Varieté in Bremen Liebe, ungekündigt

Caroline Schroeck und Gilles Le Leuch treten im „Grand Hotel“ im GOP-Varieté auf. In ihren Rollen als Zimmermädchen und Conferencier flirten sie. Kein Problem, denn auch in echt sind beide ein Paar.
29.01.2018, 15:44
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Liebe, ungekündigt
Von Nina Willborn

Zwei Worte. Mehr braucht Gilles le Leuch nicht, um eigentlich schon alles zu erzählen. Beim Schlussapplaus im neuen GOP-Varieté „Grand Hotel“ stellt er als Concierge alle Künstler des Abends vor. Wenn Caroline Schroeck, die das etwas döspaddelige, aber ungemein gelenkige Zimmermädchen Luise spielt, an der Reihe ist, sagt le Leuch, und man muss genau hinhören, damit es im Applaus nicht untergeht: „Meine Caro.“

Der Zirkus brachte sie zusammen

Dass es „seine“ Caro ist, wusste le Leuch, als er ihr vor jetzt ziemlich genau 31 Jahren zum ersten Mal begegnete, auf dem Gelände des Circus Krone in München. „Eine junge Dame fuhr auf einem Herrenrad an mir vorbei“, erzählt er. Es war eigentlich ein ungünstiger Moment für die Liebe, denn le Leuch hatte gerade seinen Job als Kraftfahrer bei Krone gekündigt, um sich seinen Traum von einer Tour durch Afrika zu erfüllen. Traum gestrichen, aber eine unbefristete Beziehung gewonnen. Le Leuch: „Ich sah sie, bin wieder ins Büro gegangen und habe meine Kündigung zurückgenommen. Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick. Bei ihr...“ „...brauchte es Überzeugungsarbeit, aber nur ein bisschen“, ergänzt Caroline Schroeck, lacht, legt den Kopf leicht schief und strahlt ihren Mann an.

Der Zirkus, in dem sie damals nach Abitur und Musical-Ausbildung als Tänzerin jobbte, brachte das Paar zusammen. Es dauerte dann aber noch ein bisschen, bis aus den beiden auch ein echtes Zirkus-Paar wurde. Caroline Schroeck: „Damals, Ende der achtziger Jahre, gab es noch nicht so viele Zirkusschulen wie heute. Ich hatte in einer Bücherei beim Gasteig in München ein Buch gefunden über die Ausbildung von Artisten. Ich habe Gilles gefragt: ,Hättest Du nicht auch Lust?'“ Hatte er. Die nächste Station der beiden: Berlin. Eigentlich nur hingetrampt, um Jongliermaterial zu kaufen, fanden sie die Zirkusschule „Etage“ und in der Hauptstadt ihre Heimat. Die 52-Jährige: „Noch heute haben wir unseren festen Wohnsitz in Berlin. Der Wedding ist unsere Basis.“

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Artistik für die Zunge

Die braucht's, wenn man – wie Schroeck und le Leuch in diesem Jahr – fast durchgehend auf Tour ist. Der 55-Jährige: „Zwei Monate im Sommer sind frei, ansonsten sind wir unterwegs.“ Erst mal mit dem „Grand Hotel“, das nach der Zeit in Bremen ab 1. März in München seine Gäste unterhält. Schroeck: „Als unsere Kinder noch kleiner waren, war die Logistik oft komplizierter und die Familie aufgeteilt. Es ist auf jeden Fall jetzt schön, zusammen spielen zu können.“ In diesem Fall gilt das sogar für fast die ganze Familie: Tochter Gwendolin gehört mit ihrer Hula-Hoop-Nummer auch zum Ensemble, die zweite Tochter lebt noch in Berlin. In Bremen wohnen die drei zusammen mit den anderen GOP-Artisten in einem Haus in der Innenstadt.

Das Paar ist übrigens auch phonetisch eine gute Kombination. Das bretonische le Leuch wird „le Löck“ ausgesprochen und ergänzt damit das deutsche Schroeck lautmalerisch ganz formidabel: „Schröck-le-Löck“, ein bisschen Artistik für die Zunge. An die Artistik hat vor allem Caro ihr Herz verloren, am Trapez fliegt sie auch durchs „Grand Hotel“.

Gilles' Spezialität ist das Diabolo, das er beim Wiener Walzer über die Bühne wirbelt. Le Leuch: „Ich habe es nie bereut, Künstler geworden zu sein. Man bekommt sofort die Reaktionen des Publikums. Ich liebe auch die Vielfalt unseres Berufs. Normale Tage gibt es bei uns nicht.“

Beeindruckende Resultate

Natürlich, ein bisschen mehr Zeit für Hobbys zum Beispiel wäre neben dem Bühnenalltag schön. Auch was die Freizeit angeht, teilen die beiden ein Interesse, nämlich die Musik. Schroeck spielt Querflöte, „das habe ich als Kind gelernt und mir irgendwann wieder als Hobby gegönnt“, sagt sie. Er hat sich das Akkordeon-Spielen beigebracht. Unterschiedlich tickt das Paar bei der Vorbereitung eines Auftritts. Schroeck braucht den langen Anlauf mit viel Zeit für sich. Gerne drei Stunden, um sich in Ruhe aufzuwärmen, zu schminken und gedanklich auf die Vorstellung einzulassen. „Bei Gilles geht das alles viel schneller.“

Was nach mehr als 30 Jahren Beziehung normal ist: Dass man den anderen in- und auswendig kennt. Und was schätzen beide besonders aneinander? Er: „Dass sie die Fähigkeit hat, konstant eine Idee zu verfolgen und sie umzusetzen. Die Resultate sind meistens beeindruckend.“ Sie: „Dass er immer für alle ein offenes Ohr hat und sich Zeit für die Ideen anderer Leute nimmt.“ Was nach mehr als 30 Jahren Beziehung, die man auch im Job fast durchgehend zusammen verbracht hat, nicht normal und deshalb sehr schön ist: Wenn man das vorläufige Fazit wie Gilles Le Leuch formulieren kann. Er sagt: „Ich hätte es mir alles nicht besser erhoffen können.“

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