Der Busverkehr läuft nach der Einrichtung der Großbaustelle am Bahnhof Blumenthal reibungslos Lob für das Provisorium

Blumenthal. Mit dem Bus nach Blumenthal. Seit Mitte dieser Woche vielleicht ein Abenteuer.
18.03.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Albrecht-Joachim Bahr

Blumenthal. Mit dem Bus nach Blumenthal. Seit Mitte dieser Woche vielleicht ein Abenteuer. Der Bahnhofsvorplatz, die sogenannte Ständer-Kreuzung, ist Baustelle, abgeriegelt. Ausgerechnet die Drehscheibe weiter in die Region: mit dem Bus der Linie 90 nach Neuenkirchen, dem 94er nach Schwanewede, mit den anderen unter anderem nach Rönnebeck und Bockhorn. Vom Autoverkehr ganz zu schweigen. Der Umbau des Busbahnhofs betrifft jetzt und in den kommenden Monaten alle Verkehrsteilnehmer, die hier durch müssen.

Bremer Vulkan, Margaretenallee, Wätjenspark ... bis hierher läuft an diesem Tag gegen 11 Uhr noch alles ganz normal. Doch dann ändert sich die Strecke, geht es vor Blumenthal links Zur Westpier, dann in den Marschgeren über den Krempel bis schließlich in die Nicolaus-H.-Schilling-Straße. Es sind enge Kurven hier. Doch entgegenkommende Pkw sind kein Problem. Entgegenkommende Busse auch nicht, denn die Fahrer haben jetzt schon so etwas wie eine Choreografie der Vorbeifahrt im Blut.

Von der Schillingstraße biegt der 94er jetzt rechts ab, rauf auf den ehemaligen Parkplatz der Bremer Wollkämmerei. Das also ist der neue Busbahnhof, denkt man, asphaltiert und mit gelben Markierungen ausgelegt, die Fahrtrichtung anzeigen und Haltebuchten. Fünf Wartehäuschen im Rot englischer Telefonzellen lassen dabei fast Urlaubsgefühle aufsteigen. Fast. Aber jetzt ist es Mittag in Blumenthal. Und dafür sieht der „ZOB“ ziemlich leer aus. Bevölkert wird er lediglich von einer Handvoll Herren mit gelber Weste mit dem Aufdruck „Wir informieren“. Wie uns später gesagt wird, sind es insgesamt acht Kollegen, die die Straßenbahn AG hier im Einsatz hat. Ihre alleinige Aufgabe ist es, Fahrgästen bei Bedarf weiterzuhelfen.

Und haben sie schon viel helfen müssen? Ein, zwei der Kollegen antworten gern, möchten aber – „haben Sie bitte Verständnis dafür, Sie wissen: der Dienstweg“ – ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Ja, berichtet einer der Helfer, da gebe es schon Fragen nach dem Wohin und von wo der Bus abfährt. Auch nach dem Weg zum Bahnhof würde gefragt. („Ganz einfach, da, den Weg bitte, am Fußgängerschild vorbei“).

„Es ist halt neu“, sagt einer der BSAG-Mitarbeiter, „aber schon zum Beispiel für den 90er Bus geht es ab der Landrat-Christians-Straße wieder wie gewohnt“. Andererseits aber entfallen die 96er- beziehungsweise 97er-Haltestellen Fresenbergstraße und Wasserturm. Trotzdem: Bislang habe es auf dem Streckennetz rund um die Großbaustelle kaum Verzögerungen gegeben, jedenfalls keine nennenswerte Verspätungen.

Und wie kommen die Fahrgäste mit der neuen Situation zurecht, mit Umleitungen und der neuen Haltestelle? Hans-Jürgen Szczesny ist Rentner. Er kommt gerade aus Bockhorn und wartet auf den 94er nach Schwanewede. Ja, sagt er, er habe sich umschauen müssen. Sein Haltestellenschild steht etwas verdeckt hinterm Wartehäuschen. Aber sonst: keine Probleme. „Nur mit meinem Knie“ – er kommt deswegen gerade vom Arzt – „da hätt‘ ich schon Probleme, zum Beispiel von hier aus rechtzeitig zum Bahnhof zu kommen“.

