsten Probleme an Bremer Schulen war in den vergangenen Monaten, freie Lehrerstellen zu besetzen. Darin sind sich Bildungspolitiker von Opposition und Regierung einig. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren ein Verein zu einem großen externen Arbeitgeber für Schulpersonal aufgestiegen: der Verein Stadtteilschule.

Zuletzt zeigte die Senatsantwort auf eine Anfrage der FDP, dass sich die Zahl der Leiharbeiter an Bremer Schulen innerhalb von sechs Jahren verzehnfacht hat. Sie stieg auf fast 1200 extern beschäftigte Mitarbeiter, die im Verlauf des vergangenen Jahres an Bremer Schulen im Einsatz waren (wir berichteten). Allein bei der Stadtteilschule gab es im Mai rund 700 Beschäftigte.

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Wer sind die Lehrkräfte und Sozialpädagogen, Vorkurslehrer und Bibliothekarinnen, die bei dem Verein arbeiten? Es gibt verschiedene Gruppen von Beschäftigten der Stadtteilschule. Eine Gruppe besteht aus Lehramtsstudenten, die schon während ihres Studiums stundenweise an einer Schule unterrichten.

Sie können damit Geld verdienen und jenseits eines Praktikums Erfahrungen in ihrem künftigen Berufsfeld sammeln. Die Schulen wiederum sollen durch den Einsatz von Studenten kurzfristige Ausfälle abfedern können. Allerdings: In der Vergangenheit wurden Studierende an vielen Schulen zu einer wichtigen Säule, sie wurden zum Teil sogar als Klassenlehrer eingesetzt.

Teil der Leiharbeiter soll in öffentlichen Dienst

Eine zweite Gruppe sind Quereinsteiger, die ein Studium aus einem anderen Bereich und Unterrichtserfahrung mitbringen, aber keine ausgebildeten Lehrer sind. Und schließlich sind bei der Stadtteilschule auch Mitarbeiter beschäftigt, die ihr Studium im Ausland absolviert haben.

Der Senat berief sich in der Vergangenheit darauf, das Bremer Schulverwaltungsgesetz erlaube ausdrücklich, „zur Erfüllung schulischer Aufgaben Verträge mit anderen Institutionen zu schließen“. Doch weil an den Schulen händeringend Personal gebraucht wird, versucht man bei der Behörde nun, einen Teil der Leiharbeiter in den öffentlichen Dienst zu holen.

80 sozialpädagogische Fachkräfte, die bei Schulvereinen angestellt waren, übernahm die Behörde im Februar. Angesichts des großen Fachkräftemangels bei Lehrkräften müsse Bremen den Weg in seine Schulen breit machen, betonte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) zuletzt.

Geändertes Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

64 ehemalige Stadtteilschulmitarbeiter werden nun zum Beginn des kommenden Schuljahres als Sprachförderkräfte bei der Behörde fest angestellt, sagt Ressortsprecherin Annette Kemp. Und noch etwas sorgt für Bewegung bei der Beschäftigung: Seit 1. April greift ein geändertes Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), das strengere Regeln vorgibt.

Leiharbeit ist nun nur noch maximal 18 Monate lang erlaubt. Die Folge: Mitarbeiter der Stadtteilschule, die eigentlich einen unbefristeten Vertrag haben, blicken nun in eine ungewisse Zukunft. Sie dürfen aufgrund der neuen Gesetzeslage maximal bis Spätsommer kommenden Jahres weiter dort beschäftigt werden.

Die Stadtteilschule, die von der Behörde auch als kurzfristige Vertretungsreserve konzipiert war, hat inzwischen über 80 unbefristet Beschäftigte. Sie wissen nicht, wie es konkret mit ihnen weiter geht. Allerdings sollen sie nun bis Sommer 2018 ein Einstellungsangebot von der Behörde bekommen. Wie die Angebote aussehen sollen, ist noch nicht bekannt.

Eine Chance für Quereinsteiger

Das grundsätzliche Dilemma ist: Die Stadtteilschule war für einige Quereinsteiger durchaus eine Chance. Deutschlehrkräfte, die zuvor als selbstständige, gering ­bezahlte Honorarlehrkräfte zum Beispiel für die Volkshochschule oder das Goethe-Institut gearbeitet hatten, wechselten in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung an Bremens Schulen.

Doch die Quereinsteiger erfüllen zum Teil nicht die Bedingungen für eine Anstellung als Lehrkräfte bei der Behörde. Und die Gewerkschaft pocht darauf, die Standards der Lehrerausbildung dürften nicht aufgeweicht werden: Pädagogisches Wissen müsse wichtig bleiben.

Dennoch sind Schulen angesichts des Fachkräftemangels auch auf Quereinsteiger angewiesen. Kann Bremen etwas tun, um Quereinsteiger weiterzubilden, die ohnehin bereits an den Schulen unterrichten? Das Landesinstitut für Schulen (LIS) bietet einen zweijährigen Weiterbildungsgang an.

Dem zweiten Staatsexamen gleichgestellt

Während dieser zwei Jahre unterrichten die Teilnehmer einerseits mit reduzierter Stundenzahl an einer Schule und bekommen andererseits eine Fortbildung in Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft beim LIS, sagt LIS-Direktorin Petra Perplies. Bezahlt wird von der Behörde die volle Zeit, also auch die Ausbildungsstunden.

Das Programm starte ab August nun auch für Bremerhaven, kündigt Perplies an. „Teilnehmer brauchen einen Hochschulabschluss und den Nachweis über zwei potenzielle Unterrichtsfächer, die Mangelfächer sind.“ Die Weiterbildung sei dem zweiten Staatsexamen gleichgestellt: „Danach hat man im Grunde eine reguläre Lehrerausbildung.“

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