Neuer Leitfaden in Bremen vorgestellt Sexuelle Freiheit für Behinderte

Eine Bremer Initiative des Sozialressorts und freien Trägern hat einen neuen Leitfaden zum Thema selbstbestimmte Sexualität für Menschen mit Behinderungen veröffentlicht.
14.07.2020, 05:00
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Sexuelle Freiheit für Behinderte
Von Lisa Urlbauer

Der Runde Tisch „Sexualität und Behinderung“ hat am Montagvormittag einen neuen Leitfaden präsentiert. Selbstbestimmte Sexualität sei ein Menschenrecht, sagte der Landesbehindertenbeauftragte Arne Frankenstein. „Sie ist Ausdruck und Voraussetzung einer selbstbestimmten Lebensführung sowie voller, wirksamer und gleichberechtigter Teilhabe insgesamt.“ Der Leitfaden soll Diensten und Organisationen die nötigen Hilfestellungen bieten, wie sich diese sexuellen Freiheiten verwirklichen lassen.

Denn Menschen mit Behinderungen, auch die, die eine rechtlichen Betreuung haben, dürfen über ihre Familienplanung, Beziehungen oder sexuelle Orientierung selbst entscheiden. „Ich halte es für besonders wichtig, die Rahmenbedingungen zur Förderung einer selbstbestimmten Sexualität von behinderten Menschen zu verbessern“, sagte Frankenstein. „Der Leitfaden wird dazu beitragen, das häufig tabuisierte Thema Sexualität und Behinderung nicht nur positiv zu besetzen, sondern vor allem Barrieren abzubauen.“

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Sexualpädagogin Meline Götz sagte, es müsse ein „sexpositives Klima“ für Menschen mit Behinderungen geschaffen werden. Dafür sei notwendig, dass Betreuerinnen und Betreuer besser über sexuelle Aufklärung und rechtliche Fragen informiert würden.

Eine Lücke, die das 40-seitige Dokument nach Angaben der Herausgeber schließen soll. Bereits 2016 hat der Runde Tisch, ein Netzwerk aus Fachkräften der Behindertenhilfe, Beratungsstellen und Vertretern des Sozialressorts, Informationen und Handlungsempfehlungen zum Thema sexualisierte Gewalt veröffentlicht.

Frauen mit einer geistigen Behinderung seien etwa viermal häufiger von Gewalt betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt, sagte Kadidja Rohmann, Beraterin bei der Lebenshilfe Bremen. „Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen Zugänge zu einer selbstbestimmten Sexualität haben und zugleich auch ihre Grenzen klar formulieren können.“

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