Ehrenamtliche Initiative

Lernpatenprojekt startet an der Gesamtschule Ost

Ute Schnurrer und Juliane Schmielau starten ihr Lernpatenprojekt jetzt auch an der Gesamtschule Bremen-Ost und wollen Schülerinnen und Schülern damit Hilfe und Unterstützung bieten.
23.06.2019, 17:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann
Lernpatenprojekt startet an der Gesamtschule Ost

An der Gesamtschule Bremen-Ost wird an diesem Montag über das Lernpatenprojekt informiert.

Viola Heinzen

Immer nur meckern über die Bildung in Bremen, das bringt auch nicht weiter. Da muss man doch etwas tun, sagten sich Ute Schnurrer und Juliane Schmielau in Schwachhausen und starteten kurzerhand eine private Initiative. Im Oktober vergangenen Jahres gingen sie mit „Superer“ an den Start, ein Lernpatenprojekt, das jetzt ausgeweitet werden soll. An diesem Montag um 17 Uhr informieren sie in der Gesamtschule Bremen-Ost über das Projekt, für das Paten gesucht werden.

„Es reicht nicht, sich das anzuschauen“, sagt Ute Schnurrer. Sie möchte Leute ansprechen, die das wirklich machen wollen – und kann bereits von ersten Erfolgsgeschichten berichten. Kindern, die klassisch beim Lesen, Schreiben oder Rechnen lernen nicht mitkommen, oder die in anderer Form Hilfe oder Unterstützung brauchen, für eine längere Zeit oder eine bestimmte Aufgabe einen Paten zur Seite zu stellen, das ist die Idee.

20 Paten bereits vermittelt

„Als wir im Oktober die Fühler ausgestreckt haben, dachten wir zuerst, es sei schwierig, Schulen zu finden“, erklärt Ute Schnurrer. Das Gegenteil aber sei der Fall gewesen. Bei der Frage nach dem Bedarf hätten die Schulen gesagt, wir nehmen jede Hilfe, die wir bekommen können. Paten zu finden, sei mühseliger. Zwar bekundeten manche ihr Interesse, aber wenn es dann konkret werde, zögen sie sich zurück.

Mittlerweile haben Schnurrer und Schmielau 20 Paten vermitteln können, die für Schülerinnen und Schüler am Hermann-Böse-Gymnasium als Lernpaten und an der Oberschule am Barkhof als Lebenspaten aktiv sind. Unglaublich gefreut habe sie sich darüber, dass eine Patin jetzt mit drei Kindern einen Schwimmkursus macht. Im Herbst geht es auf Klassenfahrt, bei der auch gepaddelt werden soll. Ohne Schwimmkursus hätten die Kinder nicht mitfahren können.

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Eine Stunde Zeit in der Woche, mehr braucht es manchmal nicht, um einem Schüler von Zensuren um Vier auf Zwei zu verhelfen. Andere benötigen Hilfe, um einen Französischkursus erfolgreich zu bewältigen. Ausdrücklich geht es den Initiatorinnen um alle Kinder der sechsten bis zehnten Jahrgangsstufe, nicht nur um diejenigen mit Migrationshintergrund.

Die Sechst- und Siebtklässler brauchen vielfach Hilfe beim Lernen, bei Neunt- und Zehntklässler geht es verstärkt um Lebenshilfe. Wie verhalte ich mich bei Bewerbungen? Wie gebe ich die Hand? Ganz praktische Dinge sind es, die ihnen oft niemand erklärt. „Es gibt Kinder, die haben nicht mal einen Ansprechpartner“, sagt Ute Schnurrer. Von einem Jungen weiß sie, dass er gerne Fußballspielen möchte, aber niemand ihm hilft, einen Verein zu finden. Da wird „Superer“ aktiv, die Lehrer könnten das nicht leisten, sagt Schnurrer.

Begeistert ist die Schwachhauserin von den unglaublich engagierten Lehrern und Direktoren, auf die sie und ihre Mitstreiterin treffen. „Die machen Konzepte, setzen sich abends mit uns hin.“ Das sei grandios.

Eine Herzensangelegenheit

Und auch wenn es manchmal mühsam sei und in kleinen Schritten vorangehe, bleibe die private Initiative eine Herzensangelegenheit. Man selbst habe Chancen im Leben bekommen und die eigenen Kinder gute Bedingungen, sagt die 53-jährige frühere Journalistin und selbstständige Kundenberaterin und Moderatorin, deren Sohn eine elfte Klasse in New York besucht. Ihre 59-jährige Freundin Juliane Schmielau ist Richterin von Beruf, ihre drei Kinder sind erwachsen.

Die Freundinnen überlegen derzeit, ob sie einen Verein gründen, um Spenden sammeln und beispielsweise Schwimmkurse oder Bücher finanzieren zu können. An Ideen mangelt es nicht. An diesem Montag werden sie das Projekt „Superer“ in der Gesamtschule Bremen-Ost (GSO) in Tenever vorstellen. Bereits im Februar hatten Ute Schnurrer und Juliane Schmielau es Vertretern von Schule, Ortsamt und Beirat erläutert.

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An der GSO benötigen Schülerinnen und Schüler Hilfe in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathe, Biologie, Geschichte oder Physik, andere brauchen Lebenstipps oder eine neutrale Person, der sie sich anvertrauen können. Auch Berufstätige und Firmenvertreter, die den Schülern ihre Berufe vorstellen, sind erwünscht, und auch Studierende können sich einbringen.

Bei der Informationsveranstaltung werden Schulleiter Hans-Martin Utz und Fachlehrer Siebo Donker den Bedarf erläutern, erklärt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter, der sich solch ein Lernpaten- und Lebenspaten-Projekt auch für weitere Schulen in Osterholz wünschen würde.

Weitere Informationen

Infoveranstaltung zum Lernpatenprojekt „Superer“ am Montag, 24. Juni, um 17 Uhr in der Gesamtschule Bremen-Ost, Raum 130, Walliser Straße 125. Weitere Informationen gibt es auf www.superer-lernpaten.de.

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