Letzte Fahrt 1965

Linie 7 vor 50 Jahren eingestellt

Sie war bekränzt, als sie sich von ihren Gästen verabschiedete und zahlreiche Pusdorfer gaben ihr auf der letzten Fahrt Geleit, indem sie das Ereignis feierten. Vor 50 Jahren fuhr die Linie 7 ein letztes Mal ins Findorffviertel.
28.05.2015, 00:00
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Linie 7 vor 50 Jahren eingestellt

Pfingsten 1965 fuhr die mit Girlanden geschmückte Straßenbahn der Linie 7 ein letztes Mal von Rablinghausen nach Findorff.

Sie war bekränzt, als sie sich von ihren Gästen verabschiedete und zahlreiche Pusdorfer gaben ihr auf der letzten Fahrt Geleit, indem sie das Ereignis feierten. Vor 50 Jahren, Pfingsten 1965, fuhr die Linie 7 ein letztes Mal von Rablinghausen über Hohentor, Westerstraße, Markt, Hauptbahnhof, Breitenweg ins Findorffviertel.

Damals fühlte sich der eine oder andere Fahrgast fast vor den Kopf gestoßen – jahrelang war er „seiner 7“ treu geblieben und nun sollte er von einem Tag auf den anderen in die Großraumbusse der Linien 24 und 25 ausweichen. Da kam es zu den unglaublichsten und menschlichsten Geschichten an den Haltestellen. So wartete eine ältere Dame an der Haltestelle Liebfrauenkirchhof über 20 Minuten bevor sie einen Aufsichtsbeamten der Bremer Straßenbahn AG fragte, wann denn die Bahn nach Findorff käme. Beide – Gäste und BSAG – geben sich Mühe bei der Umstellung. Aber allein das Fahrscheinentwerten war den Straßenbahnfahrern gar nicht geläufig. Anfangs drückten da die BSAG-Schaffner noch zwei Augen zu.

Bis Mitte 1965 pendelte die Straßenbahnlinie 7 zwischen Rablinghausen und Findorff. Ab Oktober 1903 fuhr die Bahn erstmals bis zur Dötlinger Straße. Diese Aufnahme ist in den Zwanzigerjahren entstanden.

Bis Mitte 1965 pendelte die Straßenbahnlinie 7 zwischen Rablinghausen und Findorff. Ab Oktober 1903 fuhr die Bahn erstmals bis zur Dötlinger Straße. Diese Aufnahme ist in den Zwanzigerjahren entstanden.

Foto: frei

Die Line 7 war schon etwas Besonderes – ihr wird nachgesagt, dass in ihren Wagen ein ganz besonders herzlicher Umgangston herrschte und die Fahrt, dank der zahlreichen Originale, Anekdote um Anekdote bereichert wurde. Da war zum Beispiel der Fahrer, der sein Tabakblatt vor dem Rangieren auf die Gleise legte und den so gewonnenen Fein- oder Grobschnitt in seine Pfeife stopfte und genüsslich rauchte oder der Bauer, der mit seinem Fuhrwerk die Schienen blockierte und auf die Frage: „Können Sie nicht mal eben von den Schienen fahren?“ lapidar antwortete „Ich schon, aber Du nicht“.

Erste Strecken eines innerstädtischen Schienennetzes waren um 1876 durch die Pferdebahn entstanden, so zum Beispiel ab 1889 die Strecke vom Markt bis zum Hohentor. Die wachsende Bebauung und Industrialisierung der Vorstädte Bremens erforderte den Ausbau des Straßenbahnnetzes. So wurde die rot-grüne Linie – seit 1908 Linie 7 – schrittweise vom Hohentor bis nach Rablinghausen verlängert. Weitere geplante Verlängerungen bis zum Dorf Lankenau oder noch Anfang der 60er- Jahre zum Neustädter Hafen wurden allerdings auf Eis gelegt.

Die Linie 7 wechselte im Laufe der Jahrzehnte häufiger ihre Streckenführung, bediente jedoch stets Woltmershausen. Bis 1952 war in Schwachhausen (Hartwigstraße) die zweite Endstelle (heute Linie 8), anschließend in Findorff (Hemmstraße).

Anfangs galt die Woltmershauser Linie nicht als sonderlich rentabel, doch die wachsende Bebauung, der Berufsverkehr und Ausflugsziele an der Weser sorgten für gut besetzte Züge. Die ursprüngliche Wendeschleife am Roccoweg wurde nie gebaut, deswegen konnte die Strecke nur mit älteren Fahrzeugen, die in beide Richtungen verkehren konnten, nicht jedoch mit modernen Großraumzügen bedient werden. Das war schlussendlich das dennoch überraschende Aus der Linie 7. Schließlich wollte die Verkehrspolitik eigentlich die Linie modernisieren und verlängern.

Am Westerdeich 1: Jürgen Schmiedekampfs Wandbild der Straßenbahn Linie 7 in Woltmershausen.

Am Westerdeich 1: Jürgen Schmiedekampfs Wandbild der Straßenbahn Linie 7 in Woltmershausen.

Foto: Jochen Stoss

Eine Modernisierung wäre notwendig gewesen. Die Rangiermanöver vor dem Woltmershauser Depot waren aufwendig, besonders wenn Züge mit Anhängern oder Beiwagen abgekuppelt und ins Depot rangiert wurden. Als Hauptlinie fuhren die Triebwagen der „7“ mit bis zu zwei Anhängern. Da in Rablinghausen eine Wendeschleife fehlte, musste dort umgesetzt werden. Hierzu wurden die Beiwagen entkuppelt und die Triebwagen rangierten über Weichen wieder vor den Zug. Und dies auf der seinerzeit stark befahrenen Rablinghauser Landstraße, auf der unter anderem der Verkehr zum Bau des Neustädter Hafens rollte.

Nun jährt sich das Aus der Linie 7 zum 50. Mal und es gibt immer noch Pusdorfer, die der schnellen Verbindung nachtrauern, obwohl sie sich längst an die 24 und 25 gewöhnt haben.

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