Marktplatzplaudereien

Grüße aus Südtirol

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
19.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Grüße aus Südtirol
Von Jürgen Theiner

Draufgezahlt

Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hat sich die Urlaubsgrüße eines Senatskollegen 48 Cent Nachporto kosten lassen. Vor ein paar Tagen hatte sie eine Aufforderung der Post erhalten, sich eine Sendung im Postamt abzuholen und dort die Zusatzgebühr zu entrichten. Am Schalter wurde Stahmann eine Ansichtskarte aus Italien ausgehändigt. Frankiert war das Schriftstück mit einer italienischen Briefmarke, der Absender hatte die Karte aber erst in München auf der Rückreise nach Bremen eingeworfen. Die Deutsche Post erkannte die ausländische Marke nicht an, deswegen die Strafgebühr. Absender war niemand Geringeres als Stahmanns Parteikollege und Finanzsenator Dietmar Strehl. Der war auf dem Heimweg aus Südtirol an keinem Briefkasten der Poste Italiane vorbeigekommen und hatte die Karte deshalb erst in Deutschland auf die Reise geschickt. Briefmarke ist Briefmarke, wird er sich gedacht haben.

Steiner is back

FDP-Fraktionschefin Lencke Wischhusen heißt schon länger nicht mehr Steiner. Diesen Nachnamen legte sie 2019 nach ihrer Scheidung von dem Unternehmer Phillipe Steiner wieder ab. In der FDP-Zentrale an der Sandstraße scheint das noch nicht jeder verinnerlicht zu haben. In einer gestern verschickten Mail wird jedenfalls „herzlich zum Landesparteitag der FDP Bremen mit Hauke Hilz und Lencke Steiner“ eingeladen. Neben Vergesslichkeit kommt als Erklärung infrage: Der Verfasser ist Waldorfschüler und kann mit dem Namen Steiner einfach mehr anfangen.

Lediglich ledig

Sind die Diäten der Bürgerschaftsabgeordneten von gut 5100 Euro brutto angemessen? Ein gutes Thema für den Stammtisch. Einerseits tagt die Bürgerschaft nur an zweieinhalb Tagen pro Monat. Hieran gemessen, wirkt die Aufwandsentschädigung für die 84 Abgeordneten durchaus üppig. Allerdings beschränkt sich die Tätigkeit der Mandatsträger nicht auf die Plenarsitzungen. Die Abgeordneten sind auch Mitglieder von Deputationen und Ausschüssen, in denen die eigentliche fachliche Arbeit geleistet wird. Wer sich auf diese Sitzungen angemessen vorbereiten will, muss einiges an Zeit investieren. Viele Mandatsträger nehmen überdies weitere Funktionen in diversen Gremien wahr, von der Enquete-Kommission Klimaschutz bis zum Betriebsausschuss der Stadtbibliothek. Von solchen Mühen ist aktuell nur ein Abgeordneter befreit: der Linke Mazlum Koc. Der Woltmershauser war zu Beginn der Legislaturperiode von seiner Fraktion in kein Fachgremium entsandt worden – gewissermaßen als Strafe dafür, dass er im Wahlkampf gegen parteinterne Fair-Play-Regeln verstoßen haben soll. Kocs biografischer Eintrag auf der Bürgerschafts-Website ist deshalb sehr übersichtlich. Wo bei anderen Abgeordneten ellenlang die Funktionen in Ausschüssen und sonstigen Gremien aufgelistet sind, steht bei Koc lediglich: „ledig“.

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