Diskriminierung steht im Zentrum des neuen Projektes von „We united“ / Ergebnis wird in Schulen präsentiert

Mädchen drehen Kurzfilm für Toleranz

Auf dem weißen Aushängeschild in der Alten Hafenstraße steht in bunten Buchstaben "We united". Früher befand sich hier ein Schusterladen. Seit Januar 2011 ist in dem ehemaligen Geschäft der preisgekrönte Europa-Treff beheimatet, eine Initiative von jungen Leuten mit Migrationshintergrund, die sich für Integration und Toleranz stark macht und derzeit Kurzfilme zum Thema Diskriminierung dreht.
15.01.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum

Auf dem weißen Aushängeschild in der Alten Hafenstraße steht in bunten Buchstaben "We united". Früher befand sich hier ein Schusterladen. Seit Januar 2011 ist in dem ehemaligen Geschäft der preisgekrönte Europa-Treff beheimatet, eine Initiative von jungen Leuten mit Migrationshintergrund, die sich für Integration und Toleranz stark macht und derzeit Kurzfilme zum Thema Diskriminierung dreht.

Vegesack. In der Dependance von "We united" in der Alten Hafenstraße sitzen mehrere Mädchen und junge Frauen mit einem Kameramann vor einem Laptop und begutachten Filmszenen, die sie am Wochenende in einem Boxstudio gedreht haben. In dem Spot geht es um Frauen, die eine eher männliche Sportart betreiben und die deshalb mancher argwöhnisch betrachtet. Die Aufnahmen sind gelungen, müssen aber noch geschnitten und betextet werden. Dafür haben die sechs Initiatorinnen des Projekts noch bis Mai Zeit. Dann müssen die 16 bis 22-Jährigen ihr Werk im Rahmen des "Strukturierten Dialogs" beim Bremer Jugendring präsentieren, um nachzuweisen, dass dieser das Projekt aus gutem Grund finanziell fördert.

Für ihren Film bereiten die sechs jungen Regisseurinnen gegenwärtig weitere einminütige Spots vor. Die Themen: Männer in Frauenberufen, sexuelle Orientierung, Migration, Behinderung oder ungewöhnliches Aussehen durch Tattoos und Piercings.

"Wenn der Film fertig ist, wollen wir ihn an Schulen zeigen und mit den Klassen darüber reden", erklärt die 21-jährige Berivan Genc. Die Studentin gehört zu den Gründungsmitgliedern von "We united" und ist besonders stolz auf das schöne Domizil in der Alten Hafenstraße. "Der Vermieter hat uns zum Glück Vertrauen geschenkt", sagt sie. Immerhin habe man sechs Monate lang vergeblich nach einer Bleibe gesucht. Das Amt für soziale Dienste zahlt jetzt Miete und Nebenkosten, einen Antrag dazu muss der Verein jährlich erneuern.

Mit einer fünfstelligen Anschubfinanzierung des Landesjugendamtes konnten die jungen Frauen und Mädchen die renovierten Räume inzwischen einrichten. An modernen weißen Lacktischen mit Chromfüßen stehen weiße Schwingstühle und hinter der weißen Schrankwand leuchtet ein lilafarbener Hintergrund. Dazu passenden Vorhänge runden das Ambiente ab.

Die Räume verwaltet das "We united"-Team in Eigenregie, und die Mitglieder können sie sogar privat nutzen. "Wer nutzt der putzt" lautet dabei das Motto, erklärt Berivan Genc. "Das sind auch keine Riesensausen, sondern Treffen mit zehn bis 15 Leuten." Tatsächlich seien einige Jungs auch neidisch auf das schöne Domizil der Mädchen, "aber die wollen nicht viel dafür tun, und springen dann wieder ab", erzählt die Studentin. "Wer mitmachen will, muss sich schon engagieren und Zeit investieren", betont sie. "Nur so kommt wirklich was zustande, ergänzt die 18-jährige Nuriye Sagaltici. Immerhin müsse die Gruppe mindestens einmal pro Jahr ein jugendpolitisches Projekt auf die Beine stellen.

Gruppe sucht engagierte Mitstreiter

Ursprünglich hatte "We united" neun Gründungsmitglieder, drei sind jedoch aus beruflichen und privaten Motiven ausgeschieden. Ebru Genc, Isra Obeida, Fatma Nas, Eyfer Tunc sowie Berivan Genc und Nuriye Sagaltici würden sich deshalb sehr über engagierte Verstärkung freuen. Für ihr aktuelles Filmprojekt arbeiten sie bereits mit Jennifer Weiner und Ahmet Erkek sowie mit dem Kameramann Tobias Stalling vom Landesinstitut für Schule zusammen.

Ahmet Erkek soll in einer Discoszene einen vom Türsteher abgewiesenen Besucher mimen. Die blonde Jennifer Weiner spielt eine Muslimin, die mit Vorurteilen zu kämpfen hat, weil sie – wegen ihres Kopftuchs – für eine Migrantin gehalten wird.

Einen Migrationshintergrund haben auch die sechs jungen Frauen von "We united","aber wir sind alle hier geboren und haben einen deutschen Pass", erzählt Berivan Genc. Fünf Mädchen wohnen in der Grohner Düne, und deshalb wird hier auch die zentrale Szene für den aktuellen Film gedreht. "Obwohl wir in Deutschland arbeiten oder studieren und hier geboren sind, werden wir immer als Ausländer angesehen", erklärt die 21-Jährige. "Auch deshalb, weil wir in der Düne wohnen." Die unterschiedlichen Filmszenen werden daher auch immer mit dem Satz enden: "Ich werde diskriminiert, weil..."

Unterstützung erhält die Gruppe immer wieder von Sandra Grohnert, die als Sozialpädagogin beim Mädchentreff Lilas Pause arbeitet. "Wir gucken beispielsweise, ob wir die fertigen Projekte irgendwo einschicken können, damit das nicht alles für die Tonne ist." Belohnt wurde die Gruppe bereits für das eigentliche Projekt "We united": Im September erhielt sie dafür den Jugend-Integrationspreis "mittenmang" (wir berichteten).

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