Bei Schaukampf in Lesum gewinnt der elfjährige Jan-Okke Rockmann gegen den Ex-Nationalspieler

Marco Bode gibt sich geschlagen

Fußballprofi Marco Bode hat mit 101 Bundesliga-Toren für den SV Werder Bremen in den Jahren 1989 bis 2002 für Furore sorgte. Von seiner Schach-Leidenschaft dürften indes nur wenige wissen. Im Rahmen zweier Schaukämpfe des Schachklubs Bremen-Nord (SKBN) in Lesum verwies der 44-Jährige immerhin den Bremer U-16-Meister, Matthias Herdzik, in die Schranken.
22.04.2014, 00:00
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Von Karsten Hollmann
Marco Bode gibt sich geschlagen

Jan-Okke Rockmann gewinnt gegen Marco Bode – dem am Ende die Zeit fehlt.

Karsten Hollmann

Fußballprofi Marco Bode hat mit 101 Bundesliga-Toren für den SV Werder Bremen in den Jahren 1989 bis 2002 für Furore sorgte. Von seiner Schach-Leidenschaft dürften indes nur wenige wissen. Im Rahmen zweier Schaukämpfe des Schachklubs Bremen-Nord (SKBN) in Lesum verwies der 44-Jährige immerhin den Bremer U-16-Meister, Matthias Herdzik, in die Schranken.

Dass der frühere Fußball-Profi Marco Bode auch als Schachspieler ernst genommen werden muss, bewies er bei zwei Schaukämpfen im Rahmen der Bremer Einzelmeisterschaften in der Cafeteria neben dem großen Festsaal von Friedehorst. Der ehemalige Nationalspieler erholte sich schnell von seiner Niederlage gegen den Führenden der Deutschen U-12-Rangliste, Jan-Okke Rockmann, und besiegt im Anschluss etwas überraschend den frisch gebackenen Bremer U-16-Meister Matthias Herdzik.

Sowohl Rockmann als auch Herdzik treten für den Schachklub Bremen-Nord (SKBN) an, der auch die Bremer Meisterschaften anlässlich seines 100-jährigen Bestehens austrägt. Marco Bode wurde zu Beginn der beiden Schaukämpfe freundlich von den Vereinsvertretern begrüßt. Der 44-Jährige nahm sich die Zeit, um jedem die Hand zu geben und ein kleines Pläuschchen zu halten. Der 40-fache Nationalspieler wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht richtig, was ihn erwartete. Auch deshalb hatte er sich zu seiner Unterstützung seinen ständigen Schach-Partner Helmut Hafner mitgebracht.

„Wenn wir zusammen spielen, weiß man vorher nie, wer gewinnt. Wir haben dasselbe Niveau“, berichtete Bode. Während er selbst eher den angriffslustigen Spieler verkörpere, so habe sich Hafner mehr der defensiven Spielweise verschrieben. Möglich machte die beiden Schaukämpfe Michael Schnepel. Er arbeitet in einem Werder-Fanprojekt und hatte den Kontakt zum SKBN-Vorsitzenden Jochen Windheuser hergestellt.

Als Marco Bode seinen ersten Gegner, Jan-Okke Rockmann, zu sehen bekam, erinnerte er sich an ein früheres Turnier. „Haben wir nicht schon einmal gegeneinander gespielt?“, fragte er den Elfjährigen. Der Vater des Jungen, Claas Rockmann-Buchterkirche, klärte die Sache auf. Sein Sohn sei zwar bei einem Turnier im Rahmen der 111-Jahre-Feier des SV Werder Bremen im Weserstadion dabei gewesen. Gespielt habe er aber gegen einen anderen Kontrahenten.

Viele Zuschauer standen um die beiden Akteure. Der aktuelle Spielstand war parallel auf einer Leinwand zu erkennen. Jeder Spieler hatte für seine Züge 15 Minuten Bedenkzeit. Während Jan-Okke Rockmann für seine ersten Züge gerade ein bis zwei Sekunden benötigte, so hielt Bode die Zeit erst nach ausführlichen Überlegungen an. Schon machten sich die ersten Zweifel breit: „Ich scheine Jan-Okke noch nicht zu überraschen.“

Als Jan-Okke Rockmann noch 14 Minuten Bedenkzeit auf der Uhr hatte, war Bode bereits die Hälfte der Gesamtzeit entronnen. „Die Zeit“, wies Bode auf den Druck hin, den er nun spürte. Jan-Okke Rockmann hatte derweil noch genügend Muße, um auf Anzeigeverzögerungen auf der Leinwand hinzuweisen. „Die beiden Türme sind schon vom Brett“, sagte der frühere Deutsche U-10-Meister. Im Endspiel begann Marco Bode extrem schnell zu ziehen. Dann sorgte er mit der Ansage „Schach“ für ein kurzes Raunen im Saal. Kurz darauf gewann Jan-Okke Rockmann aber doch das Match. „Ich gebe auf. Ich hätte mehr Zeit gebraucht“, ließ Bode wissen. Er reichte Rockmann die Hand.

Jan-Okke Rockmann versicherte nach dem Match, dass er zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Niederlage gesehen habe. „Es war alles eingeplant. Ich habe seine Bauern gefressen und dann gewonnen. Diese Variante habe ich mal ganz in Ruhe für mich analysiert“, teilte der Schüler mit.

Der anwesende Berliner Großmeister Robert Rabiega munterte Marco Bode auf: „Du warst einmal gar nicht so weit weg vom Sieg. Du hättest nur einmal in die Mitte ziehen müssen, anstatt den Läufer zu schlagen. Es war die richtige Idee, nur eben falsch angesetzt.“

Bode trotzte dem Berliner Großmeister später noch neben neun weiteren Akteuren immerhin ein Remis im Simultan-Schach ab. Nur Nils-Lennart Heldt vom SV Werder Bremen besiegte Rabiega dabei. Ein Siegesgefühl nahm Marco Bode auch noch mit aus dem Bremer Norden. Er schaffte es, den 15-jährigen Matthias Herdzik in die Knie zu zwingen. „Schach hat mich schon immer als Sport interessiert. Leider spiele ich nur unregelmäßig“, sagte Marco Bode am Ende.

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