Gruppe der Atib Moschee möchte genauso wie alle anderen Jugendlichen behandelt werden Mädchen fühlen sich diskriminiert

Osterholz. Die Mädchengruppe der Atib Moschee in der Graubündener Straße hatte Oguzhan Yazıcı eingeladen, um mit ihm darüber zu sprechen, dass sie sich diskriminiert fühlen. Oguzhan Yazıcı scheint für dieses Thema genau der richtige Ansprechpartner zu sein, er ist seit 2008 ehrenamtlicher Mitarbeiter im Islamischen Kulturverein Bremen-Findorff und länger noch Mitglied der Bremer Oppositionspartei CDU, mit dem C für christlich im Namen.
09.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Die Mädchengruppe der Atib Moschee in der Graubündener Straße hatte Oguzhan Yazıcı eingeladen, um mit ihm darüber zu sprechen, dass sie sich diskriminiert fühlen. Oguzhan Yazıcı scheint für dieses Thema genau der richtige Ansprechpartner zu sein, er ist seit 2008 ehrenamtlicher Mitarbeiter im Islamischen Kulturverein Bremen-Findorff und länger noch Mitglied der Bremer Oppositionspartei CDU, mit dem C für christlich im Namen. Yazıcı ist seit Oktober 2013 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, von Beruf Jurist, war Konfliktschlichter beim Täter-Opfer- Ausgleich, ist ausgebildeter Mediator und hat sein Jura-Examen zum Thema „Gewalttätige Männlichkeitsinszenierungen türkischstämmiger Jugendlicher“ mit Summa cum laude abgeschlossen.

Die Mädchen, die das Gespräch suchen, sind Betül, Beyza, Aylin, Esra, Ceren und Sadiyenur, die sich innerhalb der Moschee Elif Ekimer zur Vertrauensperson gewählt haben. Elif Ekimer befindet sich in der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten und hat gerade ihre Führerscheinprüfung bestanden. Sie ist wenige Jahre älter als die Mädchen. Wenige der Mädchen tragen ein Kopftuch, alle sind gebürtige Deutsche und haben durch ihre Eltern Wurzeln in der Türkei.

„Wir sind doch hier geboren“

„Ich habe in Apotheken gefragt, dort bekomme ich mit Kopftuch keinen Praktikumsplatz und erst recht keine Lehrstelle,“ sagt ein Mädchen. „Die meisten haben Angst vor dem, was sie nicht kennen. Das bekomme ich mit dem Kopftuch zu spüren.“ „Verkäufer gucken uns immer komisch an,“ ist eine weitere Erfahrung. „Wir hätten gerne einen Raum für uns, am besten mit Küche,“ wünschen sich die Mädchen. „Ja wir wollten auch ein eigenes Kochbuch machen, aber wir bekommen kein Geld.“ Das sind typische Beschwerden, die die Mädchen an diesem Tag dem Bürgerschaftsabgeordneten Yazıcı schildern. Pauschale Erlebnisse und Wahrnehmungen, die in ihrer Menge auf die Mädchen wirken, aber jeweils andere Ursachen haben und anderes Entgegentreten verlangen.

„Wir sind doch hier geboren,“ klingt mehrfach und mit einem Hauch Verzweiflung an. Die Mädchen wollen dazugehören zu dieser Gesellschaft, wollen in der Apotheke oder als Lehrerinnen arbeiten können oder auch in Sparkassen – dafür haben sie gelernt und gute Schulnoten nach Hause gebracht. Sie wollen beim Einkauf nicht skeptisch kontrollierende Blicke auf sich ziehen, weil sie tief schwarzes Haar haben, wollen, wie andere, Projektmittel bekommen, zum Beispiel für einen Austausch mit christlichen Mädchen aus Osterholz und für eine begleitende Referentin der Volkshochschule. Sie glauben aber nicht mehr an den Erfolg, wenn sie Gelder beantragen, weil sie noch nie Erfolg mit ihren Anträgen hatten.

Oguzhan Yazıcı spricht von langsamem Wandel. Davon, wie viel auch er wegen seiner Zugehörigkeit als nicht normal betrachtet wird. Davon, dass vor 20 Jahren die Ethnie, also „der Türke“, als fremd betrachtet wurde und „der Türke“ dem „Muslim“ begrifflich als fremdartig nachgefolgt ist. Also ein Wandel von türkischer Staatszugehörigkeit zu Religion. „Ich biete zweimal jährlich in meiner Partei Besuche in einer Moschee an“, erklärt Yazıcı seine Art der Aufklärung, also seinen Weg, die Angst vor dem Fremden zu nehmen und dadurch das Fremde bekannt zu machen. Können Mädchen im Alter von 14 oder 16 Jahren mit ihren schwarzen Haaren Angst machen?

Yazıcı kommt auf die Politik zu sprechen. „Heute hat eine Frau in der Türkei größere Freiheiten als vor 20 Jahren. Frauen können Kopftuch tragen und haben beruflichen Zugang zum öffentlichen Dienst. Frauen sind es, die wegen ihrer gewonnenen Freiheiten, die Regierung stützen“, erklärt Oguzhan Yazıcı.

Nach viel Austausch über das Thema der Diskriminierung, will die Mädchengruppe der Moschee einen neuen Anlauf und das Unterlassene in die Hand nehmen. Bisher haben sie nicht selbst verfolgt, welche Wege ihre Anliegen oder Anträge genommen haben.

Jetzt haben sie sich vorgenommen, ihren Wunsch, den sie wegen der vermeintlichen Ablehnung nicht weiter verfolgt hatten, nun anzugehen. Sie wollen sich über Fördermöglichkeiten für ihre Ideen informieren, wollen eine Referentin finden und sich mit ihren christlichen Freundinnen und Mitschülerinnen des Stadtteils regelmäßig treffen, um sich über die Inhalte und Auslegungen von Bibel und Koran auszutauschen. Wollen das Fremde Angstmachende kennenlernen.

Die Atib Moschee befindet sich in der Graubündener Straße 88

in Tenever.

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