Marktplatzplaudereien

Asterix und schwache Äste

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
10.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Asterix und schwache Äste
Von Nina Willborn
Asterix und schwache Äste

Viel Sand und ein paar Kiefern: der "Waller Sand" in der Überseestadt.

Roland Scheitz

Mitgehangen, mitgefangen

Wir befinden uns im Jahr 2020 n. Christus. Ganz Bremen ist von einem bösartigen Virus besetzt. Ganz Bremen? Nein! Ein von standhaften Hanseaten bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem pandemischen Eindringling Widerstand zu leisten... Und hier beginnt der Ärger aus Sicht von Bremerhaven. Obwohl sie mit ihren sehr überschaubaren Infektionen so etwas wie die Asterix‘schen Gallier sind, haben die standhaften Seestädter, sollten sie in diesen Tagen an der Ostsee statt an der Wesermündung aufs Wasser gucken wollen, Pech. Der Grund: Für Uneingeweihte in den anderen deutschen Provinzen ist Bremens Konstruktion als Zwei-Städte-Staat zu kompliziert. Bremerhaven ist nicht Bremen, also landestechnisch schon, aber eben nicht Stadt Bremen. Stadtbremisch in Bremerhaven ist das Überseehafengebiet. Dessen 22 Bewohner haben Pech, sie gehören zum Corona-Risikogebiet. Dass aber die anderen rund 17 000 Bremerhavener aus den zum Postleitzahlgebiet des Überseehafens gehörenden Teilen Lehe und Mitte laut „übereifrigen Mitarbeitern von Beherbergungsbetrieben oder sich berufen fühlenden Ämtern“ ein erhöhtes Risiko darstellen sollen, regt nicht nur Magistratssprecher Volker Heigenmooser auf.

Geknickte Kiefern

Der Wald ist in Gefahr. Weltweit, und neuerdings auch in Walle, nämlich im Bereich des unlängst dem Weserschlick abgetrotzten Erholungsgebietes Waller Sand. Dem dort liebevoll gehegten Baumbestand von etwa sieben Kiefern setzen allerdings weder das Klima noch der Borkenkäfer zu, sondern Kinder. Weil sie zu wenig Spielgeräte vorfänden, heißt es in einem Papier, mit dem sich der Senat gerade beschäftigt, nähmen die Kinder mit den Kiefern vorlieb – und knickten bei ihren Kletterversuchen einen Ast nach dem anderen ab. Was nun besorgniserregender ist, die schwächlichen Bäume oder das Gewicht der Kinder, bleibt diffus. Sicherheitshalber soll nun ein zusätzliches Klettergerät aus Holz her – genügend Material scheint ja vorhanden. Besagte Vorlage bereichert im Übrigen das inoffizielle Wörterbuch der schönsten Amtsdeutsch-Kreationen noch um die rätselhafte Formulierung „wegeläufiger Übergang“.

Abstimmungswillig

Die AfD sitzt nicht erst seit gestern in der Bremischen Bürgerschaft, die parlamentarischen Gepflogenheiten dürften sich also langsam herumgesprochen haben. Bei Thomas Jürgewitz aber sind doch noch nicht alle Regeln angekommen. Bei einer aktuellen Stunde zu den Warnstreiks des öffentlichen Dienstes versicherte er am Ende seines Redebeitrags, er werde – wen wundert's – dem Antrag keinesfalls zustimmen. Es war dann SPD-Landeschefin Sascha Aulepp, die Jürgewitz mitteilte, dass er sich die Mühe sparen konnte. Aktuelle Stunden nämlich enden von selbst, ohne Abstimmung.

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