Kritik an unzureichender Information über Millionen-Projekt im Ortskern

Lesumer Anwohner befürchten Nachteile

Lesum. Hinsichtlich der Pläne für eine millionenschwere Aufwertung des Ortskerns, in dessen Mittelpunkt der Abriss des monströsen Sparkassengebäudes an der Hindenburgstraße sowie der Neubau von Wohn- und Geschäftsgebäuden stehen, befürchten die Lesumer Anwohner Nachteile.
22.01.2010, 06:00
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Von Klaus Grunewald
Lesumer Anwohner befürchten Nachteile

Die Sparkasse soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die Planungen für den Bereich Hindenburgstraße zwis

Grunewald

Lesum. 'Im Prinzip ja, aber?" Diese Floskel von Radio Eriwan ist dieser Tage in Lesum häufig zu hören. Sie beschreibt die zwiespältige Haltung der Einwohner zu den Plänen für eine millionenschwere Aufwertung des Ortskerns, in dessen Mittelpunkt der Abriss des monströsen Sparkassengebäudes an der Hindenburgstraße sowie der Neubau von Wohn- und Geschäftsgebäuden stehen.

Nachbarn wie der Diplom-Ingenieur Henning Sieglin befürworten das Projekt zwar im Grundsatz. Sie befürchten aber auch massive Beeinträchtigungen für ihre Häuser und Grundstücke und fordern möglichst schnelle Aufklärung seitens des Investors und des Bauamtes Bremen-Nord.

Wie berichtet, will die Nord-Bau - ein Gemeinschaftsunternehmen der Firmen Gebrüder Rausch und M-Projekt - die eine Gesichtshälfte der Hindenburgstraße zwischen Oberreihe und der Straße Am Mönchshof neu gestalten. Sämtliche Gebäude wie Sparkasse, ein Wohnhaus sowie Gemüse-, Friseur- und Schreibwarenladen sollen abgerissen und die Areale neu bebaut werden.

Dabei ist vorgesehen, auf dem jetzigen Sparkassengrundstück einen Gebäudekomplex mit Ladengeschäften, Büros, Arztpraxen und Wohnungen zu errichten, während das Geldinstitut dort eine neue Bleibe erhält, wo heute noch Ansichtskarten und Tomaten verkauft werden.

Rund zehn Millionen Euro sollen in das ehrgeizige Vorhaben im Ortskern von Lesum investiert werden. Die Baudeputation hat bereits grundsätzlich grünes Licht gegeben, damit der gültige Bebauungsplan 'vorhabensbezogen" geändert werden kann. Und genau dieser Beschluss sorgt jetzt für Besorgnis unter den Anwohnern.

Henning Sieglin spricht von einer Sonderplanung zu Lasten der Anlieger insbesondere in der Oberreihe, da die Baugrenzen verschoben und die bislang zugelassene zwei- bis dreigeschossige Bauweise überschritten werden könnte. Das dürfe auf keinen Fall geschehen. Der Ingenieur: 'In der Hindenburgstraße mag eine Höhe von drei Geschossen tolerierbar sein, in der höher gelegenen Oberreihe aber auf gar keinen Fall."

Sieglin will juristisch gegen die Planung vorgehen, sollte sein Grundstück verdunkelt werden und so an Wert verlieren. Der Lesumer hat seine Bedenken zu Papier gebracht und Kopien an seine Nachbarn, an das Bauamt, den Beirat und die Polizei geschickt. Und er bekräftigt, dass er im Grundsatz keine Einwände gegen die Investorenpläne habe.

Damit liegt er auf der Linie der Ortspolitik. Auch Beiratssprecher Florian Boehlke (SPD) spricht vielen Lesumern aus dem Herzen, wenn er sagt: 'Es ist gut, dass dieser unansehnliche Bau verschwinden soll." Damit ist der massige Betonklotz im Einmündungsbereich Hindenburgstraße/Oberreihe gemeint, den die Sparkasse Bremen in den Jahren 1967 bis 1969 errichten ließ und den alteingesessene Lesumer bis heute als 'architektonische Missgeburt' bezeichnen. Wenn an seiner Stelle sowie im weiteren Verlauf der Hindenburgstraße etwas Neues entstehe, so Boehlke, sei das als Aufwertung des Ortszentrums nur zu begrüßen.

Allerdings fordert auch der Beiratssprecher eine 'möglichst frühe Beteiligung der Bevölkerung", damit es nicht wieder zu einer Hängepartie wie an der Lesum komme. Dort, nahe der Burger Brücke, plant das Bauunternehmen bekanntlich einen Wohnkomplex, der sich in einigen Details noch immer als Zankapfel erweist.

Peter Sakuth, Geschäftsführer des Wohnungsbauunternehmens Gebrüder Rausch, möchte ein zeitraubendes Tauziehen um das Millionenprojekt im Lesumer Ortskern, ebenfalls vermeiden. Alle Bedenken der Anwohner, sagt er, müssten gleichwohl berücksichtigt werden. Gleichzeitig aber warnt Sakuth vor einer Entwicklung wie in Vegesack, wo Geschäftsschließungen und Verödungen an der Tagesordnung sind. Ein solcher Prozess könne und müsse in Lesum vermieden werden.

Eine Zielsetzung, gegen die es im Bauamt Bremen-Nord naturgemäß keine Einwände gibt. Allerdings wehrt man sich gegen den Vorwurf, eine frühzeitige Bürgerbeteiligung zu verschleppen. Die, so heißt es, könne erst über die Bühne gehen, wenn Investor und Architekt konkrete Pläne vorgelegt hätten. Anders formuliert: Im Prinzip ist klar, dass der Lesumer Ortskern einem Wandel unterzogen werden soll. Wie sich die städtebaulichen Veränderungen aber im Detail darstellen und auswirken, ist noch ungewiss. Deshalb, so die Argumentation im Bauamt Bremen-Nord, könne man auch noch keine Informationsveranstaltung für die Bürger anberaumen.

In einem sind sich Sakuth und Sieglin einig: Die Verkehrssituation in der kleinen Anwohnerstraße Oberreihe sei schon heute unzumutbar, weil sie einerseits zugeparkt und andererseits als Zufahrt zum Sparkassenparkplatz genutzt werde. Sieglin plädiert deshalb im Zuge des Neubauvorhabens für eine Tiefgarage, die von der Hindenburgstraße zu erreichen ist. Sakuth: 'Das genau sieht unsere Planung vor."

Das Thema steht im Mittelpunkt der öffentlichen Sitzung des Beiratsausschusses für Stadtentwicklung am Dienstag, 2. Februar, ab 19 Uhr im Verwaltungssaal von Friedehorst, Rotdornallee 64. Bürger erhalten Gelegenheit zur Äußerung und Diskussion.

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