100 Tage nach Taifun "Haiyan" Lichtblick in der Katastrophe

Bremen/Tacloban. Am Sonntag ist es genau 100 Tage ist es her, dass Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen gewütet hat. Ein DRK-Mitarbeiter erzählt von seinen Erfahrungen vor Ort und einer echt bremischen Überraschung.
16.02.2014, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Lichtblick in der Katastrophe
Von Birgit Bruns

Am Sonntag ist es genau 100 Tage her, dass Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen gewütet hat. 8000 Menschen kamen wahrscheinlich um. Eine Million Hütten wurden zerstört, vier Millionen Menschen obdachlos. Doch mitten in der Katastrophe gibt es auch Lichtblicke, erzählt ein DRK-Mitarbeiter.

Es rauscht in der Leitung. „Moment, ich muss mal eben auf meinen Telefonsockel steigen“, tönt es aus dem Hörer. Dann kommt erstmal nichts. Ein Telefonat mit Claus Muchow, dem Teamleiter des Deutschen Roten Kreuzes auf den Philippinen, ist alles andere als leicht. Doch dann steht die Verbindung nach Leyte - der Insel, die Taifun „Haiyan“ am 8. November nahezu komplett zerstört hat. Und Muchow erzählt. Dass er gerade in völliger Dunkelheit auf einem Betonsockel geklettert ist, um überhaupt Handyempfang zu haben. Dass es in der ganzen Provinz immer noch keinen Strom gibt. Dass die Menschen weiterhin unter notdürftig aufgerichteten Planen wohnen, weil die Häuser alle weg sind.

Er erzählt aber auch vom Rauschen des Pazifiks, der nur 200 Meter entfernt ist. Von Temperaturen, die selbst in der Nacht bei 22 Grad liegen, und so ein Leben unter einer Plane erträglich machen. Und von der Ruhe der Menschen, die ihr Schicksal verblüffend entspannt meistern. „So eine Gelassenheit in einer Katastrophe habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“, erzählt der 54-Jährige.

Mit vier Helfern ist er seit drei Monaten im Katastrophengebiet im Einsatz. Nach der akuten Notversorgung mit Wasser, Nahrung, einer Unterkunft und Medizin geht das Engagement mittlerweile in die sogenannte Langzeithilfe über. Dabei geht es darum, die Infrastruktur der Region wieder herzustellen. In erster Linie müssen die Häuser wieder aufgebaut werden. Dafür fehlt im Moment noch das Geld. Doch Muchow ist zuversichtlich - weil trotz der Katastrophe auch immer wieder Schönes passiert.

So wie am vergangenen Donnerstag. Da fuhr Muchow zu einer befreundeten Hilfsorganisation nach Dulag, einem Ort etwa 20 Kilometer südlich von Tacloban. Und traute seinen Augen kaum: Mitten in der zerstörten Ortschaft stand eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten – ohne einen Kratzer. Wie sie dorthin gekommen ist, kann Muchow nicht sagen. In der Region gibt es so gut wie keine Häuser mehr, am Straßenrand liegen Berge voller Schutt. Doch Esel, Hund, Katze und Hahn haben der Katastrophe getrotzt. Ein Lichtblick, mitten in der Katastrophe.

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