Innensenator setzt Rotstift bei Freiwilligen Feuerwehren an Mäurer bringt Brandschützer gegen sich auf

Bremen. Die Freiwilligen Feuerwehren sind derzeit nicht gut auf Innensenator Ulrich Mäurer zu sprechen. Auf der jüngsten Delegiertenversammlung sagte er, man müsse angesichts chronisch leerer Kassen darüber nachdenken, Freiwillige Wehren zusammenzulegen.
06.03.2010, 13:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. Die Freiwilligen Feuerwehren sind derzeit nicht gut auf Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) zu sprechen. Der Grund: Auf der jüngsten Delegiertenversammlung des Landesfeuerwehrverbandes sagte er, man müsse angesichts chronisch leerer Kassen darüber nachdenken, Freiwillige Wehren zusammenzulegen. Verbandsvorsitzender Detlef Scharf, gleichzeitig Chef der Freiwilligen Feuerwehr Schönebeck, ist über den Vorstoß maßlos enttäuscht. 'Ich dachte, die Innenbehörde sei für uns, nicht gegen uns.'

Etwa 90 Mitglieder der 23 Freiwilligen Feuerwehren im Land seien bei der Versammlung gewesen, sagt Scharf (53). Mäurers Auftritt habe Unmut ausgelöst. Schließlich gehe es um Brandbekämpfer, die ehrenamtlich im Einsatz nicht selten Kopf und Kragen riskieren. Es gehe um Kollegen, die nach einem Acht-Stunden-Tag alles stehen und liegen lassen, wenn sich ihr Pieper meldet, die einen Großteil ihrer Freizeit der Feuerwehr widmen.

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Außerdem, betont Scharf, sind die Freiwilligen Wehren voll in die Einsatzpläne der Berufsfeuerwehr integriert; ohne sie würde der Brand- und Katastrophenschutz nicht funktionieren. In der Stadt Bremen gebe es 20 Freiwillige Feuerwehren mit rund 610 Mitgliedern. Die Berufstruppe hat knapp 500 Beamte. Acht Freiwillige Wehren in der Stadt sind Tag und Nacht einsatzbereit - und sie werden oft gebraucht. Allein die Neustädter Wehr, sagt Scharf, komme auf 70, manchmal 100 Einsätze im Jahr. 'Dreiviertel davon tagsüber.' Für die Bürger, die Hilfe brauchen, weil es brennt, weil sie im Eis eingebrochen sind oder weil der Keller vollgelaufen ist, sind Freiwillige und Berufsfeuerwehr nicht zu unterscheiden: Alle tragen dieselbe Einsatzkleidung und erledigen - ausgenommen Spezialeinsätze - im Wesentlichen dieselben Aufgaben. Allerdings, sagt Scharf, kosten die Freiwilligen Feuerwehren nur einen Bruchteil dessen, was das Land für die Berufsfeuerwehr aufwenden muss. Deshalb sei das

Einsparpotenzial sehr gering. Auch aus einem anderen Grund bringe es nichts, Wehren zusammenzulegen. 'Schon jetzt sind viele Gerätehäuser zu klein.' Müsste eine Feuerwehr die Kollegen aus der Nachbarschaft aufnehmen, würde dieses Problem verschärft.

Beispiel Lehester Deich: Die dortige Freiwillige Feuerwehr hat 44 Mitglieder und 24 Nachwuchskräfte, muss aber mit einem Gebäude auskommen, das nur zwei Toiletten hat. Bei einer Versammlung werden die Einsatzwagen aus der Halle gefahren, um dort Platz für das Treffen zu schaffen, schildert Wehrführer Heiko Lürßen. Und bei einem Einsatz ziehen sich seine Leute direkt neben den Löschfahrzeugen um - bei geöffneten Hallentoren und laufenden Motoren. Obendrein ist das Gerätehaus aus dem Jahr 1974 marode. Eigentlich müsste ein neues Quartier her - aber dafür hat Bremen erst Recht kein Geld.

Mit solchen Widrigkeiten arrangieren sich die Einsatzkräfte irgendwie und packen selbst an, wenn am Gerätehaus wieder etwas repariert werden muss, sagt Scharf. Dass der Innensenator auf dieses Engagement jetzt damit reagiert, die Rahmenbedingungen noch weiter zu verschlechtern, geht in seinen Augen zu weit. 'Wir wollen alle 20 Standorte erhalten.' Über einen anderen Punkt lasse sich dagegen reden: Bisher sei jede Freiwillige Feuerwehr mit zwei Fahrzeugen ausgestattet. Bei kleinen Truppen sei das nicht unbedingt nötig.

Innensenator Mäurer verweist auf den enormen Sparzwang, der auf jedem Ressort laste. Bei der Überlegung, 'wo wir effektiver werden können', könnten die Freiwilligen Wehren nicht ausgeklammert werden. 'Ich halte es für unverantwortlich, das nicht anzusprechen.' Von der Variante, solche unpopulären Themen bis zur Bürgerschaftswahl 2011 aufzuschieben, halte er nichts. 'Das löst ja kein einziges Problem.'

Eine Arbeitsgruppe arbeite nun an einer Bestandsaufnahme: Wie alt ist der Fuhrpark? Wie oft sind die einzelnen Fahrzeuge im Einsatz? Auf der Basis dieser Auswertung sollen dann Vorschläge entwickeln werden, wo eine Zusammenarbeit möglich ist und auf welche Fahrzeuge verzichtet werden kann. Dabei gehe es um langfristige Veränderungen, also um eine Perspektive nach 2011.

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