Neue Vorschläge zur Obduktionspflicht

Mäurer befürwortet "virtuelle Autopsie" von Kinderleichen

Bremen. Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) will am Dienstag im Senat einen neuen Vorschlag zu dem brisanten Thema "Obduktionspflicht bei Kindern" vorlegen. Unterstützung erfährt die Gesundheitssenatorin dabei von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).
21.03.2010, 09:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) will am Dienstag im Senat einen neuen Vorschlag zu dem brisanten Thema 'Obduktionspflicht bei Kindern' vorlegen. Unterstützung erfährt die Gesundheitssenatorin dabei von einigen Staatsräten und von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Vor dem Hintergrund der aktuell diskutierten 'virtuellen Autopsie' möchte Mäurer die Vorlage um einen wichtigen Passus erweitern.

Wie berichtet, hatte der Hamburger Rechtsmediziner Axel Heinemann am Donnerstag vor Kriminalbeamten in Bremen die Möglichkeiten einer "virtuellen Autopsie" vorgestellt. Dabei wird mit Hilfe der Computer- und der Magnetresonanztomografie der Körper eines Verstorbenen durchleuchtet und mehrschichtig aufgenommen. Während in Hamburg jährlich Hunderte von Leichname auf diese Art am Computer untersucht und anschließend herkömmlich obduziert werden, wurde die Methode in Bremen erst bei einer Handvoll von Mordfällen angewandt.

So waren zuletzt auf Anordnung der Staatsanwaltschaft zwei in Findorff ermordete Frauen einer virtuellen Autopsie unterzogen worden. Mäurer möchte seine Kolleginnen und Kollegen in der Senatsrunde am Dienstag davon überzeugen, dass die virtuelle Autopsie künftig bei allen Todesfällen von Kindern vor Vollendung des sechsten Lebensjahres standardmäßig angewandt wird, sofern die Todesursache nicht zweifelsfrei geklärt ist. "Die Entscheidung, ob darüber hinaus eine klassische Obduktion geboten ist, wird damit deutlich erleichtert", so Mäurer. Als Beispiel nannte er alte, bereits verheilte Knochenbrüche bei einem Kind, die bei einer virtuellen Autopsie entdeckt werden und auf Misshandlungen hindeuten könnten.

Standardmäßig sollte die neue Methode nach Überzeugung von Mäurer auch vor allen strafprozessual bereits angeordneten Obduktionen im Falle von Tötungsdelikten erfolgen sowie bei möglichen Behandlungsfehlern, Unfällen, nicht identifizierten Leichen und bei allen verstorbenen Kindern und Jugendlichen

Wie berichtet, plant die Gesundheitssenatorin eine Obduktionspflicht bei Kindern, deren Todesursache nicht zweifelsfrei feststellbar ist. Die Eltern können nach der jetzigen Vorlage innerhalb von 24 Stunden dagegen Widerspruch einlegen. In diesem Fall würde ein Amtsrichter auf Antrag der zuständigen Behörde über eine Obduktion des Kindes entscheiden. Der sogenannte Richtervorbehalt würde also nur greifen, wenn die Eltern ihre Zustimmung verweigerten. Mit der aktuellen Ergänzung aus dem Innenressort würde Bremen weitere neue Akzente in der bundesweit beachteten Debatte setzen.

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