Umetzung der Lockerungen

Mehr Besuche in Bremer Pflegeheimen erlaubt

Ab Dienstag, 11. August, treten die vom Bremer Senat beschlossenen Lockerungen für Besuche in Pflegeheimen in Kraft. Die Einrichtungen hatten 14 Tage Zeit, Konzepte zu entwickeln. Was Besucher beachten müssen.
10.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Mehr Besuche in Bremer Pflegeheimen erlaubt
Von Sabine Doll
Mehr Besuche in Bremer Pflegeheimen erlaubt

Mit der neuen Verordnung dürfen Bewohner von Pflegeheimen Angehörige und Freunde auch länger als zwei Stunden pro Tag empfangen.

Jens Büttner/dpa

Die Vorbereitungen in den Pflegeheimen laufen seit gut zwei Wochen: Ende Juli hat der Senat deutliche Lockerungen für Besuche in Einrichtungen der Altenpflege und der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen beschlossen. Unter anderem fällt die Begrenzung auf zwei Stunden Besuch täglich und einen Besucher im Verlauf einer Woche weg. Die 13. Corona-Verordnung, in der dies geregelt ist, tritt an diesem Dienstag in Kraft.

Awo plant feste Besuchszeiten

„Natürlich freuen wir uns für Angehörige und Bewohner, dass sie nun öfter die Gelegenheit bekommen, sich zu sehen und persönlich miteinander zu sprechen“, sagt Petra Karin Sklorz, Pflege-Geschäftsführerin bei der Awo. „Man darf aber nicht vergessen, auch wenn sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Bremen derzeit auf einem eher niedrigen Niveau bewegt: Das Virus ist nicht verschwunden. In den Einrichtungen leben alte, oft mehrfach erkrankte Menschen, die zur Risikogruppe zählen. Jeder Besuch ist daher immer mit einem Risiko verbunden.“ Dies sehe auch der überwiegende Teil der Bewohner so, viele hätten auf die Lockerungen mit einem großen Schutzbedürfnis reagiert.

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Die Awo betreibt in Bremen fünf stationäre Einrichtungen, zwei Tagespflege-Standorte und drei ambulante Dienste. Laut der Corona-Verordnung müssen die Einrichtungen künftig kein separates Besucherzimmer mehr zur Verfügung stellen, auch vorherige Terminabsprachen sind behördlich nicht mehr vorgeschrieben. Die Träger können aber in ihrem Besuchskonzept eigene Regelungen treffen und Einschränkungen vornehmen, wenn dies erforderlich ist. „Davon machen wir Gebrauch. In unseren Einrichtungen wird es zum Beispiel feste Besuchszeiten geben, sie werden sich je nach Standort auch unterscheiden“, sagt Sklorz. Dies sei einerseits notwendig, um die Besucherströme steuern zu können und damit das Infektionsrisiko weitestgehend zu minimieren. Aber auch, um das Personal in der Pflege so effektiv wie möglich einsetzen zu können.

Denn: Jeder Besucher, der eine Einrichtung betritt, muss namentlich registriert werden, eine Hygieneeinweisung erhalten und zum Besucher- oder Bewohnerzimmer begleitet werden. Diese Vorgaben bleiben bestehen. Sklorz: „Dafür muss Personal bereitgestellt werden. Und jeder weiß, wie es um das Thema Personal in der Pflege steht, nicht erst seit Corona. Die aktuelle Krise verschärft das Problem zusätzlich. Wir sind derzeit dabei, zusätzliches Personal, auch Aushilfen, zu finden. Ansonsten leidet die Pflege am Bett darunter, und das kann keiner wollen.“ Pflegepersonal, das dringend bei den Bewohnern auf den Stationen benötigt werde, könne nicht von dort für die Aufgaben am Empfang abgezogen werden – vor allem nicht über den ganzen Tag. Auch aus diesem Grund sei eine Steuerung über Besuchszeiten erforderlich.

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Mit Sorge blickt die Awo-Geschäftsführerin auf Ende September: Dann läuft der bundesweite Pflege-Schutzschirm aus, wonach für ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen coronabedingte Mehraufwendungen sowie Mindereinnahmen finanziert werden können.

Mehr Personal durch Lockerungen

Geregelt ist dies in Paragraf 150, Absatz 2, Sozialgesetzbuch XI. Dazu gehören auch „Personalmehraufwendungen“, zum Beispiel aufgrund von „Mehrarbeit, Neueinstellung, Stellenaufstockung und Einsatz von Leiharbeitskräften zur Kompensation von Sars-CoV-2-bedingtem Personalausfall oder erhöhtem Personaleinsatz“, wie es in dem Paragrafen heißt. Sklorz: „Darunter dürfte auch dieser zusätzliche Personalbedarf durch Lockerungen von Besuchsregelungen fallen. Wenn der Schutzschirm, der bundesweit gilt, nicht verlängert wird, müssten aus unserer Sicht auf Landesebene Entscheidungen getroffen werden.“

Die Awo bittet Besucher darum, wenn möglich Termine für die Besuchszeiten auszumachen, auch wenn diese nicht mehr vorgeschrieben sind. Die Geschäftsführerin geht davon aus, dass die Einführung von Besuchszeiten überwiegend auf Akzeptanz bei Angehörigen stößt. Immerhin gehe es um den Schutz der Bewohner, dies gelte auch für das Pflegepersonal. Sie seien maßgeblich auf das Verhalten anderer angewiesen. In allen Einrichtungen gelte nach wie vor eine Maskenpflicht. „Wir setzen ganz auf das Verständnis“, betont Sklorz.

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Auch die Bremer Heimstiftung appelliert an die „gemeinsame Verantwortung“ angesichts der Lockerungen, wie Pflegedirektorin Susanne Brockmann betont. Für alle 34 Standorte gilt ein allgemeines Besuchskonzept, die einzelnen Punkte sind auf der Internetseite www.bremer-heimstiftung.de aufgelistet. Dazu zählt unter anderem: In sämtlichen Einrichtungen gilt eine Maskenpflicht. Beim Betreten und Verlassen sollen die Hände desinfiziert werden, ein Aufenthalt von Besuchern in öffentlichen Bereichen wie Restaurant, Wohnküchen oder Gemeinschaftsräumen ist nicht möglich. Handelt es sich um einen Besuch in einem Doppelzimmer, soll das Personal angesprochen werden, ob es etwas zu beachten gilt.

Neben diesem allgemeinen Konzept haben die einzelnen Einrichtungen ebenfalls eigene und zusätzliche Bestimmungen getroffen. „Angehörige werden von den Einrichtungen darüber per Post oder Anruf informiert“, betont Brockmann. „An manchen Standorten gilt zum Beispiel, dass sich Besucher zuvor telefonisch anmelden müssen.“ Vor allem an den Wochenenden wird mit mehr Besuchern gerechnet. Auch die Heimstiftung hat zusätzliches Personal für das erwartete Plus an Besuchern akquiriert: Unter anderem werden laut der Pflegedirektorin ehrenamtliche Helfer an der Rezeption eingesetzt. Neben anderen Aufgaben erfassen sie die Kontaktdaten der Besucher und erklären die Hygieneregeln.

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