Das erste Mal auf dem Schiff

Leinen los, Matrosin!

Saskia Klockow ist Matrosin bei Bremenports in Bremerhaven. Die 25-Jährige wollte ursprünglich zur Marine gehen. Dann zog es sie doch noch in die Binnenschifffahrt.
28.07.2019, 11:21
Lesedauer: 2 Min
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Leinen los, Matrosin!
Von Elena Matera
Leinen los, Matrosin!
Katja Stremmel

Das erste Mal auf dem Schiff zu arbeiten war total aufregend. Sechs Jahre ist das nun her. Ich war 19 und habe ein Praktikum in einer kleinen Reederei in Berlin gemacht, im Bereich der Fahrgastschifffahrt. Ich mochte die Besatzung, die Arbeit, das Umfeld. Während des Praktikums habe ich auch zum ersten Mal ein komplettes Schiff von unten gesehen – nicht im Wasser, sondern an Land. Ich habe dann von einem der Mitarbeiter eine Malerrolle in die Hand gedrückt bekommen. Der meinte: „Male mal ein bisschen.“ Das ich das so einfach machen durfte, war total toll. Diese ersten Momente sind bei mir hängen geblieben. Ich wusste da einfach: Das will ich machen.

Ich habe meine Ausbildung zur Binnenschifferin in eben jener Reederei angefangen. Wir sind da vor allem auf Seen und kleinen Flüssen gefahren. Das ist zwar ganz schön, aber auf Dauer auch recht unspektakulär. Im zweiten Lehrjahr bin ich dann nach Duisburg in die Rheinschifffahrt gewechselt.

Auf dem Rhein bin ich endlich mal weitere Strecken gefahren: von Duisburg nach Rotterdam oder auf dem Frachtschiff von Duisburg nach Basel. Im Sommer 2015 hatte ich ausgelernt und bin bei Bremenports in Bremerhaven gelandet. Hier gefällt es mir unglaublich gut. Wenn man die Weser entlang fährt, dann hat man gleich das Gefühl von Wasser und Weite.

Als Matrosin kümmere ich mich um die Wartung und Instandhaltung des Schiffes. Bevor wir losfahren, mache ich das Schiff klar. Ich kontrolliere die Motoren, peile die Ölstände durch. Dann heißt es: Leinen los! Später mache ich das Schiff wieder fest und kontrolliere alles. Ich mache auch Schleif-, Mal-, und Rostarbeiten. Matrosen kümmern sich vor allem darum, dass alles schier ist. Langweilig wird es auf dem Schiff so schnell nicht.

Ich mag es gerne anzupacken, mich zu bewegen. Ein Bürojob wäre nichts für mich. Ich liebe den Job im Hafen und auf dem Schiff sehr und fühle mich auch bei Bremenports unglaublich wohl. Die Kollegen sind super. Klar, wenn es den ganzen Tag regnet, nervt die Arbeit manchmal. Und dann gibt es wieder Tage, da scheint die Sonne, es ist dreißig Grad und ich kann draußen arbeiten. Man spürt den Wind und die Seeluft. Das ist ein wunderschönes Gefühl.

Matrose ist ein klassischer Männerberuf. Frauen waren auf den Schiffen lange Zeit verpönt. Aber ich sehe auch, dass immer mehr Frauen Matrosen werden. Neben mir gibt es hier noch zwei weitere Matrosinnen. Und seit gut einem Jahr haben wir auch eine Schiffsführerin.

Ich selbst habe auch das Patent zur Schiffsführerin gemacht und bin in dem Bereich auch angelernt. Ich habe die Stelle aber erst einmal ruhen lassen. Denn ich bin noch nicht der Meinung, dass ich das zu 100 Prozent beherrsche. Gerade mit den ganzen Sportbooten auf dem Wasser ist das schon eine Herausforderung. Man muss das Schiff gut kontrollieren können. Solange das nicht sitzt, bin ich lieber Matrosin.

Ich würde auch gerne auf dem Meer fahren. Das hat nochmal seinen ganz eigenen Reiz. Die „Polarstern“ finde ich zum Beispiel spannend. Aber ich finde auch die Fischerei interessant. Da würde ich gerne mal mitfahren. Es wäre etwa ganz Neues für mich. Wer weiß. Vielleicht lande ich später mal auf einem Krabbenkutter.

Aufgezeichnet von Elena Matera

Info

Zur Person

Saskia Klockow

ist seit 2015 Matrosin bei Bremenports in Bremerhaven. Die 25-jährige Berlinerin wollte ursprünglich zur Marine gehen. Sie fing daher auch die Grundausbildung bei der Bundeswehr an. Dann zog es Klockow doch noch in die Binnenschifffahrt – erst an den Rhein und später in den Norden nach Bremerhaven und auf die Weser. Klockow hat ein Patent zur Schiffsführerin erlangt, arbeitet derzeit aber noch als Matrosin.

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