Wie auch Wolfgang Wünsch. „Mit meinen neunzig Jahren“, sagt er, „da bin ich halt nicht mehr so flink“. Er ist mit dem Zug vom Hauptbahnhof gekommen und will jetzt weiter nach Lüssum. Da müsste er also den 96er-Bus nehmen? Ja, den eben hätte er nehmen können. „Ich habe da noch an die Tür geklopft. Aber der ist dann doch schon abgefahren.“ Die gut zehn Minuten, die er jetzt warten muss, die machen ihm dann allerdings auch nicht viel aus. „Anders herum, also zurück zum Bahnhof, da wäre das dann schon bis zu einer halben Stunde Wartezeit, wenn ich den Zug verpasse.“ Denn der Weg von der Bushaltestelle bis zum Bahnhof, „da muss man jetzt den ganzen Bogen laufen. Aber vielleicht könnte man das wie am Flughafen machen, mit kleinen Elektrokarren, die einen bringen könnten.“

Andere Fahrgäste steigen aus, schauen nach dem nächsten Bus, steigen ein und weg sind sie. Im Vorübergehen meint eine Frau noch: „Das ist jetzt besser als vorher.“ Besser also als die bisherigen Bushaltestellen am Bahnhofsplatz. „Wo ich wohne und wo die Busse sonst den ganzen Tag ankommen, bremsen, wieder anfahren. Und immer dieser Lärm“. Muss sie sich umstellen? Hat sie Verspätungen erlebt? „Nein, nie. Da gibt es keine Probleme.“

Kein Problem auch für die Fahrgäste von oder nach Rönnebeck, Bockhorn und Schwanewede, jedenfalls dann nicht, wenn man die Zeit für einen Umweg mit einplant. Die entsprechenden Busse fahren nämlich von der Lüssumer Straße her über die Autobahn, Abfahrt Blumenthal wieder runter und dann über die Landrat-Christians-Straße den schon beschriebenen Weg zum neuen Busbahnhof. Von dort dann wieder zurück bis zur Landrat-Christians und weiter dann in Richtung Vegesack oder Hammersbeck. In Gegenrichtung dann entsprechend. „Die über die Behelfsstrecken am Bahnhofsplatz zu schicken“, schüttelt der Servicemann den Kopf, „das geht nicht. Mal ist die Fresenbergstraße zu, mal die Lüder-Clüver-Straße ... das machen wir nicht mit“.

Derweil ist der Bahnhofsvorplatz abgeriegelt. Eben sind noch die letzten Baken eingehängt worden. Durchlass gibt es nur noch zwischen Landrat-Christians- und Lüssumer Straße. Sonst sieht der Platz aus, wie ein riesiger rot-weiß eingezäunter Abenteuerspielplatz. Bereit für ein Abenteuer, das bis Oktober des Jahres voraussichtlich gute 3,9 Millionen Euro aufzehren wird – zu 90 Prozent aus Bundesmitteln gefördert. In dem Budget enthalten ist wohl auch die provisorische Ampel an der Einmündung der Nicolaus-H.-Schilling-Straße in die Landrat-Christians-Straße. „Weil die Fahrer dort die Straßen nicht richtig einsehen können“, sagt einer der Männer in seiner gelben Weste, mit der Aufschrift „Wir informieren“.

Informationen zur Baustelle Geänderte Fahrpläne, die die Situation in Blumenthal berücksichtigen, finden sich an den BSAG-Haltestellen und in der VBN-App. Mit einem QR-Code auf den Haltestellen-Fahrplänen bekommen Fahrgäste außerdem Abfahrtszeiten in Echtzeit auf ihr Smartphone. Schließlich sind gedruckte Fahrpläne im BSAG-Kundencenter in Vegesack erhältlich. Darüber hinaus kann man den BSAG-Newsletter abonnieren, um aktuelle Informationen und themenbezogene Nachrichten direkt aufs E-Mail-Postfach geschickt zu bekommen. Weitere Auskünfte unter 04 21 / 59 60 59.
„Das ist jetzt besser als vorher.“ Ein BSAG-Fahrgast
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