Masernfälle in Bremen Lücken beim Impfschutz

In Bremen sind Kinder und Erwachsene gut vor Masern geschützt. Lücken gebe es bei Kindern an Waldorfschulen und bei Flüchtlingen, heißt es vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Bremen.
24.02.2015, 21:55
Lesedauer: 3 Min
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Lücken beim Impfschutz
Von Antje Stürmann

In Bremen sind Kinder und Erwachsene gut vor Masern geschützt. Während in Berlin seit Herbst mehr als 570 Menschen erkrankt sind, wurden dem Robert-Koch-Institut aus Bremen im gesamten Jahr 2014 nur vier Fälle gemeldet. 2015 ist nach Angaben der Gesundheitsbehörde noch kein Bremer an Masern erkrankt. Als einen Grund gibt das Ressort den Impfschutz an: Über 90 Prozent der Kinder seien nach dem 2. Geburtstag gegen Masern geimpft.

In Bremen gibt es weder einen Masern-Ausbruch wie in Berlin noch eine akute Gefährdung.“ So lautet die Einschätzung des Landesvorsitzenden des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bremen, Stefan Trapp. Jens Schmidt, Sprecher des Gesundheitsressorts bestätigt: „Bremen ist kein Risikogebiet.“ In den vergangenen Jahren, so Stefan Trapp, habe es immer mal wieder einzelne Fälle von Masern gegeben. „Dass sie sich nie ausgebreitet haben, spricht dafür, dass der Impfschutz in der Bevölkerung im Allgemeinen gut ist.“ Lücken gebe es bei Kindern an Waldorfschulen und bei Flüchtlingen.

Zuletzt waren die Masern 2013 ausgebrochen. „Sechs Kinder einer Schule hatten sich untereinander angesteckt“, erinnert sich Trapp. Aus einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts geht hervor, dass es seit 2004 oft nur zwei, aber nie mehr als sieben Fälle von Infektionen gegeben hat. Ein Anstieg ist laut Trapp nicht zu befürchten.

Bei Masern handelt es sich nach den Worten Trapps um die ansteckendste Kinderkrankheit. Das Virus wird durch das Einatmen von Tröpfchen, etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen, übertragen. Die Symptome reichen von Schnupfen, Fieber und Husten bis hin zu rötlich-braunen Hautirritationen. Zudem wird das Immunsystem geschwächt. Dadurch kann es zu Folgeinfektionen kommen, etwa einer Hirnhautentzündung mit Nervenschäden.

In Berlin war vor einer Woche ein Kleinkind an den Folgen einer Masernerkrankung gestorben.

„Dass so etwas auch in Bremen passiert, kann man nie ausschließen“, sagt Jens Schmidt. Schutz böten Impfungen, deren Quoten im Land relativ hoch seien. Bis zur Schuleingangsuntersuchung sind laut Schmidt 96,8 Prozent der Kinder einmal geimpft und 92,4 Prozent bereits zweimal. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung müssen 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, damit sich Masern nicht mehr ausbreiten können. Bei fünf Prozent der Geimpften versagt die erste Immunisierung, für einen wirksamen Schutz sollte bis zum Ende des zweiten Lebensjahres ein zweites Mal geimpft werden, erklärt Stefan Trapp. Wer sich nicht impfen lasse, gefährde vor allem Säuglinge und Kleinkinder, denn: „Vor dem ersten Lebensjahr wirkt die Impfung gegen Masern nicht.“ Jüngere Kinder könne die Gesellschaft nur schützen, indem sie alle anderen impfe, so Trapp. Lücken sieht er vor allem bei zwei Gruppen: bei den Flüchtlingen und bei Kindern an Waldorfschulen. Auch der Ausbruch vor zwei Jahren in Bremen habe sich an einer Waldorfschule ereignet. Kein Einzelfall, sagt der Kinderarzt. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass viele Eltern, die ihr Kind an einer Waldorfschule unterrichten lassen, Impfungen aus ideologischen Gründen ablehnten und sich das Masernvirus dort leicht ausbreite.

Zur zweiten Risikogruppe gehören Kinder aus Kriegsgebieten, in denen es keine Gesundheitsversorgung gibt. Sie haben in Bremen einen Anspruch auf alle amtlich empfohlenen Impfungen, sobald für sie ein Antrag auf Asyl oder Duldung gestellt worden ist und sie gesetzlich krankenversichert sind. Im Zweifelsfall werden sie an einen Kinderarzt überwiesen, der alle empfohlenen Impfungen durchführt. Die Kosten dafür, so ein Sprecher der Sozialsenatorin, übernehme in Bremen der Steuerzahler. Spätestens bei der Schuleingangsuntersuchung wird der vollständige Schutz kontrolliert. „Das ist sehr viel besser geregelt als in anderen Bundesländern“, meint Stefan Trapp.

„Bei den erwachsenen Flüchtlingen gehen wir davon aus, dass sie schon einen gewissen Schutz besitzen“, sagt Jens Schmidt. Je nach Herkunftsland werde den Neuankömmlingen empfohlen, sich gegen spezielle Krankheiten impfen zu lassen. Eine Kontrolle gibt es nicht. Offen ist, wer die Impfungen bezahlt. Schmidt: „Wir sind dabei zu klären, ob das Amt für Soziale Dienste die Kosten übernehmen kann.“ In der Statistik der Masern-Infektionen spielten Flüchtlinge bislang keine Rolle.

Auf Länderebene wird indes über die Einführung einer Impfpflicht nachgedacht. Bremen setzt vorerst auf die Kombination aus Aufklärung und Einladungen zu den Früherkennungsterminen für Kinder. „Sollten wir damit in den nächsten Jahren die Impfquote nicht auf 95 Prozent erhöhen können, würde sich der Gesundheitssenator nicht gegen eine vom Bund initiierte Impfpflicht wehren“, so Schmidt. Niedersachsen indes spricht sich klar gegen eine gesetzliche Impfpflicht aus. „Jeder sollte seinen Impfschutz überprüfen und bei Bedarf nachbessern“, sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Heinke Traeger. In Niedersachsen waren im Januar 26 Menschen an Masern erkrankt – mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2014. Kommentar Seite 2

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