Vegesack Literarische Lesemeile nimmt Gestalt an

Vegesack. "So etwas hat es in dieser Form noch nicht gegeben", freut sich der langjährige Kulturreferent Egbert Heiß. Ein neuartiges Großprojekt steht den Vegesackern im nächsten Sommer ins Haus - und ein wahrhaft poetisches dazu.
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Von Alexander Bösch

Vegesack. "So etwas hat es in dieser Form noch nicht gegeben", freut sich der langjährige Kulturreferent Egbert Heiß. Ein neuartiges Großprojekt steht den Vegesackern im nächsten Sommer ins Haus- und ein wahrhaft poetisches dazu. Wenn in der zweiten Augustwoche 2011 wieder das Gartenkulturfestival zu Klassik unter freiem Himmel lädt, soll die Weserpromenade einen Tag lang zur literarischen Meile mutieren. In der Stadtbibliothek Vegesack konnte deren Leiterin Britta Schmedemann jetzt erstmals Interessenten begrüßen, die -- allesamt zum Literatur- und Kulturbetrieb Bremen-Nords gehörig - die erste Planungsphase des ambitionierten Projekts einläuteten.

Die Initialzündung zur "literarischen Meile" war während eines Stammtischs entstanden, zu dem das Kulturbüro Bremen-Nord geladen hatte. Schon bald hatte sich eine Untergruppe zum Thema Literatur gebildet, kaprizierte man sich auf die Idee, an verschiedenen Standorten entlang der Weserpromenade Menschen lesen beziehungsweise lauschen zu lassen. "Wie ein literarisches Bufett, bei dem sich jeder etwas herauspicken kann", fasste Britta Schmedemann den angedachten Effekt in Worte.

Schnell war sich das "literarische Septett" in der Stadtbibliothek einig, die ursprüngliche thematische Verengung auf Literatur rein maritimer Natur zu erweitern. "Maritim und regional" sollte nun die Vorgabe zu dem Event sein, bei dem man nicht "klein denken, sondern möglichst viele ins Boot holen" wolle. "Möglichst viele" - das schließe eine möglichst große Anzahl vortragswilliger Autoren ebenso ein wie das Kulturbüro Nord und das City-Marketing, die beide bereits ihre Unterstützung zugesagt haben.

An einer Pinwand veranschaulichte die Bibliothekarin auf blauen Kärtchen einige Varianten der möglichen Realisierung einer literarischen Meile. Die Palette reichte dabei vom - gerade unter jungen Leuten beliebten - Poetry Slam, Rezitationen, Comics und Videos bis hin zu Walking Acts, bei denen Künstler ohne einen festen Standort Menschen ansprechen und diese mit ihren Vorträgen erfreuen.

Egbert Heiß schlug vor, eine literarische Führung entlang der Kapitänshäuser zu inszenieren. Hip Hop Künstler oder Vortragende, die - als literarische oder historische Persönlichkeiten verkleidet - aus ihrem Leben erzählen, fielen als Stichworte. Heiß hatte bereits ein Papier mit konkreten Ideen ausgearbeitet.

So könnten Schreibwerkstätten, das Overbeck-Museum und das Statt-Theater einbezogen werden, das Vulkanesen-Erzählcafe zum Einsatz kommen oder bekannte Krimiautoren aus der Innenstadt als Zugpferde dienen. Flussführer könnten aus ihrem bewegten Leben erzählen, Märchenerzähler, Songwriter und - qua Wettbewerb von ihren Lehrern für 'tauglich' befundene - Schüler zum Zuge kommen.

Für ein Bilderbuchkino in einem abgedunkelten Zelt, bei dem die Erzählhandlung durch Projektionen illustriert wird, begeisterte sich Wolfgang Maschack.

Als Leiter des Kinder- und Jugendzirkus "Tohuwabohu" mahnte Maschack an, wie wichtig eine - wenn auch kostspielige - technische Unterstützung in Form von Headsets und guten Verstärkern für noch unsichere junge Vortragende sei. Schon bald zeigten lebhafte Diskussionen, dass beim Versuch, das Projekt mit Leben zu füllen, etliche Komponenten bedacht werden müssen.

Wer als Nachwuchsautor oder auch Profi gewohnt sei, in geschlossenen Räumen vor einem konzentriert lauschenden Publikum zu lesen, müsse sich damit arrrangieren, dass Passanten möglicherweise mitten während ihres Vortrages weitergingen.

Ein Lärmpegel vom Hundegebell bis hin zu schwatzhaften Passanten dürfe die womöglich sensible Künstlerseele nicht unnötig pikiert wirken lassen. Überdies könne sich herausstellen, dass manch einer zwar Texte verfassen könne, aber partout kein guter Vorleser sei, hier müsse eine Jury gegebenenfalls "filternd eingreifen".

Vorstellen konnte man sich thematisch stringente Schubladen, innerhalb derer innerhalb einer Stunde vier Vortragende mit Blick auf die Aufmerksamkeitsspanne des Zuhörers nicht länger als je 10 bis 15 Minuten referieren.

Auch die Schriftsteller Manfred Petersen und Edelhard Callies ließen ihre Erfahrungen mit der Problematik, Literatur mit Breitenwirkung in die Öffentlichkeit zu tragen, einfließen. Beide sind Initiatoren der Veranstaltungsreihe "Leser an der Weser" und der "Literaturpforte", bei der selbstgeschriebene Texte vorgetragen werden.

Dieter Kock vom gleichnamigen Künstleratelier und Bernhard de Reese, Liebhaber und Interpret plattdeutschen Kulturguts, komplettierten die kleine literarische Interessengemeinschaft, die nun schnellstmöglich eine genaue Projektbeschreibung im Kulturbüro einreichen will, um entsprechende Fördermittel beantragen zu können.

Dann sollen Details wie Honorarfragen, thematische Zuspitzungen und die Einbindung der Gastronomie geklärt werden. "Wen könnt ihr mit einem bestimmten Programm in eure Kneipe zeihen, der sonst nicht unbedingt ein Bier bei euch trinken würde", formulierte Britta Schmedemann den möglichen Anreiz für die Nordbremer Kneipiers.

Das nächste Treffen soll am 7. Dezember wieder in der Stadtbibliothek im Aumunder Heerweg stattfinden. Interessenten jeglicher Couleur sind herzlich eingeladen.

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