Senatorin über klimafreundlichen ÖPNV

Maike Schaefer: Es gab bisher keine geeigneten Busse

Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) will bei der Umstellung auf emissionsfreie Busse nicht allein auf Elektromobilität setzen. Noch fahren in Bremen aber ausschließlich Dieselbusse.
23.02.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Maike Schaefer: Es gab bisher keine geeigneten Busse
Von Jürgen Hinrichs
Maike Schaefer: Es gab bisher keine geeigneten Busse

Maike Schaefer räumt Versäumnisse bei der Umstellung auf klimafreundliche Antriebe ein. Die Senatorin will sich trotzdem noch einmal Zeit nehmen, um die verschiedenen Varianten zu prüfen.

Frank Thomas Koch

Frau Schaefer, „wir dieseln hinterher“, haben Sie mal gesagt. Ein Satz, der es auf den Punkt bringt. Kein einziger emissionsfreier Bus auf Bremens Straßen. Wie kann das sein?

Maike Schaefer: Zu der Aussage stehe ich, denn es stimmt ja, dass wir unsere Fahrzeugflotte klimafreundlicher machen müssen, das aber noch nicht geschafft haben.

Anders als andere Städte, die bei den Bussen massiv in Stromantrieb investieren. Hamburg zum Beispiel und Hannover.

Ich finde es falsch, in dieser Phase allein auf Elektromobilität zu setzen. Wir müssen stattdessen prüfen, ob die Brennstoffzellentechnik mit Wasserstoff nicht die bessere Lösung wäre. In beiden Fällen kommt es entscheidend darauf an, wie die Energie hergestellt wird – ob zum Beispiel aus Kohle, was die Ökobilanz wieder verschlechtern würde, oder aus regenerativen Energiequellen. E-Mobilität wird oft als das schlechthin Gute dargestellt, sieht man sich aber die Batterien an, was da drin steckt und unter welchen Umständen diese hochschädlichen Stoffe in der Natur abgebaut werden, kann man nicht zufrieden sein.

Das ist alles bekannt. Aber wollen Sie ewig warten und so lange hinterher dieseln, bis endlich eine zu hundert Prozent saubere Lösung gefunden wurde?

Nein, natürlich nicht. Die BSAG bekommt demnächst einen E-Bus, der vier Wochen lang getestet wird und danach möglicherweise in Betrieb geht. Das scheint jetzt endlich ein Bus-Typ zu sein, der den Alltagsanforderungen der BSAG auch gewachsen ist. Für fünf E-Busse gibt es eine Förderzusage des Bundes, die wir in Anspruch nehmen werden.

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Entschuldigung, aber getestet wird bei der BSAG seit Langem. Und die fünf Busse – von denen war bereits im vergangenen Jahr die Rede. Gekommen ist bislang keiner.

Sie haben recht, dass es schneller gehen müsste, und es gab in der Vergangenheit sicherlich Versäumnisse, jedoch auch keine geeigneten Busse. Aber erstens sind die Schritte hin zu den E-Bussen getan, auch perspektivisch, weil es ein weiteres, deutlich attraktiveres Förderprogramm des Bundes gibt und wir uns dort für die Anschaffung von 15 E-Bussen beworben haben. Und zweitens, so viel Zeit geben wir uns, soll noch einmal genau geprüft werden, wie sich die Chancen von Wasserstoff gegenüber elektrischem Antrieb verhalten. Dafür ist bei der BSAG Anfang des Jahres eine Arbeitsgruppe gegründet worden.

Die EU schreibt vor, dass bis zum Jahr 2025 fast die Hälfte aller neu angeschafften Busse in den Mitgliedsländern emissionsfrei betrieben werden müssen. Für Bremen ist das nach heutigem Stand illusorisch.

Das muss man sehen. Sie dürfen bitte nicht vergessen, dass wir die meisten Busse mit modernster Dieseltechnologie ausgestattet haben. Bremen dieselt hinterher, ja, aber deutlich schadstoffärmer als andere Kommunen das tun. Außerdem investieren wir gerade knapp 500 Millionen Euro in die Anschaffung neuer Straßenbahnen. Und wir bauen die Linien aus.

Reportage Betriebshof der BSAG

Die Busse der BSAG fahren ausnahmslos noch mit Diesel. Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind aber bestellt.

Foto: CARMEN JASPERSEN
Was nützt das, wenn es in Bremen vergleichsweise teuer ist, in Busse und Bahnen zu steigen? Kürzlich wurde noch einmal der Preis fürs Einzelticket erhöht, obwohl die BSAG das vorher ausdrücklich ausgeschlossen hatte.

Gleichzeitig gibt es aber auch Vergünstigungen. Wir haben den Nachtzuschlag abgeschafft und beim Stadtticket auf eine Preiserhöhung verzichtet. Das sind Einnahmeverluste, die Bremen kompensieren muss, und irgendwann geht es dann wegen der begrenzten Haushaltsmittel nicht mehr. Klar ist trotzdem, dass wir mittelfristig für den ÖPNV ein neues Modell brauchen. Eine Variante ist das 365-Tage-Ticket, eine andere, die Fahrgäste überhaupt nicht bezahlen zu lassen. Die Kosten müssten dann über die Gewerbesteuer umgelegt werden und zusätzlich müssten alle volljährigen Bremer, Pendler, Studierende und Touristen eine Umlage entrichten.

Sie könnten die Leute doch mal auf den Geschmack bringen, probehalber. Busse und Bahnen für lau, einen Tag lang oder auch mal ein Wochenende. Andere Kommunen machen das.

Sicher, aber wissen Sie, was das kostet? In Hannover waren es für einen Tag 700.000 Euro. Da sagen mir die Leute zurecht, dass ich für das Geld besser einen Bus anschaffe. Gerne auch einen, der emissionsfrei ist.

Das Gespräch führte Jürgen Hinrichs.

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Zur Person

Maike Schaefer (48)

ist seit August vergangenen Jahres Bürgermeisterin und Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Vorher war sie vier Jahre lang Grünen-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft.

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