Nach Austritt aus Bremer AfD

Lührssen will Spitzenkandidat der Bürger in Wut werden

Der Fernsehjournalist Hinrich Lührssen will nach seinem Austritt aus der AfD offenbar Spitzenkandidat der Bürger in Wut für die Bürgerschaftswahl werden. Das berichtet das Nachrichtenportal buten un binnen.
19.02.2019, 11:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann
Lührssen will Spitzenkandidat der Bürger in Wut werden

Hinrich Lührssen arbeitete unter anderem für Radio Bremen. Er trat im August 2018 in die AfD ein.

Frank Thomas Koch

Mit einer Überraschung haben am Dienstag die Bremer Bürger in Wut (BIW) aufgewartet: Die Wählervereinigung will mit Hinrich Lührssen in den Wahlkampf für die Bremische Bürgerschaft ziehen. Der BIW-Vorstand präsentierte den 60-Jährigen als Spitzenkandidaten. Der Journalist war durch sein Engagement bei der Alternative für Deutschland (AfD) bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Am Sonnabend sollen die BIW-Mitglieder über die Kandidatur und die Kandidatenliste abstimmen. Jan Timke, BIW-Vorsitzender, Mitglied der Bürgerschaft und Bremerhavener Stadtverordneter, geht davon aus, dass die Mitglieder sich für Hinrich Lührssen aussprechen. Man befinde sich programmatisch auf einer Linie.

Hinrich Lührssen war im Januar damit gescheitert, sich als Spitzenkandidat für die AfD aufstellen zu lassen. Seit Juni 2018 gehörte er der Partei an, aus der er nach „parteiinternen Streitigkeiten“ erst am Montag vergangener Woche ausgetreten war. In der vergangenen Woche sei er dann auch der Wählergemeinschaft Bürger in Wut beigetreten, so Lührssen. „Hier bin ich gut aufgehoben, auch menschlich.“

Er habe sich über das Angebot der Bürger in Wut sehr gefreut, sagt Lührssen. Die Wählergemeinschaft stehe für "eine solide Politik ohne Machenschaften", und habe gezeigt, dass sie konstruktive, konservative und soziale Politik mache. "Ich bin meiner Linie treu geblieben", antwortet er auf die Frage, wie er es schaffe, von einer Partei-Linie so schnell auf die andere umzuschwenken. Und zu der Kritik, es ginge ihm vor allem um einen Posten, sagt der gebürtige Bremerhavener: "Ein Posten ist erst mal ein Mandat, der Wähler entscheidet."

Die Bürger in Wut wollen mit ihrem neuen Spitzenkandidaten "denjenigen ein Angebot machen, die sich nicht mehr vertreten fühlen", erklärt Jan Timke. Man wolle insbesondere die Nichtwähler erreichen, deren Quote habe bei der vergangenen Bürgerschaftswahl 48 Prozent betragen. Die Bürger wollten nicht den aalglatten, rhetorisch brillanten Politiker, sondern Kandidaten mit Ecken und Kanten, die ehrlich seien. "Dafür steht Hinrich Lührssen." Mit diesem Spitzenkandidaten, der nicht durch eine typische Politikerkarriere zu seinem Listenplatz komme, verspreche man sich, Wähler zu gewinnen, die man sonst nicht erreichen würde.

"Wir wollen mehr Bürger ins Parlament bringen", bekräftigt Jan Timke noch einmal. Zu dem Entschluss, Hinrich Lührssen für eine Kandidatur anzusprechen, sei man gemeinschaftlich gekommen. Der BIW-Bürgerschaftsabgeordnete Piet Leidreiter bekräftigt das: "Ich bin gerne auf einen hinteren Platz zurückgetreten."

Mit ihrem Spitzenkandidaten und ihrem Programm will die Wählergemeinschaft außerdem die Bürger ansprechen, "denen die CDU nicht mehr konservativ genug ist", erklärt Timke, und verweist auf die Migrationspolitik. Ein Jamaika-Bündnis (CDU/Grüne/FDP) wäre nach Ansicht des BIW-Leiters nicht politikfähig. Das sehe man an Beispielen wie der Forderung nach Cannabisfreigabe.

Die Wählervereinigung Bürger in Wut werde ab kommender Woche in den Wahlkampf einsteigen, wenn die Entscheidungen der Mitgliederversammlung gefallen seien, so Timke. 100 Mitglieder zählten die BIW in Bremen und Bremerhaven, "unsere Mitgliedschaft ist sehr aktiv und rege". Eine Liste mit etwa 20 Kandidaten für Bremen und circa elf für Bremerhaven strebt der BIW-Vorstand an. Mit den Schwerpunkten Innere Sicherheit, Bildungspolitik und Mittelstandspolitik will die Wählergemeinschaft punkten. "Wir wollen sieben Prozent erreichen", sagt Jan Timke.

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Die Bürger in Wut werden ab kommender Woche eine Internet-Kampagne starten und die Kandidaten und Schwerpunkte über die Kanäle der sozialen Medien bekannt machen. "Wir wollen zeigen, dass wir ein ernst zu nehmendes Angebot machen", bekräftigt Jan Timke. Davor gebe es noch die Mitgliederversammlung, zu der die Presse herzlich willkommen sei. "Im Gegensatz zu anderen haben wir nichts zu verstecken."

+++Dieser Text wurde um 19.00 Uhr aktualisiert+++

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