Drei Investoren interessiert

Lloydhof steht vor dem Verkauf

Die Zukunft des Lloydhofes in der Bremer Innenstadt wird sich kurzfristig entscheiden. Derzeit wird er für das "City Lab" zwischengenutzt. Der Stadt liegen mehrere Gebote von Investoren vor.
03.07.2017, 20:29
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jürgen Hinrichs Jürgen Theiner Lisa Boekhoff
Lloydhof steht vor dem Verkauf

Fakt ist, dass der Lloydhof laut Ausschreibung nicht abgerissen werden darf.

Karsten Klama

Der Einzelhandels- und Bürokomplex Lloydhof in der Bremer Innenstadt steht offenbar kurz vor dem Verkauf. Nach Informationen des WESER-KURIER liegen der Wirtschaftsbehörde, die das Objekt für Investoren zum Kauf ausgeschrieben hat, drei Angebote vor, wovon eines über 20 Millionen Euro liegen soll. Die CDU nimmt die aktuelle Entwicklung zum Anlass, ihre Forderung nach einer grundlegenden Neuordnung des Bereichs beiderseits der Bürgermeister-Smidt-Straße zu bekräftigen.

Der Lloydhof im Ansgaritorviertel, eröffnet im Jahr 1980, ist derzeit in städtischem Besitz. Die Wirtschaftsbehörde hatte das 4700 Quadratmeter große Grundstück mit seiner passageartigen Bebauung 2012 gekauft, um es in einem städtebaulichen Großprojekt aufgehen zu lassen: dem City-Center. Geplant war, den gesamten Bereich von Parkhaus am Brill und Lloydhof abzureißen und durch ein Einkaufszentrum mit rund 25.000 Quadratmetern Nutzfläche zu ersetzen.

Lesen Sie auch

Doch 2015 sprang der portugiesische Investor Sonae Sierra ab, und die Stadt blieb auf dem Lloydhof sitzen. 23,8 Millionen Euro hatte die Wirtschaftsbehörde für die Immobilie hingeblättert, hinzukommen die ­Finanzierungskosten. Ein sehr stolzer Preis, wie Branchenkenner damals meinten.

Um den Lloydhof zu beleben, arrangierte die Wirtschaftsbehörde im Frühjahr 2016 eine Zwischennutzung der Passagenflächen durch ausgewählte originelle Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister, die dort für kleine Mieten ihre Marktchancen ausloten dürfen. Dieses Projekt mit der Bezeichnung ­„City-Lab“ dauert derzeit noch an, die oberen Büroetagen sind zum Teil an die Baubehörde vermietet.

Lesen Sie auch

Dass das „City-Lab“ ein Intermezzo bleiben würde, war von vornherein klar. Die Stadt brachte im vergangenen Jahr eine Verkaufsausschreibung auf den Weg, um die Immobilie wieder zu privatisieren. Allerdings fürchtete man in der Wirtschaftsbehörde, die 23,8 Millionen Euro bei Weitem nicht wieder hereinholen zu können und dafür am Ende von der Politik heftig geprügelt zu werden.

Nichts über Absichten der Investoren bekannt

Nun sieht es allerdings so aus, als ob zwischen Einstandspreis und Verkaufserlös wohl doch keine große Lücke klaffen wird. Der Sprecher der Wirtschaftsbehörde, Tim Cordßen, bestätigt allerdings ausdrücklich nicht, dass eines der Investorengebote über 20 Millionen liegt.

Über die Absichten der möglichen Investoren ist bisher nichts bekannt. Fakt ist, dass der Lloydhof laut Ausschreibung nicht abgerissen werden darf. Im vergangenen Jahr hatte sich ein „Perspektivkreis Ansgaritor“ Gedanken über die Zukunft des Lloydhofes gemacht.

Lesen Sie auch

Das Gremium aus Verwaltungsfachleuten, privaten Projektentwicklern, Einzelhändlern und anderen interessierten Akteuren entwarf ein Szenario für einen „Neuen Lloydhof“ mit Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss und einer ­Mischung aus Wohnen und Büros, ­eventuell auch Hotelerie und Freizeitnutzungen wie Fitness in den oberen Etagen.

Großräumiger denken

Was sich jetzt im Ansgariviertel abzeichnet, ist aus Sicht des CDU-Kreisvorsitzenden und früheren Bausenators Jens Eckhoff ein unangemessenes Klein-Klein. Ihm passt die ganze Richtung nicht. Aus seiner Sicht müssten Politik und Verwaltung viel großräumiger denken und die Zukunft der gesamten Zone beiderseits der Bürgermeister-Smidt-Straße ins Auge fassen.

Also auch das Sparkassengebäude Ecke Faulenstraße, aus dem das Kreditinstitut in den nächsten Jahren ausziehen wird. „Es wäre höchste Zeit, ein paar renommierte Stadtentwickler mit der Aufgabe zu befassen, für den Bereich Lloydhof, Parkhaus am Brill und Sparkasse ein Konzept aus einem Guss zu formulieren“, ist Eckhoff überzeugt.

Lesen Sie auch

„Das könnte auch einschließen, dass der Individualverkehr aus der Bürgermeister-Smidt-Straße herausgenommen wird.“ Auf diese Weise lasse sich eine bessere Anbindung des ­Stephaniviertels an die Innenstadt zumindest anbahnen. In solche Überlegungen einbezogen werden könnte auch das Bremer Carree in unmittelbarer Nähe des Lloydhofes.

Nach Informationen des WESER-KURIER ist das Büro- und Geschäftszentrum an der Obernstraße verkauft worden. Der bisherige Eigentümer, die Allianz, hat das bestätigt. Am ­Freitag vergangener Woche seien die Verträge unterschrieben worden. Zum Käufer wollte das Unternehmen nichts sagen. Möglich, dass durch den Wechsel im Carree, das lange Jahre durch viel Leerstand geprägt war und bis heute nicht ausgelastet ist, weitere Dynamik im Ansgariviertel entsteht.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+