Jugendbildungsstätte feiert 25-jähriges Bestehen

Lidice-Haus hält Geschichte wach

Bremen. Mit ausländischen Gästen und einem bunten Programm feiert das Lidice-Haus am Donnerstag sein 25-jähriges Bestehen. Die Jugendbildungsstätte entwickelt unter anderem Angebote zur Auseinandersetzung mit der Geschichte.
01.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Hoesmann

Bremen. Mit ausländischen Gästen und einem bunten Programm feiert das Lidice-Haus an diesem Donnerstag sein 25-jähriges Bestehen. Die Jugendbildungsstätte entwickelt unter anderem Angebote zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und mit aktuellen antidemokratischen Entwicklungen. Zur Jubiläumsfeier sind alle Interessierten in das Haus auf dem Stadtwerder eingeladen (Weg zum Krähenberg 33 a).

An der Lesum, nicht an der Weser liegen die Anfänge der Bremer Bildungseinrichtung Lidice-Haus. Ein kleines Team gründete im August 1987 in einer alten Villa in St. Magnus die gemeinnützige GmbH. 2007 zog die Jugendbildungsstätte von Bremen-Nord auf den Stadtwerder, wo das Sportressort die ehemalige Sportschule aufgegeben hatte. Nach Neu- und Umbau verfügt das Lidice-Haus dort jetzt über 34 Gästezimmer mit 72 Betten.

Inzwischen arbeiten 20 fest angestellte Beschäftigte für das Haus sowie weitere Kräfte in der Küche, berichtet Bildungsreferentin Anette Klasing. Pro Jahr würden rund 100 überwiegend mehrtägige Veranstaltungen angeboten, hinzu kämen Fachtagungen, Konferenzen und Seminare von Gastbelegern. Die Auslastungsquote liege bei durchschnittlich 80 Prozent.

Sechs pädagogische Fachkräfte betreuen die Teilnehmer, zu denen auch Beschäftigte in der Jugendarbeit gehören. In den Seminaren und Kursen geht es unter anderem um Demokratiebeteiligung, autoritäre Entwicklungen wie Rechtsextremismus, Medienpädagogik, Drogen oder Geschlechtergerechtigkeit, aber auch um Sport und Gesundheit.

Zusätzlich werden interkulturelle Begegnungen organisiert, um Vorurteile und Feindbilder abzubauen, sagt Anette Klasing. "Das zu organisieren, bedeutet eine Menge Arbeit, weil wir dafür immer Mittel einwerben und viele Anträge stellen müssen."

Für seine Jugendbildungsprojekte erhält das Lidice-Haus einen festen Zuschuss der Sozialbehörde. Doch zwei Drittel der Kosten würden selbst eingeworben, betont Klasing, etwa mit Modellprojekten. Zu den Gesellschaftern des Lidice-Hauses zählen die Arbeiterwohlfahrt Bremen, der Bremer Jugendring, Landessportbund, Deutsches Rotes Kreuz und die Aktion Sühnezeichen. Mit dem Sozialressort arbeiten die Gesellschafter im Kooperationsausschuss, dem Leitungsgremium des Hauses, zusammen. Seit 1991 hat die Bildungsstätte auch eine Außenstelle in der Jugendherberge an der Schlachte, das sogenannte Service-Bureau Jugendinformation.

Der Name Lidice erinnert an das frühere tschechische Dorf Lidice westlich von Prag, wo deutsche Polizeikräfte unter dem Kommando von SS-Offizieren am 10. Juni 1942 über 170 männliche Bewohner erschossen. Die Häuser wurden in Brand gesetzt, der kleine Ort dem Erdboden gleichgemacht. Zum Gedenken an das Verbrechen vor 70 Jahren sind im Sommer auch Vertreter der Bremer Bildungsstätte mit einer Delegation ins heutige Lidice gereist.

Steine flogen in Glasfront

Ein Ehrenbürger der Stadt Lidice ist der Bremer Pastor Ernst Uhl, Mitbegründer der Lidice-Initiative und ehemaliger Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche. Ernst Uhl wird heute im Rathaus von Bürgermeister Jens Böhrnsen für sein langjähriges Engagement in der Friedensarbeit geehrt.

Für die Jugendbildungsstätte ist der Name Lidice auch heute noch Programm von Veranstaltungen im Jugend- und Erwachsenenbereich: Man wolle an das Verbrechen erinnern und "Brücken bauen für eine lebenswerte Zukunft", heißt es in einer Presseerklärung.

In die Schlagzeilen geriet die Bildungseinrichtung, als am Abend des 22. Februar 2008 ein Anschlag auf das Haus verübt wurde: Die politisch rechts außen stehenden Täter waren mit zwei Autos auf den Stadtwerder gefahren. Dort schnappten sie sich Steine und schmissen sie auf die Glasfront des Gebäudes. Die Mitarbeiter kamen mit dem Schrecken davon. Auch ein Mietwagen wurde beschädigt, der Gesamtschaden belief sich auf mehrere tausend Euro. Die Täter flüchteten zu Fuß in ein Parzellengebiet, wo sie die Polizei stellte. Wegen Sachbeschädigung wurden fünf junge Männer im Oktober 2011 vom Landgericht verurteilt.

Die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Hauses beginnt am Donnerstag, 4. Oktober, um 10 Uhr mit der Aufführung eines Theaterstücks für Jugendliche. Gezeigt wird "Der Kick" – ein Stück über ideologisch motivierte Gewalt. Die neue Geschäftsführerin des Lidice-Hauses, Christine Helmken, eröffnet das Fest um 16 Uhr. Einen Gastvortrag zum Thema "Aufstieg des Rechtspopulismus in Deutschland und die sich daraus stellenden Anforderungen an die politische Bildung" hält ab 17 Uhr Professorin Gudrun Hentges von der Universität Fulda.

Erwartet wird zudem die Tochter einer Überlebenden von Lidice: Jerri Zbiral aus Chicago soll über ihren persönlichen Bezug zum Lidice-Haus sprechen. Und ab 18 Uhr zeigen Jugendliche aus Bethlehem zusammen mit Bremer Tänzern Ausschnitte aus einem Tanzprogramm.-

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