Kompromiss beim alten Sportamt möglich

Lösung für Besetzer in Sicht

Die Aktivisten im alten Sportamt am Weserstadion in Bremen sprechen mit Behörden und Politik über eine Kompromisslösung.
05.04.2017, 20:27
Lesedauer: 3 Min
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Lösung für Besetzer in Sicht
Von Pascal Faltermann
Lösung für Besetzer in Sicht

Das alte Sportamt auf dem Peterswerder ist weiterhin besetzt. Die Aktivisten veranstalten bereits Konzerte. Über eine Lösung des Konflikts und einen Vertrag wird verhandelt.

Frank Thomas Koch

Die Aktivisten im alten Sportamt am Weserstadion in Bremen sprechen mit Behörden und Politik über eine Kompromisslösung.

Seit mehr als zwei Jahren ist das alte Sportamt in der Nähe des Weserstadions besetzt. Der Zustand befand sich stets in der Schwebe. Vieles schien möglich – irgendetwas zwischen Räumung und Vertragsunterzeichnung. Nach der Winterpause veranstalten die Besetzer und Besetzerinnen seit Mitte März wieder Konzerte, Diskussionsrunden, Workshops, Cafés oder Do-it-yourself-Kurse, beispielsweise für Siebdruck-Techniken, in dem Gebäude.

Alles wie bisher, könnten Spaziergänger denken, die vom Stadionbad aus an der Weser entlang Richtung Weserwehr an der Immobilie vorbeikommen. Sah es im vergangenen Jahr zunächst nach einer Räumung aus, angedroht von Verantwortlichen des zuständigen Finanzressorts, suchten Ende September dann aber doch die Behördenvertreter und Besetzer nach einer Lösung (wir berichteten). Nun steht offenbar eine Einigung an, eine Kompromisslösung für beide Seiten.

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Beide Seiten kompromissbereit

Doch eine offizielle Einigung oder gar einen unterschriebenen Vertrag gibt es bislang noch nicht. Die jungen Leute aus dem links­alternativen Spektrum setzen ihr Programm hingegen wie bisher fort. Für diesen Monat haben die Besetzer des Gebäudes auf dem Peterswerder bereits an die zehn Termine bekannt gegeben.

So spielen zum Beispiel am Montag, 10. April, gleich mehrere Bands in dem besetzen Haus zwischen Sportgarten, Fußballplätzen und den Flächen des Bremer Tennisvereins Rot-Weiß. Auf der Bühne sollen die französische Black Metal-Band Sordide und die Punk-Combo Satan aus Grenoble (Frankreich) stehen, um die Gitarren zum Klingen und die Lautsprecher zum Vibrieren zu bringen.

Die Besetzer schreiben auf ihrer Internetseite, dass sie sich mit Vertretern der Grünen in den Räumen des Fanprojekts von Werder Bremen getroffen hätten. Nach ihren Angaben hatten die Politiker erklärt, dass das Finanzressort, Immobilien Bremen und die Baubehörde bereit seien, ihnen ein neues Angebot über eine langfristige legale Nutzung zu machen.

Vertragsangebot soll kommen

Dass es Gespräche gab, bestätigt auch die Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla (Grüne). Sie war es, die im vergangenen Jahr mit Parteikollegen den Kontakt zu den Besetzern gesucht hatte. „Es waren gute Gespräche“, sagt Wargalla, die als Mittlerin versucht, für die Behörden und die Besetzer eine Lösung zu finden.

Es habe von beiden Seiten eine Kompromissbereitschaft gegeben, an einem gemeinsamen Weg zu arbeiten, sagt Wargalla. Das habe sie gefreut. Nun erwarte sie, dass es möglichst bald von der Behörde ein Vertragsangebot gebe, über das dann beide Seiten sprechen könnten.

Von den Vertretern der Finanzbehörde gibt es noch keine offizielle Stellungnahme zu den laufenden Verhandlungen und Gesprächen. Zu fragil scheinen die Annäherungsversuche der verschiedenen Parteien noch zu sein. Aus der Behörde ist aber zu hören, dass die Gespräche tatsächlich gut verlaufen seien. Eine Lösung stehe im Raum. Nun soll ein weiterer Termin mit den Besetzern folgen, der aber noch ausgemacht werden müsse.

Solidaritätsbekundungen von Vereinen, Künstlern und Kultureinrichtungen

Ähnliches bestätigt auch Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. Die Vertreter des Ressorts hätten bereits eine Anfrage für einen möglichen Leihvertrag beantwortet. Abgefragt wurden dabei Voraussetzungen für einen solchen Kontrakt.

Dazu merkte das Bauressort Punkte an wie Feuerlöscher und Rauchmelder, das Überprüfen der elektrischen Anlagen durch einen Fachmann oder Vorschriften für Rettungswege, Fenster und Türen. Zudem dürfe der Außenbereich des ehemaligen Sportamts nur von bis zu 199 Personen bei Veranstaltungen genutzt werden.

SPD und Grüne hatten schon in ihrem Koalitionsvertrag verankert, dass die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und Immobilien Bremen bis Ende 2015 abschließend eine Entscheidung in der Angelegenheit treffen sollten. Lange Zeit, vor allem 2016, sah es aber danach aus, als eskalierte die Situation: Trotz einer angedrohten Räumungsklage aus der Finanzbehörde hatten die Aktivisten aus dem links­alternativen Spektrum die gesetzte Frist Ende Juli 2016 verstreichen lassen und verharrten im Gebäude.

Von zahlreichen Vereinen, Künstlern und Kultureinrichtungen in Bremen kamen daraufhin Solidaritätsbekundungen. Teilweise sind die Plakate, Poster und Aufkleber immer noch im Bremer Stadtbild zu sehen.

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