Am 1. Juni soll ein Liederfest auf dem Marktplatz stattfinden – die erste Idee hatte vor über 20 Jahren Ex-Senatsbaudirektor Kulenkampff Lobgesänge zum runden Geburtstag

Bremen. Wenn alles nach Plan läuft, könnte es am 1. Juni 2017 ziemlich eng werden auf dem Bremer Marktplatz.
04.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Hethey

Bremen. Wenn alles nach Plan läuft, könnte es am 1. Juni 2017 ziemlich eng werden auf dem Bremer Marktplatz. Dann nämlich, wenn eine gewaltige Menschenmenge insgesamt elf Loblieder auf Bremen anstimmt. „Wir hoffen auf mehrere Tausend Menschen“, sagt Uni-Musikdirektorin Susanne Gläß aus dem Projekt-Team „Bremen so frei – ein Fest in 11 Liedern“. Pünktlich zum 70. Geburtstag des Landes Bremen nimmt die Veranstaltung konkrete Formen an, neuerdings wirbt eine eigene Website um sangesfreudige Mitmenschen.

Sämtliche Lieder befassen sich mit der Bremer Geschichte. Von den Anfängen auf der Bremer Düne spannt sich der Bogen über den Roland und das Rathaus bis in die Gegenwart. Dabei wird die Vergangenheit auch schon mal augenzwinkernd unter die Lupe genommen. So im „Hanseswing“, in dem es mit Blick auf die eigenbrötlerische Hanse-Politik Bremens heißt: „Pfeffersäcke aller Länder, sitzen fast in einem Boot.“ Von der Liederdichterin Imke Burma stammen die Texte, die Melodien steuerten die Gebrüder Nicolas und David Jehn bei. Die Texte wie auch Erläuterungen zu den historischen Hintergründen sind auf der Website abrufbar, mitsamt Musik kann man sie als praktische Anleitung sogar auf dem Videokanal Youtube anhören. Sieben Schulklassen und Chöre haben sich bislang für das gemeinsame Singen angemeldet.

Uni-Musikdirektorin Susanne Gläß zählt auf eine rege Beteiligung in den Grundschulen. „Bremer Geschichte steht ja in den dritten und vierten Klassen ohnehin auf dem Lehrplan“, sagt sie – da lasse sich historisches Wissen mithilfe der Liedertexte optimal vermitteln. Irgendwelche Bedenken bräuchten die Lehrkräfte nicht zu haben, die Gebrüder Jehn bieten kostenlose Fortbildungen am Landesinstitut für Schule an. Das Ergebnis könne dann auch schon mal vorab präsentiert werden. „Mein Wunsch wäre, dass die Klassen ein Video machen und es auf Youtube hochladen“, sagt die 59-Jährige.

Mit ihrem Projekt greifen die Liederfest-Initiatoren eine Idee des früheren Senatsbaudirektors Eberhard Kulenkampff auf. Bereits vor mehr als 20 Jahren schrieb der heute 89-Jährige den Text für ein Oratorium mit dem Titel „Bremer Freiheit“. Seine Vision: Jedes Jahr am 1. Juni sollten Musikbegeisterte auf dem Marktplatz ihre Stimme für Bremen erheben. Wobei das Datum nicht zufällig zustande kam, sondern als Erinnerung an den 1. Juni 1646. Damals wurde Bremen als „reichsunmittelbare Stadt“ direkt dem Kaiser unterstellt und war damit frei von den Herrschaftsansprüchen der Erzbischöfe.

Doch die schöne Idee verlief im Sande, das Oratorium wurde nie vertont. Aus dem Dornröschenschlaf erwachte das Projekt erst, als Altbürgermeister Henning Scherf sich und andere für den Kulenkampff-Plan begeisterte: Er klopfte bei Gläß an, die holte die Gebrüder Jehn als Komponisten ins Boot und die wiederum stellten den Kontakt zur „Sprachfee des Projekts“ her, Imke Burma. Auch Bürgermeister Carsten Sieling und Bürgerschaftspräsident Christian Weber sind als Schirmherren dabei. Susanne Gläß regte an, das Hauptaugenmerk auf die Kinder zu legen. Am 1. Juni sollen sie im Mittelpunkt stehen. „Mitten auf dem Marktplatz werden sich die Kinder befinden und rundherum Chöre und Solisten“, sagt Gläß.

Wer als Erwachsener nicht allein proben will, kann sich im Mai bei kostenlosen Workshops an der Uni in der Sangeskunst üben. „Ob Solist, Chor oder Gesangsverein, jeder ist willkommen“, betont Gläß. Fragt sich nur, warum ausgerechnet elf Lieder vorgetragen werden sollen. Anders als man vermuten könnte, hat es damit keine besondere Bewandtnis. „Zehn Lieder fanden wir ein bisschen langweilig, und bei zwölf Liedern denkt man gleich an ein Dutzend.“

Ob das Liederfest ein einmaliges Ereignis bleibt, ist noch nicht klar. Die konkreten Planungen laufen nur für dieses Jahr. Doch die Initiatoren lassen keinen Zweifel daran, dass sie sich eine Fortsetzung wünschen. So, wie es der geistige Vater Eberhard Kulenkampff im Sinn hatte.

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