Verkehrssenator stellt sich Fragen der Bremer

Lohse: "Die Fahrradbrücke wird kommen"

In einem Facebook-Live-Interview hat Joachim Lohse am Dienstag die Fragen der WESER-KURIER-Leser zu aktuellen Projekten in Bremen beantwortet. Neben Fahrradbrücken und der A281 ging es auch um marode Radwege.
20.03.2018, 18:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Alice Echtermann
Lohse: "Die Fahrradbrücke wird kommen"

Wenn es um Infrastruktur und Verkehrsentwicklung in Bremen geht, kochen die Diskussionen in den sozialen Medien hoch. Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter wie Straßenverkehr und Radwege. Am Dienstag stellte sich Verkehrs- und Bausenator Joachim Lohse (Grüne) deshalb den Fragen der Bremerinnen und Bremer in einem Live-Interview auf Facebook.

Während des Gesprächs vor der Kamera konnten die Zuschauer direkt mitdiskutieren – und viele stellten Fragen zu aktuellen Projekten.

Das sagte Senator Lohse zu den verschiedenen Themen:

Fahrradbrücken über die Weser

Der Bau der neuen Fahrradbrücken über die Weser zwischen Neustadt und Altstadt sowie zwischen Hemelingen und Habenhausen ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Ursprünglich hieß es, mit der Brücke in der Neustadt über die Kleine Weser könne man bereits 2019 beginnen. Die Verbindung zur Altstadt sollte dann folgen.

"Im Moment ist das Projekt angehalten", so Lohse. In den Haushaltsverhandlungen der Bremischen Bürgerschaft habe man Prioritäten beim Ausbau von Schulen und Kitas gesetzt. Für Fahrradbrücken ist also gerade kein Geld übrig. Für manche sei das Projekt "nice to have"; etwas, das man nicht unbedingt brauche, sagte Lohse. "Ich sehe das anders." Die geplanten Brücken sollen jeweils zehn Millionen Euro kosten; bis zu 90 Prozent könnten durch Fördergelder des Bundes abgedeckt werden. "Das ist eine gut investierte Million, die wir hier ausgeben."

Nach der Bürgerschaftswahl könne das Projekt wieder zum Thema werden, so Lohse. Dann werde man sehen, welche Parteien in Koalitionsverhandlungen gehen und dieses "wichtige Projekt" voranbringen. Für den Fall, dass er dann nicht mehr Verkehrssenator sei, gibt er sich zuversichtlich: "Diese Brücke ist so bestechend – sie wird kommen."

Denn die Fahrradbrücke in der Neustadt soll nicht nur die Wilhelm-Kaisen-Brücke entlasten; sie sei beispielsweise auch für die Innenstadtentwicklung wichtig. "Die Kaufleute im Viertel werden sich freuen, wenn die Menschen im Buntenetor leichter ins Viertel kommen und umgekehrt." Lohse ist sich sicher: Das Projekt wird die Lebensqualität und Attraktivität von Bremen steigern.

Auf die Frage eines Lesers, ob noch eine weitere Brücke über die Weser zur Überseestadt möglich sei, sagte Lohse, der Wunsch nach einer besseren Anbindung dort sei absolut berechtigt. Er denke jedoch, es werde eher auf eine Fährverbindung hinauslaufen.

Das ganze Live-Interview (30 Minuten) sehen Sie hier:

Autobahn A281

"Wann wird endlich mal die A281 komplett fertiggestellt?", fragte Jan Spangenberg auf Facebook. Lohses Antwort: Im Jahr 2022 oder 2023 rechne er mit dem Ringschluss der Autobahn. "Wir werden dieses Jahr den Baubeginn der beiden noch fehlenden Bauabschnitte sehen", sagte er.

Haben Fahrradprojekte in Bremen Vorrang?

Den oft geäußerten Vorwurf, er bevorzuge Projekte für den Ausbau von Radwegen und verzögere Verbesserungen für Autofahrer, bestritt der Verkehrssenator. Im Bremer Haushalt mache die Förderung des Fahrradverkehrs nur einen kleinen Prozentsatz aus. Viel mehr Geld fließe in die Straßenbahn, die Reparatur von Straßen und Brücken, oder eben die A281.

Es gebe auch keine gewollte "rote Welle", um die Autofahrer von der Straße zu vergraulen. Dieses Problem, von Thore Ibbson auf Facebook angesprochen, besteht laut Lohse auch für Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Ursache: In Bremen genießen Busse bei grünen Ampeln eine Vorrangschaltung.

Der Senator warb aber auch für seine Themen: "Die Leute, die finden, es müsste mehr für's Auto getan werden – die sollen sich mal vorstellen, wie es auf den Straßen aussähe, wenn alle Straßenbahn- und Radfahrer auch im Auto sitzen würden."

Kostenloser ÖPNV

Sein Ressort wolle ein gutes Angebot in Bremen schaffen. Aber: "Kostenlosen ÖPNV gibt es nicht", sagte Lohse. "Er ist teuer und irgendwer muss ihn bezahlen." Es gebe bei dem aktuellen Stand einen Finanzierungsbedarf von 150 Millionen Euro jährlich. Sollten noch mehr Autofahrer auf Bus und Bahn umsteigen, würde sich dieser Bedarf auf 200 Millionen Euro erhöhen. "Und dieses Geld hat Bremen momentan nicht."

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Stephanibrücke

Auch die marode Stephanibrücke sprachen die Zuschauer auf Facebook an. Lohse räumte ein, die halbseitige Sperrung des Radwegs dort sei "mit gesundem Menschenverstand nicht ganz nachzuvollziehen". Doch die Brücke sei Eigentum des Bundes, und der habe vorgeschrieben, den Radweg zu verschmälern, um das Bauwerk zu entlasten. Die Alternative sei gewesen, eine Fahrspur zu sperren – und das sei eine "Horrorvorstellung". Wann genau die Sanierung komme, könne er nicht sagen. Aber: "Ich rechne damit, dass wir 2020 oder 2021 baulich etwas machen." Dann könne die Absperrung entfernt werden.

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Sanierung alter Radwege

Eine andere, häufig gestellte Frage war, wieso Bremen Geld in neue Fahrradbrücken oder -premiumrouten stecke, anstatt bestehende Radwege zu sanieren. Darauf hat Joachim Lohse eine klare Antwort: Es nütze nichts, die alten Wege zu reparieren. Denn in Bremen seien die Straßen meist zu schmal, um die Radwege ausreichend zu verbreitern. Ohne diese Standards könne man aber niemanden zwingen, den roten Streifen zu benutzen. Aktuell sei es bei 90 Prozent der Bremer Straßen zulässig, mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn zu fahren – trotz Radweg.

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"Rüpelhafte" Radfahrer

Die Diskussion auf Facebook zeigte: Der geteilte Straßenverkehr – durch Fußgänger, Rad- und Autofahrer – birgt in Bremen Konfliktpotenzial. So beschwerten sich viele Leser, Radfahrer würden sich nicht an die Regeln halten. Auch er nehme das oft wahr, sagte Lohse. "Ich finde das Verhalten auch oft unerträglich." Natürlich gelte für alle die Straßenverkehrsordnung, auch auf den geplanten Radschnellwegen. Man werde dort versuchen, die Konflikte zu entzerren, versprach Lohse.

Ebenso wichtig sei jedoch, dass Autofahrer die Vorfahrt von Radfahrern in Fahrradstraßen akzeptieren.

Bei der Steuerung des Verhaltens sieht er zudem die Polizei in der Pflicht: Es müsse mehr Kontrollen und auch Sanktionen geben. "Da ist in Bremen noch einiges zu tun."

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