Huchtinger Feuerwehr holt nach einem Jahr Pause den Titel als beste Laufgruppe beim Freimarktsumzug Löschknechte klettern aufs Siegertreppchen

Bremen. Viel besser kann ein Comeback nach einjähriger Abstinenz nicht verlaufen: 2009 fehlten die Huchtinger Löschknechte beim Freimarktsumzug. Dieses Mal waren sie wieder mit von der Partie und gewannen gleich den Preis als beste Laufgruppe. 'Sie haben das Publikum ganz toll mit einbezogen und für richtig Stimmung gesorgt', lobt Freimarktchef Carl-Hans Röhrßen.
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Von Christian meyer

Bremen. Viel besser kann ein Comeback nach einjähriger Abstinenz nicht verlaufen: 2009 fehlten die Huchtinger Löschknechte beim Freimarktsumzug. Dieses Mal waren sie wieder mit von der Partie und gewannen gleich den Preis als beste Laufgruppe. 'Sie haben das Publikum ganz toll mit einbezogen und für richtig Stimmung gesorgt', lobt Freimarktchef Carl-Hans Röhrßen.

Während die Löschknechte mit der Startnummer 34 längst am Roland und der Jury vorbei gezogen sind, sind die Starter mit den dreistelligen Nummern noch weit vom Getümmel in der Innenstadt entfernt. Fast am Schluss des Zuges mit der Nummer 133 hat sich der Schwimmverein von 1910 eingereiht. Noch vor dem Truck auf dem die Schwimmer feucht-fröhlich feiern, läuft Neele Sander. Sie gibt die Vorläuferin. Und als ob ihre Badekappe nicht Erkennungszeichen genug wäre, hält die 20-Jährige aus der Östlichen Vorstadt ein Schild mit dem Vereinsnamen in der Hand.

'Ich glaube, so viel wird da oben nicht getrunken', sagt sie und deutet mit dem Kopf in Richtung Truck, wo ihre Vereinskameraden Bonbons in die Menge werfen 'Aber nachher wird bestimmt noch kräftig auf dem Freimarkt gefeiert.' Da werde sie aber schon im Bett liegen. 'Ich war gestern bis fünf Uhr morgens unterwegs.'

Ein halbes Jahr dran gearbeitet

Auch Tim Fischbeck wird den Partymarathon auf dem Freimarkt auslassen. Den hat der Airbus-Azubi aus Bremerhaven aber auch nicht nötig. Obwohl der Umzug noch nicht einmal gestartet und es noch früh am Vormittag ist, trinkt er bereits sein erstes Bier. 'Muss ja sein, ist schließlich Wochenende', sagt er und grinst. Er ist einer von fünf Airbus-Azubis, die bereits kräftig auf ihrem Wagen feiern. Der DJ heizt den jungen Flugzeugbauern und ihren Kollegen mächtig ein. Für den Freimarktsumzug hat Fischbeck, der in einem halben Jahr mit seiner Ausbildung fertig ist, einen Airbus nachgebaut. Der schmückt nun den hinteren Teil des Festwagens. 'Ich habe ungefähr ein halbes Jahr daran gearbeitet', sagt Fischbeck stolz.

Weniger handwerkliche, sondern eher kreative Arbeit hat die Tanzschule Renz in ihren Auftritt investiert. Ihr Motto: '246 Länderpunkte und 16 Tore'. Das soll an Lenas Erfolg beim Eurovision Song Contest und die Tore der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft erinnern. Und so tanzen die rund 40 Tanzschüler zu Lenas Siegerlied 'Satellite' und Shakiras WM-Hymne 'Waka Waka'.

146 Festwagen und Laufgruppen sind dieses Jahr beim Freimarktsumzug dabei: Von der Landjugend, die einfach nur ein paar Stunden feiern will, bis hin zu aufwendig geschmückten Festwagen. Dazwischen gibt es auch welche, die den Umzug als Werbebühne nutzen wollen. Zum Beispiel das Teatro Magico oder die Musical Company, die im Waldau Theater residiert. 'Wir wollen hier natürlich auf unser Programm aufmerksam machen', erklärt Thomas Blaeschke von der Musical Company. Kim Bärly vom Teatro Magico sieht das ähnlich. Aber man sei natürlich auch zum Spaß hier. 'Wir wollen Farbe reinbringen.'

Auch Vera und Yvonne von der Wilhelm-Focke-Oberschule aus Horn-Lehe sind beim Umzug dabei, um einen guten Eindruck zu hinterlassen - bei ihrer Lehrerin. 'Ich schätze, es kommt schon gut an, wenn wir hier helfen', hofft die 15-jährige Vera aus Horn-Lehe. Schließlich habe sie sich freiwillig dafür gemeldet, Bonschen in die Mengen zu werfen. Dafür hofft sie auf Pluspunkte bei ihrer Erdkunde-Lehrerin.

Während die meisten Laufgruppen sich in bunte und witzige Kleider geworfen haben, kommen die Kämpfer vom Deutschen Schwertorden eher martialisch daher. Mit ihren schweren Gewändern und langen Schwertern wirken sie ziemlich angsteinflößend. 'Wir sind alle ganz friedlich', beruhigt Lothar von Owmund, der Oberritter der Gruppe und lacht. Natürlich verteilen sie keine Schwerthiebe, sondern Süßigkeiten, genau wie alle anderen auch.

Trotz Bonbons in Unmengen - die kulinarische Bandbreite ist auf dem Freimarktsumzug erstaunlich groß. Wer es weniger süß mochte, war beim Wagen von 'Slow Food' richtig. Der Verein bot selbstgemachtes Sauerkraut mit Bismarckhering als Kontrast zu den süßen Schleckereien an. Die Coca-Cola-Azubis setzen wieder auf Süßes: Sie verteilten die wohl berühmteste Limonade der Welt.

Traditionell legt der Freimarktsumzug jedes Jahr die halbe Innenstadt lahm. In der Neustadt sind die wichtigen Verkehrsachsen stundenlang für Autofahrer gesperrt. Auch im Zentrum gibt es kein Durchkommen. Zum absoluten Höhepunkt des bunten Treibens gehört der Einmarsch der ersten Festwagen am Roland.

Dort stehen am Sonnabend mit Abstand die meisten der über 200000 Schaulustigen und beobachten, wie die Wagen des Bremer Geschichtenhaus fast an der Spitze des Umzugs an den riesigen Fernsehkameras von Radio Bremen vorbeiziehen. Nur ein paar Meter dahinter wartet der Karnevalsverein Rot-Weiß darauf, endlich über den Domshof laufen zu können. 'Wir sind schon seit 1974 ununterbrochen dabei', sagt Präsidentin Hella Keller.

Direkt bei der Jury, zwischen Roland und Domshof, haben sich Kinder versammelt. Da ist der beste Platz, um Bonbons einzusammeln. Auch der achtjährige Chawitt aus Arbergen steht hier. 'Die mit den Bonbons sind die Coolsten', sagt er und hält seine kleine Mütze auf, weil er schon den Wagen von der SG Findorff erspäht hat. Ein paar Sekunden später prasselt auf den Achtjährigen ein wahrer Bonschenregen nieder. 'Boah, das war viel', ruft er und trägt seine süße Beute zu seinem Vater.

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