Marktplatzplaudereien

Gute und schlechte Schwingungen

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
26.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gute und schlechte Schwingungen
Von Nina Willborn
Gute und schlechte Schwingungen

"Freimarkt", "Freipaak" oder "Freipark"? Auf der Bürgerweide wird's jedenfalls ab dem 2. Oktober bunt.

Frank Thomas Koch

Mit Sperrstunde

Die Vertreter der Veranstaltungsbranche machen gerade mit einem Herzschlag-Video und einer Fotogalerie auf der Internetseite „www.kulturgesichter0421“ auf ihre seit Monaten wirtschaftlich bedenkliche Situation aufmerksam. „Ohne uns ist’s still“ ist ihr Motto und zugleich ihre Warnung, weil sie sich von der Politik – hier ist vor allem die der Bundesregierung gemeint – vergessen fühlen. Sozusagen vergessen wurden aber kürzlich auch einige Bremer Gastronomen, und zwar in der Wirtschaftsbehörde. Das Arbeitstreffen im Haus von Senatorin Kristina Vogt (Linke) dauerte bis in die Abendstunden. Für Wirte und Partyveranstalter ist späte Arbeit nichts Besonderes, für den Schließdienst der Behörde offenbar schon: Als sich die Veranstaltung gegen 21 Uhr auflöste und man gen Ausgang strebte, war dort das Rolltor schon herabgelassen – Amts-Sperrstunde eben. Anstatt spontan einen neuen Nachtklub an der Zweiten Schlachtpforte zu eröffnen, entschieden sich die Eingeschlossenen für den telefonischen Hilferuf und gelangten am Ende wieder ins Freie.

In Schwingung

Durchs Bild laufende Tiere, Kinder, halbangezogene Kollegen, auf dem Kopf stehende Teilnehmer, unfreiwillige Haus- und Gartenführungen, ja selbst Autofahrten: Es bleibt auch nach gut einem halben Jahr, das Politiker wie Mitarbeiter von Behörden nun Zeit hatten, sich an die Herausforderungen des mobilen Arbeitens zu gewöhnen, immer noch spannend. Aus Gründen, die noch weiter erforscht werden müssten, ist vor allem die Deputation für Bau und Verkehr geprägt von einer etwas eigenwilligen Interpretation der eigentlich von der Hausspitze vorgegebenen Disziplin bei Videokonferenzen. Jüngster Fall: Während der von den Fraktionsvertretern durchaus hitzig geführten Debatte zur Parkraum-Initiative „Platz da“ drängte sich optisch plötzlich unfreiwilligerweise Behörden-Mitarbeiter Jan Casper-Damberg in den Vordergrund. Auf seinem Kamerabild schwang, deutlich zu sehen, ein gutes Stück über dem Boden eine weibliche Person durchs Homeoffice, von rechts nach links und wieder zurück. Die Auflösung des Rätsels: Es war seine Tochter, die für die Zirkusschule „Jokes“ am Vertikaltuch Akrobatik übte.

Markt-Fragen

Freimarkt, Freipaak, Freipark oder temporärer Freizeitpark: Wie man den Budenzauber auf der Bürgerweide nun korrekt bezeichnet, ist gar nicht so einfach. Die Schausteller und das Wirtschaftsressort wollen ihn nicht „Freimarkt“ nennen, einfach, weil es ohne die Festzelte und die Partyhalle 7 für sie keiner ist. Sie bevorzugen die „Park/Paak“-Varianten, um den familienfreundlichen Aspekt zu betonen. Einen „Freimarkt“ gibt es trotzdem, nämlich den kleinen auf dem Markt. Spannend ist, welche Version sich im Volksmund durchsetzt – in der Betitelung von Werders Heimspielstätte beispielsweise hat sich der Namenszusatz für das Weserstadion bislang nicht durchgesetzt. Ganz konsequent sind die Schausteller in der Freimarkts-Frage allerdings nicht: Der Einfachheit halber haben sich die Vorstände beider Verbände darauf geeinigt, trotz des aus ihrer Sicht ja nicht so richtig stattfindenden 985. Freimarkts den Zeitstrahl der Traditionsveranstaltung zu lassen, wie er ist. Also, im Oktober 2021 die 986. Auflage zu feiern – und, schon mal vormerken, im Jahr 2035 die 1000.

Ab- und Aufstiege

Pressesprecher zu sein, kann einen sicheren Arbeitsplatz bedeuten, muss es aber nicht. In der Bremer Politik wechseln sie die Kommunikatoren für Fraktionen oder Behörden gerne nach Wahlen. Manchmal geht’s aber auch schneller. Für die SPD-Fraktion spricht neuerdings nicht mehr Stephan Stegmann, auch zwischen Häfen-Staatsrat Tim Cordßen (SPD) und Behörden-Sprecher Sebastian Rösener soll es schon mal besser gelaufen sein. Bei den Linken hingegen ist ein Sprecher-Job derzeit ein Karriere-Sprungbrett: Arbeitsstaatsrat-in-spe Kai Stührenberg war vorher Ressortsprecher und Fraktionssprecher Tim Ruland wird persönlicher Referent von Senatorin Vogt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+