Gleisanlage zwischen Schwanewede und Farge wird in Rostock versteigert Marinebahn unterm Hammer

Schwanewede. Das Grundstück ist 28 000 Quadratmeter groß und soll 2500 Euro kosten. Ein Schnäppchenpreis.
27.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Das Grundstück ist 28 000 Quadratmeter groß und soll 2500 Euro kosten. Ein Schnäppchenpreis. Die Sache hat nur einen Haken: Das Areal präsentiert sich auf der Landkarte als etwa 1,4 Kilometer langer und im Schnitt 20 Meter breiter Landstrich zwischen dem Pötjerweg in Farge und der Hospitalstraße in Schwanewede. Genauer gesagt: Es handelt sich um die Teilstrecke der ehemaligen Militärgleisanlage (Marinebahn), die jetzt in Rostock unter den Hammer kommen soll.

Für den 5. März lädt die Norddeutsche Grundstücksauktionen AG in die Hansestadt an der Ostsee ein. Im dortigen Pentahotel sollen 42 Immobilien versteigert werden. Zu den eher ungewöhnlichen Angeboten gehören ein Hochbunker in Hemelingen und besagtes Teilstück der ehemaligen Militärbahn. Anbieter der in den Jahren 1939/40 gebauten und inzwischen teilweise von der Natur zurück eroberten Gleisanlage ist die Bundesanstalt für Immobilienanlagen (BImA). Sie versucht Grundstücke, Gebäude und Anlagen zu Geld zu machen, die der Eigentümer Bundesrepublik Deutschland nicht mehr gebrauchen kann. Stefan Günsloff von der für Bremen und Niedersachsen zuständigen Außenstelle Oldenburg: „Wir sprechen zunächst mit den Bundesländern und Kommunen, ob sie an bestimmten Objekten Interesse haben. Ist das nicht der Fall, wird der Auktionator eingeschaltet.“

Der stählerne Strang zwischen Schwanewede und Farge sei schon mal vor geraumer Zeit Thema in der Kommunalpolitik gewesen, erinnern sich Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken und Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack. Dabei ging es um den Umbau und die Nutzung der Trasse als Radweg. Die Blumenthaler winkten aber schließlich ab. Grund: Ein neuer Radweg sollte unmittelbar entlang der Weser entstehen.

Der knapp 1,4 Kilometer lange Bahnkörper, der jetzt unter den Hammer kommen soll, führt zum Teil durch Kleingartengebiet und erstreckt sich von der Brücke Pötjerweg/Rekumer Geest in Richtung Norden bis zu der Stelle, wo er an die Hospitalstraße stößt. Kai Rocholl vom Vorstand der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG hat bei Google Earth nachgemessen und kommt auf eine Gesamtlänge von „gut 1300 Metern“. Dieses Teilstück sei seit etlichen Jahren aufgrund des technischen Zustands für den Eisenbahnbetrieb gesperrt. Rocholls Antwort auf die Frage, wie man es künftig nutzen könnte: „Das bleibt der Fantasie des künftigen Besitzers und Investors überlassen.“

Der wird in der Beschreibung des Verkaufsobjekts freilich auf einige Hürden hingewiesen. Weil es sich bei dem 1,4 Kilometer langen Geländestreifens um eine Fläche handelt, die zurzeit nur für den Bahnbetrieb genutzt werden darf, muss er für eine anderweitige Verwendung auf eigene Rechnung eine sogenannte Freistellung beantragen. Die Kosten belaufen sich laut Auktionshaus auf etwa 1600 Euro. Darüber hinaus verlaufen neben der ehemaligen Bahntrasse Fernkabelverbindungen und eine Rohrleitung vom ehemaligen Tanklager Farge nach Oldenburg.

Nutzungsmöglichkeiten geprüft

Als Informationsquelle für das vom Rostocker Auktionshaus katalogisierte Versteigerungsobjekt „Marinebahn“ wird der Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr genannt. Zuständig für den Schienenverkehr in der Hansestadt an der Weser ist Christoph Lankowsky. Er bestätigt auf Anfrage, dass in der Vergangenheit etliche Möglichkeiten geprüft worden seien, ob und wie die stillgelegte Militärbahn reaktiviert werden könnte. Neben dem Radwegebau sei unter anderem überlegt worden, den Personenverkehr auf der Schiene bis zum Zentrum von Schwanewede zu verlängern. Lankowsky: „Sämtlichen Alternativen fehlte schließlich die Sinnhaftigkeit.“

Die Marinebahn von Farge nach Schwanewede spiegelt ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte wider. Der Schienenstrang wurde speziell für den Bau eines Marine-Depots und des U-Boot-Bunkers Valentin sowie für Deportationszüge zum Konzentrationslager Farge und dem benachbarten „Arbeitserziehungslager“ verlegt. Das Mahnmal vor dem Bunker versinnbildlicht das Leiden und Sterben der Häftlinge, die schwere Zwangsarbeit auf der Bunkerbaustelle verrichten mussten. Es steht auf der ehemaligen Trasse der Marinebahn Farge-Schwanewede. Die Strecke ist zuletzt von der Bundeswehr genutzt worden, um Material und Fahrzeuge per Bahn zum Standortübungsplatz Schwanewede zu transportieren. Das Mindestangebot für das rund 28 000 Quadratmeter große Grundstück, aufgeteilt in 14 Flurstücke, liegt bei 2500 Euro. Ob sich ein Käufer findet, bleibt abzuwarten. Insgesamt sollen am 5. März ab 12 Uhr im Rostocker Pentahotel 42 Immobilien versteigert werden.

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