Theo Schlüter philosophiert Leopold Kohr und Bremen

Altstadt. Von Brüdern im Geiste zu sprechen, ist nicht übertrieben. Seit Theo Schlüter den österreichischen Wirtschaftsphilosophen Leopold Kohr (1909–1994) für sich entdeckt hat, wirbt der langjährige Radiojournalist für dessen Ideen.
02.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Leopold Kohr und Bremen
Von Monika Felsing

Altstadt. Von Brüdern im Geiste zu sprechen, ist nicht übertrieben. Seit Theo Schlüter den österreichischen Wirtschaftsphilosophen Leopold Kohr (1909–1994) für sich entdeckt hat, wirbt der langjährige Radiojournalist für dessen Ideen. „Das menschliche Maß“ ist die Messlatte, die Kohr an ökonomische und politische Entscheidungen angelegt hat, im Wissen, dass Bescheidenheit die Welt weiterbringt als Wachstumsgier. „Small is beautiful“ (klein ist schön), predigte der alternative Nobelpreisträger. David statt Goliath. Gandhi statt Trump.

Zum Auftakt einer Reihe über „70 Jahre Bundesland Bremen“ darf Theo Schlüter im Presseclub, Schnoor 27/28, am Dienstag, 21. Februar, um 20 Uhr seinem Lieblingsphilosophen das Wort reden. „Kohr ist der ideale Bremer Stadtphilosoph“, diese Ansicht vertritt der frühere Vorsitzende des Presseclubs seit den Bremer Salzburgtagen. In der neuen Reihe soll es unter anderem darum gehen, welche Vorteile die Selbstständigkeit Bremens mit sich bringt und ob sie angesichts der finanziellen Probleme zum Auslaufmodell geworden ist.

Ein Stadtstaat wie Bremen mit überschaubaren Strukturen, einem ausgeprägten Geschichtsbewusstsein und einem Parlament ohne Bannmeile kommt dem Prinzip nahe, das der Salzburger Philosoph so charmant wie weise vertreten hat. Nicht klotzen, sondern auf gekonnte Weise kleckern, nicht abgehoben, sondern gut aufgehoben sein – das widerspricht dem modernen hanseatischen Lebensgefühl nicht. Auch sind die Salzburgtage einigen Bremerinnen und Bremern noch in lebhafter Erinnerung. Im Sommer 2012 herrschten plötzlich an der Weser Salzburger Verhältnisse. Die lustvolle Debattiererei und das Musizieren wollte schier kein Ende nehmen. Und so lebhaft auch diskutiert wurde, so groß war die Harmonie, um nicht zu sagen: der Kohr-Geist. Theo Schlüter, der Westfale und Wahlbremer, brachte Bremer Kulturschaffende mit dem Österreicher Alfred Winter und einigen anderen aus den Reihen des Vereins Tauriska ins Gespräch. Der Philosoph lieferte den Stoff dazu.

Mit dem „Right Livelihood Award“, dem Alternativen Nobelpreis, war der Nationalökonom, Staatswissenschaftler und Jurist Leopold Kohr, der als Antifaschist 1938 ins Exil gegangen war, im Jahr 1983 ausgezeichnet worden. Es waren die Zeiten, als die Umwelt- und Friedensbewegung weltweit neuen Zulauf erhielt, als auch Bremerinnen und Bremer gegen die Stationierung von Pershings und gegen die Endlagerung von Atommüll auf die Straße gingen.

Die Erinnerung an den streitbaren Philosophen wird in Österreich vom Verein Tauriska lebendig gehalten. Bremen wäre eine Stadt nach Kohrs Geschmack gewesen, daran haben die österreichischen Gäste an den Salzburgtagen keinen Zweifel gelassen. Ob Bremen auch ein Stadtstaat nach Kohrs Geschmack gewesen wäre, darüber wird Theo Schlüter nun philosophieren. Und das dürfte nicht langweilig werden.

Das Erbe Kohrs lebt, und die Österreicher behaupten nicht, das Monopol darauf zu haben. Beim Kochen und Essen wird erst einmal an die eigene Region gedacht. Das ist bei Slow Food in Bremen nicht anders. Wenn aber an der Leopold-Kohr-Akademie der Universität Salzburg über Zukunftsperspektiven für Stadt und Land diskutiert wird, dann redet auch der deutsche Volkswirt Niko Paech mit. Er wird auf dem Festival in diesem Jahr drei Denkwerkstätten leiten. Und der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel, der Erfinder der „Hartz-IV-Möbel“, stellt sein mobiles „Tiny House“ vor.

„Great“ bleibt in der Sichtweise des freundlichen Anarchisten Kohr allein das Gemeinwesen, das von Mitmenschlichkeit geprägt ist. Und so kann auch ein kleines Bundesland ganz groß sein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+