Farbvandalismus

Loriot wird häufig Opfer von Schmierereien

Schon mehrfach haben Unbekannte die Loriot-Figur in der Innenstadt verunstaltet. Laut Polizei gab es im Jahr 2017 bereits Hunderte Fälle von Farbvandalismus in Bremen.
05.11.2017, 20:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Isabel d’Hone
Loriot wird häufig Opfer von Schmierereien

Frisch gereinigt sieht sie doch noch am besten aus: die an Loriot erinnernde Figur auf dem Loriot-Platz in der Innenstadt. Immer wieder wird sie von Unbekannten mit Farbe beschmiert und verunstaltet.

Christina Kuhaupt

Mit einem schwarzen Filzstift haben Unbekannte die Wange der Loriot-Figur an der Contrescarpe Höhe Herdentor angemalt. Bereits mehrmals ist es zu Vandalismus an der Figur gekommen, die mittlerweile recht mitgenommen aussieht. Eigentlich ist die Stadt für ihre Reinigung zuständig. Doch Loriots langjähriger Freund Jürgen Dewet Schmidt hat die Figur von seinem Feinkostladen „Grashoff's“ aus stets im Blick und kümmert sich um sie.

Mit Humor gegen Vandalismus

„Einmal haben Unbekannte die Figur über Nacht richtig verwandelt", erzählt er. Näheres möchte er dazu nicht sagen, aus Sorge, Nachahmer zu ähnlichen Taten zu ermuntern. „Ansonsten waren es eher Kleinigkeiten. So wurde zum Beispiel mal die Nase rot angemalt.“ Derartigen Farbvandalismus an der Figur nimmt Schmidt einigermaßen gelassen, da sich auf der Farbe eine schmutzabweisende Schicht befindet, die sich mit einem Lösungsmittel leicht reinigen lässt.

Viel mehr ärgert ihn, dass immer wieder Menschen mit ihren sandigen Schuhen auf der Figur herumklettern. „Sie möchten Fotos mit Loriot machen, aber reißen dadurch die Farbe ab“, sagt er. „Deshalb müssen wir ihn im Frühjahr 2018 rausnehmen, neu bemalen und beschichten.“ Verhindern könne man Vandalismus seiner Meinung nach nicht durch Verbote, sondern mit Humor. So denkt er beispielsweise an ein Schild mit der Aufschrift: „Lasst Loriot schlafen!“.

Hohe Dunkelziffer bei Farbvandalismus

Seit 2016 schon sitzt die 200 Kilogramm schwere schwarz-weiße Bronzefigur des Bildhauers Johann Stroble auf der Parkbank und erinnert an den Humoristen Vicco von Bülow alias „Loriot“. Die Stiftung von Karin und Uwe Hollweg finanzierte sie gemeinsam mit dem Ehepaar Schmidt und schenkte sie der Stadt. Eigentlich ist diese seither für die Reinigung zuständig, doch für Schmidt ist es eine Herzensangelegenheit, sich selber darum zu kümmern: „Solange ich lebe, werde ich das machen.“

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Schmierereien wie diese sind in Bremen keine Seltenheit: Nach Angaben der Polizei gab es in diesem Jahr bereits um die 320 Fälle von Farbvandalismus. Allerdings könnte die Zahl der Fälle höher als angegeben sein, weil nicht jeder Vandalismus der Polizei gemeldet wird. So erstattet die Kulturbehörde beispielsweise nur Anzeige bei der Polizei, wenn es sich um Schmierereien mit Nazi-Symbolen handelt. „In den anderen Fällen eher nicht, weil sie in der Regel sowieso nicht aufgeklärt werden“, sagt Alexandra Albrecht, Sprecherin des Senators für Kultur. „Wir bekommen zwei bis drei Mal pro Monat Vandalismus an Kunstwerken im öffentlichen Raum gemeldet. Aber manche Meldungen landen auch direkt bei anderen Stellen. Deswegen sind es sicher mehr.“

Schnelles Handeln gegen Nachahmungstäter

Besonders betroffen sind die Bremer Mitte und der Bremer Süden. „In der Innenstadt gibt es viel Durchgangsverkehr“, sagt Polizeisprecherin Franka Haedke. „Die Innenstadt ist sowieso ein Schwerpunkt für Kriminalität. Ohne Hinweise sind die Täter schwer zu finden.“ Die Gründe für Farbvandalismus sind vielfältig. Häufig steht eine politische Motivation hinter Sprüchen auf Häuserwänden oder verunstalteten Wahlplakaten. Außerdem dienen Sprühereien als territoriale Markierungen der Sprayer beispielsweise auf Häuserwänden oder Zügen. Bei Vandalismus empfiehlt die Polizei, sofort eine Strafanzeige zu erstatten und die Beschädigung zu fotografieren. Außerdem ist es wichtig, die Beschädigung schnell zu entfernen, um Nachahmungstäter abzuhalten.

Kunstwerke im öffentlichen Raum gehören seit dem Jahr 2000 in den Zuständigkeitsbereich der Kulturbehörde. Für ältere Kunst kommt es darauf an, wo sie steht, so ist etwa die Umweltbehörde für die Wallanlagen zuständig. „Schmierereien sind ärgerlich, aber um sie zu verhindern, müssten wir Zäune um die Kunst ziehen oder sie unter Glas stellen“, sagt Behördensprecherin Albrecht. „Das würde jedoch die Wirkung beeinträchtigen. Wünschenswert wäre eine Sensibilisierung dafür, dass man Kunst nicht beschmiert oder zerstört.“ Bremen setze sich wie keine andere Stadt für Kunst im öffentlichen Raum ein. Insgesamt seien rund 670 Einzelwerke und Mahnmale dauerhaft aufgestellt, zudem gab es um die 647 temporäre Projekte. „Es ist immer schrecklich, wenn Kunst beschmiert wird“, sagt Albrecht. Allerdings müsse man das auch im Verhältnis zur Zahl der Kunstwerke sehe. "Trotzdem: Jeder Fall ist einer zu viel.“

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