Erst Kritik, dann Bitte um Gespräch Lohse macht 180-Grad-Wende

Erst hat Joachim Lohse in puncto Blumenthaler Bahnhofsprojekt den Bauunternehmer Jan-Gerd Kröger hart angegriffenen, nun sucht er doch das Gespräch.
02.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Lohse macht 180-Grad-Wende
Von Jürgen Theiner

Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) hat in puncto Blumenthaler Bahnhofsprojekt eine 180-Grad-Wende gemacht. Vergangene Woche noch hatte er in einer Bürgerschaftsdebatte den Bauunternehmer Jan-Gerd Kröger hart angegriffenen, nachdem der seinen Ausstieg aus dem Projekt erklärt hatte. Jetzt versucht Lohse, zu retten, was noch zu retten ist. Er hat seinen Staatsrat Wolfgang Golasowski, als Kröger-Kritiker ganz auf des Senators Linie, zurückgepfiffen und sucht stattdessen das Gespräch mit dem Bauunternehmer, der gleichzeitig Präses der Handwerkskammer ist.

Und in Blumenthal wünscht man sich, dass es nun doch noch zu einer öffentlich-privaten Kooperation bei der Umgestaltung des Verkehrsknotens an der Landrat-Christians-Straße kommt. „Ich habe die Hoffnung, dass die Kontrahenten der vergangenen Wochen zueinanderkommen, wenn sich die Aufregung gelegt hat“, sagt Ortsamtsleiter Peter Nowack.

Jan-Gerd Kröger wollte sein privates Bahnhofsgelände in das Blumenthaler Infrastrukturprojekt einbringen. Im April hatte er dann seinen Ausstieg erklärt. Er hatte sich mit dem Bauamt Bremen-Nord und dem Bauressort des Senats nicht auf den planungsrechtlichen Rahmen für seine Hochbau-Aktivitäten einigen können: den Umbau des historischen Bahnhofsgebäudes zu einem Wohnprojekt für die Lebenshilfe, ein Café und eine neue Unterkunft für die Busfahrer der BSAG. Kröger beließ es nicht bei einer Absage an den städtischen Partner, sondern teilte kräftig gegen die Baubehörde aus. Insbesondere den Leiter des Bauamtes Bremen-Nord, Maximilian Donaubauer, ging er heftig an.

>> Kommentar über Bausenator Lohse

Lohse zahlte mit gleicher Münze zurück. In einer Bürgerschaftsdebatte über die Verkürzung von Genehmigungsverfahren im Baurecht drosch er so heftig auf Kröger ein, dass mancher in den Reihen der rot-grünen Regierungsfraktionen Schnappatmung bekam. „Wir haben einzelne lautstarke Kritiker, die zum Teil aus Bremen-Nord kommen“, nahm Lohse Maß, bevor er auf Kröger zu sprechen kam. Ohne ihn namentlich zu nennen, urteilte er über Krögers Verhalten: „Das finde ich unseriös, ich finde das unhanseatisch, und ich finde auch, dass wir solche Bauantragsteller in Bremen nicht brauchen. Wir brauchen seriöse Unternehmer, von denen wir Gott sei Dank genügend haben.“ Wenige Tage später legte sein Staatsrat Wolfgang Golasowski nach. Gemäßigter im Ton, aber inhaltlich auf gleicher Linie attestierte Golasowski Kröger fachliche Schwächen bei der Mitwirkung am Genehmigungsverfahren für den Bahnhofsumbau.

Einen Tag später dann Lohses 180-Grad-Schwenk: In einer Presseerklärung wies er Golasowski öffentlich zurecht und erklärte für seine Behörde: „Wenn hier Fehler gemacht worden sind, müssen wir sie beheben.“ Er werde den Bahnhofsumbau nun zur Chefsache machen. „Herr Kröger ist ein erfahrener Bauunternehmer. Wir werden das Projekt gemeinsam stemmen.“

Für nächste Woche ist nun ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Lohse und Kröger anberaumt. Ob sich dabei das Bahnhofsprojektes doch noch retten lässt, steht dahin. Kröger geht mit geringen Erwartungen in die Aussprache. Die Lebenshilfe stehe als Mieterin eines umgebauten Bahnhofs inzwischen nicht mehr zur Verfügung. Das Projekt, an dem drei Jahre lang ohne Fortschritte herumgeplant worden sei, habe mithin keine wirtschaftliche Grundlage mehr, erklärte Kröger gegenüber dem WESER-KURIER.

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