Kritik an Immobiliendeal in Bremen Lloydhof-Verkauf hat Nachspiel

Steuergeldverschwendung - das Urteil von CDU und Linken über den Verkauf des Lloydhofs in der Bremer Innenstadt fällt hart aus. Sie vermissen strategisches Denken bei der Wirtschaftsförderung.
19.12.2018, 19:40
Lesedauer: 3 Min
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Lloydhof-Verkauf hat Nachspiel
Von Jürgen Theiner

Beim Verkauf des Lloydhofs an auswärtige Investoren hat die Stadt möglicherweise Geld verschenkt. CDU und Linke kritisieren die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) dafür, das Geschäft nicht vorausschauend mit einem anderen Immobiliendeal in der Innenstadt verknüpft zu haben. Der finanzielle Schaden könnte sich nach Einschätzung des CDU-Haushaltspolitikers Jens Eckhoff im siebenstelligen Bereich bewegen. Die WFB dementiert vehement, sie stellt den Sachverhalt anders dar.

Wie berichtet, wird der süddeutsche Projektentwickler Denkmalneu den Geschäftskomplex zwischen Ansgarikirchhof und Hanseatenhof in den nächsten Jahren umbauen. Das Gebäude gehörte bis Februar der Stadt, genauer gesagt: der WFB. Denkmalneu zahlte ihr dafür 21,5 Millionen Euro. Unterm Strich machte die Wirtschaftsförderung damit einen Verlust von etwa vier Millionen Euro, denn gekauft hatte sie den Lloydhof 2012 für etwa 25,5 Millionen Euro. Damals gab es Pläne für ein großes Einkaufzentrum im Ansgariquartier, die sich allerdings zerschlugen. Die WFB blieb nach diesem Fehlschlag einige Jahre auf dem Lloydhof sitzen, bis sich mit Denkmalneu ein Abnehmer fand.

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Dass die Wirtschaftsförderer bei der Weitergabe des Objekts draufzahlten, stieß schon bei der Bekanntgabe des Geschäfts im Frühjahr auf Kritik. Doch die hat sich jetzt drastisch verschärft. Seit wenigen Tagen steht nämlich fest, dass die WFB nach dem Umbau des Lloydhofs – voraussichtlich Ende 2020 – als Großmieter dort einziehen wird. Gegenwärtig residieren die Wirtschaftsförderer an zwei Standorten im Kontorhaus an der Langenstraße und in der Faulenstraße. Der Hauptsitz im Kontorhaus gehörte der WFB selbst, bevor das Objekt im März an den Unternehmer Christian Jacobs verkauft wurde. Erste entsprechende Kontakte zwischen der WFB und Jacobs reichen ins Jahr 2016 zurück.

Strategisches Denken vermisst

Die zeitliche Abfolge der Immobiliengeschäfte finden CDU und Linke erstaunlich. "Die WFB wusste schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt, dass sie aus dem Kontorhaus ausziehen und neue Räumlichkeiten benötigen würde", sagt Eckhoff. Aus seiner Sicht hätte es nahegelegen, sich diese Situation beim Verkauf des Lloydhofes zunutze zu machen. "Man hätte sagen können: Wir bieten den Lloydhof mitsamt einem langfristigen Mietvertrag für Büroräume der WFB an.

Das hätte sich deutlich wertsteigernd ausgewirkt und zu einem höheren Erlös geführt. Vielleicht hätte man dann beim Verkauf unterm Strich gar keinen Verlust erlitten", so Eckhoff. Stattdessen habe die WFB im Februar den Lloydhof verkauft und erst jetzt die Entscheidung getroffen, sich dort einzumieten. Ungeschickter gehe es kaum. "Wo bleibt da das strategische Denken in der Wirtschaftsförderung und beim Wirtschaftssenator?"

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Linken-Haushälter Klaus-Rainer Rupp sieht das ganz ähnlich: „Die Verkaufsprojekte Kontorhaus und Lloydhaus haben sich auf jeden Fall überschnitten.“ Doch statt sie sinnvoll miteinander zu koordinieren, habe bei der WFB offenbar die rechte Hand nicht gewusst, was die Linke tut. „Das Ganze war geprägt von Planlosigkeit und Hast“, so Rupps wenig schmeichelhaftes Urteil.

Verkauf stand erst im August 2017 fest

Bei der WFB stellt man den Sachverhalt anders dar. Laut Sprecherin Juliane Scholz stand der Verkauf des Kontorhauses erst im August 2017 fest. Das Ausschreibungsverfahren für den Lloydhof sei aber schon im Frühjahr 2017 angelaufen. „Hätte man den Lloydhof mit der Aussage verkaufen wollen, dass die WFB später Flächen zurückmietet, hätte ein anderes, deutlich aufwändigeres Ausschreibungsverfahren unter Berücksichtigung des Kartellrechtes gewählt werden müssen“, erläutert Scholz.

Mögliche Einsprüche unterlegener Bieter hätten dann zu erheblichen Verzögerungen im Verkaufsprozess führen können. Für die WFB-Sprecherin steht deshalb fest: „Das im März 2017 gestartete Ausschreibungsverfahren musste ordnungsgemäß zu Ende geführt werden und hat konzeptionell und finanziell zu einem guten Ergebnis für Bremen geführt.“

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Die Vorwürfe von CDU und Linken verfangen aus Scholz' Sicht noch aus einem weiteren Grund nicht: Beim Start der Verkaufsausschreibung für den Lloydhof habe gar nicht festgestanden, ob dort nach einem Umbau überhaupt Büroflächen entstehen sollten. Das künftige Nutzungskonzept sei in der Ausschreibung bewusst nicht genau festgelegt worden, um Investoren „genug Raum für Entwicklungen zu bieten“.

Jens Eckhoff sieht seine Vorwürfe nicht entkräftet. Mag ja sein, erwidert Eckhoff, dass der Verkauf des Kontorhauses erst im August 2017 besiegelt wurde. Die Entscheidung, die Immobilie aufzugeben, habe allerdings schon deutlich früher festgestanden. Deshalb sei es sehr wohl möglich gewesen, das Verkaufsprojekt Kontorhaus und die Anmietung von Räumen für die WFB im Lloydhof strategisch miteinander zu verbinden. Eckhoff: „Da ist Steuergeld verschwendet worden, daran kann kein Zweifel bestehen.“

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