E-Scooter Lime verschiebt Start in Bremen

Der E-Scooter-Verleiher Lime kommt vorerst doch nicht nach Bremen. Der Grund: Das Start-up würde gerne mehr Roller aufstellen als bislang genehmigt. Interesse sei aber weiterhin da, sagt der Lime-Chef.
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Lime verschiebt Start in Bremen
Von Stefan Lakeband

In Bremen wird es vorerst keine E-Scooter des Anbieters Lime geben. „Wir haben den Start unseres Angebots bis auf Weiteres pausiert“, sagt Jashar Seyfi, Lime-Deutschlandchef, dem WESER-KURIER. Eigentlich hatte der Anbieter geplant, in naher Zukunft seine E-Roller in Bremen aufzustellen. Als Grund nennt Seyfi die Regulierungen durch die Stadt.

Bremen hatte Lime im Vorfeld auferlegt, mit maximal 500 Scootern in der Stadt zu starten. „Wir haben in den vergangenen Tagen viel überlegt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass 500 Scooter nicht ausreichen“, sagt Seyfi. So eine Zahl halte er für eine Überregulierung des Marktes.

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Ziel von Lime sei es, einen ernsthaften Beitrag zur Verkehrswende zu leisten. Die Roller mit Elektroantrieb sollten zusammen mit anderen Mobilitätsangeboten wie etwa Leihfahrrädern, Bussen und Bahnen sowie Carsharing eine Alternative zum privaten Auto bieten. Die Erfahrungen in anderen Städten hätten aber gezeigt, dass es dafür eine gewisse Anzahl von Scootern brauche.

Lime möchte mehr Roller auf die Straße bringen

„Der Service darf sich nicht nur auf die Innenstadt beschränken, sondern muss auch in den Außenbezirken genutzt werden können“, sagt Seyfi. Dafür müsse man aber deutlich mehr Roller aufstellen dürfen. Als Beispiel zieht er Berlin heran: Als Lime mit seinem Angebot in der Hauptstadt gestartet sei, seien zu Beginn auch nur vergleichsweise wenig Roller auf den Straßen gewesen. „Wir wurden daraufhin dafür kritisiert, dass unsere Scooter nur im Innenstadtbereich und nur von Touristen benutzt würden.“ Jetzt, rund dreieinhalb Monate nach dem Marktstart in Berlin, sei das Bild anders. Lime habe mehr E-Roller aufgestellt, dadurch weitere Bezirke der Stadt erschlossen und werde in erster Linie von Berlinern genutzt.

Eine komplette Absage an die Stadt sei die Pause aber nicht. „Ich bin davon überzeugt, dass Bremen ein sehr attraktiver Markt ist“, sagt der Lime-Chef. Auch die weiteren strengen Auflagen der Stadt, seien nicht das Problem. So müssen Verleiher etwa zusichern, dass es einen Ansprechpartner vor Ort gibt, dass Roller, die Gehwege blockieren, zeitnah umgestellt werden und nur an bestimmten Plätzen abgestellt werden dürfen. „Die Auflagen sind streng“, sagt Seyfi, „wir erfüllen sie aber schon in anderen Städten.“ Die Logistik des jungen Unternehmens sei sehr ausgereift.

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Auch die Gebühr, die die Stadt Bremen erhebe, sei nicht der Grund für die Pause. „Das Geschäft kann sich trotzdem lohnen.“ Seyfi sagt aber auch, dass es schwerer werde, je mehr Regularien es gebe. Höhere Kosten für die Betreiber führten im schlimmsten Fall zu höheren Preisen für die Nutzer. Anbieter müssen für jeden E-Scooter pro Woche eine Gebühr in Höhe von 50 Cent zahlen.

Man verstehe natürlich die Bedenken der Stadt, sagt der Manager. „Deswegen bieten wir Bremen an, dass wir noch mal gemeinsam überlegen, wie wir das Angebot attraktiver gestalten können.“ Das Interesse am Standort sei weiterhin da.

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Im Verkehrsressort von Maike Schaefer (Grüne) ist die vorläufige Absage von Lime angekommen. Das Gesprächsangebot nehme man gerne an, sagt Ressortsprecher Jens Tittmann. Auch Bremen habe nach wie vor Interesse, Anbieter von E-Scootern in die Stadt zu holen. „Wir bleiben aber bei unserer Haltung.“ Die Regularien für die Unternehmen seien aufgestellt worden, weil es in vielen Städten schlechte Erfahrungen gegeben habe. Bremen wähle daher den „vorsichtigen Weg“.

Monopol verhindern

Tittmann macht deutlich, dass man kein Monopol für einen Anbieter genehmigen wolle. Deswegen habe man sich zusammen mit Lime zu Beginn auf eine Zahl von 500 E-Scootern geeinigt. Es sei aber auch klar gewesen, dass 500 nicht das Ende der Fahnenstange seien; für eine Erhöhung der Zahl sei Bremen offen. Tittmann glaubt, dass die E-Scooter gut für den Tourismus in der Stadt sein könnten. Ob sie auch einen großen Anteil zur Verkehrswende leisten könnten, müsse man noch abwarten.

Trotz der Bedenken von Lime werden Bremerinnen und Bremer wohl trotzdem bald E-Scooter ausleihen können. Der WESER-KURIER hatte am Mittwoch berichtet, dass der Verleiher Voi in Bremer an den Start gehen will. Das schwedische Unternehmen plant ebenfalls mit 500 Scootern zu Beginn. Das Start-up ist bereits in München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Nürnberg aktiv. Für Bremen sind bereits Stellen ausgeschrieben. So werden unter anderem ein „Vehicle Operations Specialist“ und ein Flottenmanager gesucht.

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Laut Tittmann hat Bremen mit insgesamt acht Anbietern Gespräche über einen E-Scooter-Verleih in der Stadt geführt. In vielen Städten gibt es bereits Verleihdienste, vor allem im Ausland. In Deutschland ist der Markt noch recht jung; erst im Juni hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung verabschiedet, die das Fahren von E-Scootern im Straßenverkehr erlaubt.

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