Bremerhaven

Leuchtturm im Wandel

Bremerhaven. Leuchtturmwärter haben Seefahrern früher den Weg gewiesen. Heute übernehmen Computer ihre Aufgabe. Ein Verein versucht, die Erinnerung an den Beruf zu bewahren.
22.02.2013, 12:19
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Von Christina Schmidt
Leuchtturm im Wandel

Vor elf Jahren holte ein Verein den Leuchtturm von Dorum an Land. Heute leuchtet er für Touristen, Sportboote und Flugzeuge, die nach Cuxhaven fliegen.

Janina Rahn

Bremerhaven. Leuchtturmwärter haben Seefahrern früher den Weg gewiesen. Heute übernehmen Computer ihre Aufgabe. Ein Verein versucht, die Erinnerung an den Beruf zu bewahren.

Volker Naumann kann das Meer nicht mehr sehen. Statt in blaue Weite starrt er auf grüne Plastikwände – und fünf Bildschirme. Dort blinken bunte Punkte. Schiffe. Ein Monitor meldet Naumann, dass ein Leuchtturm nicht funktioniert. „Ich könnte eines der Schiffe in der Nähe anrufen und fragen, ob sie sehen, was da los ist“, sagt Naumann. Macht er aber nicht. Die Schiffe finden erstmal auch ohne Leuchtfeuer in den Hafen. Radar, automatisches Identifikationssystem, Lotsen und Naumann dirigieren sie hier aus der Verkehrszentrale in Bremerhaven heraus.

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Naumann sitzt dort, um die Hafeneinfahrt zu überwachen und Schiffe zu koordinieren. Ein bisschen ist er auch ein moderner Leuchtturmwärter: Per Mausklick schaltet er die Leuchtfeuer in der Binnen- und Außenweser an, wenn eines ausfällt, schickt er Techniker los.
Leuchtturmwärter gibt es schon lange nicht mehr. 1973 wurde der letzte, der über die Nordsee wachte, abgeholt. Der technische Fortschritt hat sie überflüssig gemacht, ihre Aufgabe, können Maschinen besser ausführen. Viele Türme blieben einfach stehen, sie verfallen oder wurden von Vogelschützern in Brutstätten umfunktioniert.

In Dorum, dem kleinen Ort nordöstlich von Bremerhaven, hat sich deshalb eine ganze Gruppe von Leuchtturmwärtern zusammengefunden im Förderverein Obereversand. Sie wachen nicht über das Meer. Sondern über ihren schwarzen Turm, den sie mit viel Mühe vor dem Verfall zu bewahren versuchen. Er ist ein kleines Museum.

Horst Grotheer führt eine Besuchergruppe nach oben, durch die Küche, in das Arbeitszimmer, hinauf zur Lampe. „Zwei Mal am Tag musste sie geputzt werden“, erzählt Grotheer, „war ja ihre wichtigste Aufgabe, dass das Leuchtfeuer geht.“

Immer zwei Wärter hätten hier sechs Wochen zusammen verbracht, erzählt Grotheer den Besuchern. Stundenlang saßen sie am Schreibtisch vor dem Fenster und guckten auf das Meer. In zahllosen Tagebüchern haben sie notiert, was sie sahen. Das Wetter. Schiffe. Nebel. Nichts.

Grotheer hat auch Buch geführt – rückwirkend für die zehn Jahre, in denen der Verein seinen Leuchtturm mit großem Aufwand an Land geholt, restauriert und in eine Touristenattraktion verwandelt hat. „Das war nicht schwer. Hat auch nur drei Jahre gedauert“, sagt Grotheer. Jetzt hat er ein neues Projekt: Er sucht die Linse, die aus der Spitze des Turmes heraus den Seefahrern den Weg gewiesen hat. Er vermutet sie in Berlin, im Depot eines Museums. Er ist aufgeregt, wenn er davon erzählt. „Dieser Turm ist erhaltenswert“, sagt er. Und: Ja, er wäre gerne Leuchtturmwärter gewesen.

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