Wasser-Qualität getestet

Leitungswasser in Bremen besser als in anderen Städten

Sogar für Whisky, Gin und Kindernahrung geeignet: Wissenschaftler haben die Qualität von Bremer Trinkwasser getestet. Leitungswasser ist besser als das in anderen Städten.
19.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Leitungswasser in Bremen besser als in anderen Städten
Von Lisa Urlbauer
Leitungswasser in Bremen besser als in anderen Städten

Michael Bau hat in Birgitta Schulze van Loons Brennerei in der Überseestadt das Bremer Trinkwasser untersucht.

Christina Kuhaupt

Das Leitungswasser in der Hansestadt ist besser als andernorts in Deutschland. Sagt zumindest Michael Bau, und der muss es als Professor der Geowissenschaften an der Jacobs University ja wissen. Seit mehreren Jahren untersucht der Wissenschaftler die Wasserqualität von Flüssen und Seen, Grund- und Trinkwasser in Deutschland. Vergangenen Monat hat er das Wasser in Bremen untersucht. Sein Fazit: „Das untersuchte Wasser hebt sich in seiner Qualität deutlich von anderen Städten wie Berlin, Düsseldorf oder München ab.“

Als Geowissenschaftler interessiert sich Bau für kritische Rohstoffe wie die Metalle der „Seltenen Erden“. Eines dieser „Seltenen Erden“ ist Gadolinium. Gadolinium kommt in geringeren Mengen natürlich im Wasser vor. Aber die Mengen nehmen zu. Denn: Seit den 1980er-Jahren wird es Patienten als Kontrastmittel bei der Magnetresonanz-Tomografie (MRT) gespritzt. Patienten scheiden die Gadolinium-Verbindungen nach der Untersuchung wieder mit dem Urin aus. Mit dem Abwasser gelangt es in Kläranlagen – die es aber nicht aus dem Wasser entfernen können. Dadurch kann diese Gadolinium-Verbindung als Indikator für andere Stoffe genutzt werden, wie Rückstände von Arzneimitteln oder Pflegeprodukten.

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Vor zwei Jahren hat ein Forschungsteam um Bau Cola-Getränke in bekannten Fast-Food-Ketten in Berlin, Düsseldorf, Essen, Karlsruhe, München und Dresden untersucht und Rückstände des Kontrastmittel-Gadoliniums gefunden. „Die Fast-Food-Ketten erhalten Sirup und verdünnen es dann mit Leitungswasser.“ So können das Metall und andere Stoffe in Lebensmittel gelangen. Nun wollte Bau herausfinden, wie die Situation in Bremen ist – und hat das Wasser in der Brennerei „Piekfeine Brände“ in der Überseestadt untersucht.

An drei Stellen der Destillerie hat der Forscher im Juli und August Trinkwasser gezapft und untersucht. Das Ergebnis: Im Bremer Trinkwasser gibt es deutlich weniger Kontrastmittel-Gadolinium als andernorts in Deutschland. In dem enthärteten Leitungswasser, das dann zum Verdünnen der Destillate auf Trinkstärke verwendet wird, sei noch mal weniger Gadolinium drin, sagt Bau. „Damit ist die Chance auch extrem gering, dass wir andere Stoffe im Wasser haben.“

Ein exzellenter Standort für die Lebensmittelindustrie

Unter diesen Voraussetzungen sei Bremen ein exzellenter Standort für die Lebensmittelindustrie, sagt der Forscher. Für Birgitta Schulze van Loon sind das gute Nachrichten. Sie ist die Inhaberin der Brennerei. Für die Destillation zapft sie das Wasser direkt aus dem Hahn – Bremer Trinkwasser für hanseatische Spirituosen. Zum Beispiel bei der Herstellung ihres Whiskys, der klassischerweise aus Gerste, Hefe und Wasser besteht. Auch Obstbrände und Gin brennt Schulze van Loon mit dem Bremer Wasser.

Den Grund für Bremens gute Wasserqualität erklärt Bau wie folgt: „Das Bremer Trinkwasser hat keinen Anteil an Uferfiltrat.“ Uferfiltrat ist Wasser, das in Flüssen versickert und sich mit dem Grundwasser vermischt. „In Bremen kommt das Wasser aus Tiefen, die nicht mit Oberflächenwasser in Berührung kommen.“ Zu rund 85 Prozent stammt das Bremer Trinkwasser aus Grundwasserquellen im niedersächsischen Umland. Der Großteil – rund 14,5 Milliarden Liter Wasser – strömt jährlich von den Harzwasserwerken in Ristedt bei Syke nach Bremen.

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Circa 9,7 Milliarden Liter Wasser kommen von der zweitgrößten Quelle, vom Wasserwerk Panzenberg in Verden, in die Hansestadt. Hinzu fließt Wasser des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes aus Wildeshausen sowie aus dem Wasserwerk Blumenthal der SWB in Bremen-Nord. 15 Prozent des gesamten Bedarfs werden in Blumenthal und Vegesack gewonnen und im Wasserwerk Blumenthal aufbereitet.

Bremer brauchen keinen Wasserreiniger

„Wir können uns auf unsere Trinkwasserqualität etwas einbilden“, sagt Bau. Sowohl in Bremen-Stadt als auch in Bremen-Nord. Deswegen bräuchten Bremerinnen und Bremer Leitungswasser auch nicht mit einem Wasserreiniger aufzubereiten oder Wasserflaschen zu kaufen, sagt der Forscher der Jacobs University. Auch Kindernahrung könnten sie ohne Bedenken mit Wasser aus dem Hahn zubereiten.

Auch in Städten, wo Bau höhere Abweichung festgestellt hat, könne man das Wasser bedenkenlos trinken. „Das sind alles sehr geringe Mengen und die Indikatoren sind extrem empfindlich.“ Noch seien die Ergebnisse kein Problem – aber sie könnten eins werden. Denn: Die Rückstände von Gadolinium und anderen Stoffen, die Auswirkungen auf den Körper haben könnten, nehmen laut Bau immer weiter zu. „Irgendwann könnten wir kritische Werte erreichen.“ Für die Hansestadt gibt der Forscher aber Entwarnung: „Solange wir in Bremen eine Trinkwasserversorgung haben, die aus Grundwasser ohne Uferfiltrat erfolgt, wird die Qualität gut sein.“

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